Von den 42 Interpreten sind mir 2 geläufig.
Optimale Bedingungen also für eine hemmungslose Odyssee, eine Reise ins
Ungewisse, ein Betreten auf unbekanntes Terrain. Bekannt sind mir zwar
einige herausragende Songs wie „Professional Distorsion“ oder „Requiem
For A Hit“, doch möchte ich mich nicht als Miss Kittin Experte
betrachten. Eines wird allerdings schnell klar: Dieser Mix-Sampler hat
nichts von der originellen, frechen, obszönen Miss Kittin des „I Com“,
auf „A Bugged Out Mix“ befinden wir uns nämlich endgültig in der
Clubhölle, mit Endlosschleifen, dummen Ansagen und aufkommender
Ermüdung. Handwerklich nicht zu unterschätzen, bemüht sich die
Französin immer wieder, erfrischende Inputs einzuschieben, doch hätten
es durchaus auch doppelt so viele sein dürfen, denn zu oft dauert es
eine Ewigkeit, bis sich auch nur eine Winzigkeit tut. Fazit: Wir
schenken diesen Sampler an den nächsten DJ weiter und tanzen statisch
oder im Endrausch dazu ab. Auf alle Fälle ist man zu Hause auf dem
Musiksessel – mit Rolling Stone und Cognac, Pistazien und Nostalgieduft
– völlig falsch ausgerüstet. Deshalb ist es auch schwierig, sich
vorzustellen, wie diese Platte am richtigen Ort wirken würde. Die
einzigen Momente, die auch dem Heimhörer gefallen, sind die Andeutungen
zur Anmutigkeit, das manchmal eingeschobene Plötzlichverlangsamen und
die dann aufkommende Momentmelancholie. Mehr liegt nicht drin, ausser
man kickt sich in andere Sphären, schlägt den Kopf gegen die Wand und
schreit so laut es geht „Fuck You World“ mit französischem Akzent. Man
macht also seine eigene Diskothek: Am Tag, bei Sonne und Regen, tanzt
und wippt man bei „A Perfect Day“, der besseren der beiden Seiten. Und
abends, erst wenn es absolut dunkel ist, lässt man das Velolicht
blinken und macht mit dem Kopf stylische Auf-und-ab-Bewegungen,
natürlich zu „A Perfect Night“. Dieses Tag-/Nacht–Konzept ist zwar
schön erdacht, aber eigentlich viel zu wenig konsequent durchgezogen.
Lediglich ein bisschen spielerischer und angenehmer entfaltet sich die
zweite CD, sonst sind die beiden Parts kaum zu unterscheiden. Nicht wie
Tag und Nacht, höchstens wie 23:59 und 1:43.
Ab 17. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Eher CD 2, daraus Track 2, 6, 9 und 16 – 18.
Trackliste: CD1 Perfect Night
1) Princess Superstar - Perfect (acapella); 2) DJ K! - Plastic People
(K-I Original Mix); 3) El Loco - Ibiza; 4) Cajmere – Percolator (Keep
Movin’ Mix); 5) Armando - 151 (Terrace Mixx); 6) Misc - Vakuum Audio;
7) My My - Serpentine; 8) Female vs. Regis - Avon 1 (James Ruskin
Remix); 9) Adam Beyer - A Walking Contradiction (Part 1); 10)
Fixmer/Mccarthy - Freefall (The Hacker Remix); 11) The Chemical
Brothers - Base 6; 12) Drexciya - Lost Vessel; 13) Perspects - Title 13
(In 2 Parts); 14) GE & GM - Seven Eleven; 15) Modeselektor - Hasir;
16) Mike Ink - Paroles; 17) Awesome 3 - Don't Go (Kicks Like A Mule
Mix); 18) Milanese - Vanilla Monkey; 19) Front 242 - First In, First
Out; 20) DJ Maxximus & Something J - Destiny; 21) Squarepusher - My
Red Hot Car; 22) Acrosome - Perfect Girl
CD 2 Perfect Day
1) Si Begg – Sting ? 3 (That’s Good); 2) Wagon Christ – Shadows; 3)
Monolake – Invisible; 4) Baby Ford - Normal (Is It Normal? Club Mix);
5) Donato Dozzy & Brando Lupi - Metal Slave; 6) Saint Etienne - Heart
Failed (Two Lone Swordsmen Mix); 7) Jay Haze – Groove; 8) Richard Devine
- Untitled A1; 9) Le Car - Aluminum Rectangles; 10) Curve - Falling Free
(Aphex Twin Mix); 11) Toasty - The Knowledge; 12) Artwork - Rank; 13) a¦b
featuring MC Soom-t – Another Level; 14) Concept 1 - 08:00; 15) Sixtoo -
Transfer Please, Perfect Wednesday; 16) Villalobos - Easy Lee (Cassy Lee
Mix); 17) Static - Inside Your Heaven; 18) Biosphere - Grand Dôme;
19) Twine - Kalea Morning; 20) Christ. - Medulla Oblongata
similar artists: Bugged Out Mix–Sampler, The Hacker, Vitalic, Ladytron
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Bio:
Sie ist wohl als eine der bekanntesten Chanteusen im Technozirkus zu
betrachten: Caroline Hervé, 1973 im südostfranzösischen Grenoble
geboren und aufgewachsen. Als die Technowelle auch in diesen Winkel der
Erde schwappt, gehört sie zu den ersten in der Stadt, die mitgerissen
werden. Nach dem Bac beginnt die Katzenliebhaberin mit einem Studium
zeitgenössischer Kunst und Grafik. Musikalisch interessiert sich
Caroline für Madonna, die sie bewundert, Herbie Hancock und später auch
Front 242.
1993 beginnt ihre nicht ganz freiwillige Karriere als DJane, als sie
nämlich ihren damaligen Freund eines miesen Mixes beschuldigte und
dieser ihr an den Kopf warf, sie solle es doch gefälligst selber mal
versuchen und besser machen. Ihre Art und Technik zu mixen, indem sie
beispielsweise unorthodox minimal Techsound mit Poptracks aus den 80ies
verwurschelt, bringt Caroline Respekt und Anerkennung ein.
Mit Michel Amato startet sie das Electro Disco New Wave Duo Miss Kittin
& The Hacker, das mit den Hits "1982" und "Frank Sinatra" schnell
Furore macht. Mittlerweile lebt Caroline Hervé in Genf in der
Westschweiz, im Schoße der Mental Groove Records Familie. Aus jenem
Hause erscheint mit "Radio Caroline Volume 1" Miss Kittins erste
Mix-CD, auf der sie natürlich zwischendurch auch mal nach dem Mikro
greift. Hauptamtlich tut sie dies wieder auf dem zweiten regulären Miss
Kittin-Longplayer "I Com", der im Juni 2004 erscheint. Anstatt sich auf
den erfolgreichen Retro-Wurzeln des Vorgängers auszuruhen, lädt Miss
Kittin zu neuen und abwechslungsreichen Soundufern, an deren Wellengang
die Groove-Berater Thies Mynther und Tobi Neumann nicht unschuldig sind.
Diskographie:
> The Bugged Out Mix By Felix Da Housecat (2003)
> The Bugged Out Mix By Erol Alkan (2005)
> The Bugged Out Mix By Miss Kittin (2006)
Miss Kittin:
> First Album (2001)
> Radio Caroline Volume 1 (2003)
> I Com (2004)
> Live At Sonar (2006)