Der weltbekannte Antikriegsveganer und sein neuster Streich
Obwohl irgendein Typ namens Eminem ihn kürzlich ordentlich veräppelt hat, stellt Moby ein neues Werk vor, von dem der Rapper einiges bezüglich Musik und vor allem Vielfalt lernen könnte.
Okee, ich gebe ja zu, dass ich Moby bisher nur dank seinen zahlreichen Heavy-Rotation-Tracks a la "Why Does My Heart Feel So Bad..." etc. kannte und sein Schaffen mich noch nie wirklich überzeugen konnte. Doch mit "Hotel" produzierte er ein Werk, das auch meinen, grösstenteils an Rockmusik gewöhnten, relativ intoleranten auditiven Kortex nicht quält. (Im Gegensatz zu Mobys CD verlasse ich die Räumlichkeiten im Laufschritt, sobald lahmes Gerede über sogenannte "Gangstas'" und "Bitches" auf monotonen Beats die Boxen verlässt.)
Moby hat hier wie gewohnt die Vielfältigkeit zelebriert und einige ganz geläufige, angenehme Stücke komponiert, die eigentlich niemand wirklich hassen darf. Man trifft vor allem elektronische, Keyboard lastige, teilweise leicht rockige, melodiöse, atmosphärische und poppige Stücke an, die niemals ins Extreme ausarten und die CD somit als abwechslungsreiches, ausgewogenes Gesamtwerk erscheinen lassen. Gut herauszuhören ist Mobys Faible für die späten 70er/frühen 80er Jahre, als die Frisuren noch Stil hatten und New Wave dick im Geschäft war. Inspiriert von New Order (Joy Division) und David Bowie, gelingen ihm die munteren Stilwechsel in gewohnter Manier. Mit "Temptation" liefert er sogar ein sehr ruhiges, gefühlvolles Cover des Klassikers von New Order Anno 1982, während das elektronisch-rockige "Spiders" als eine Hommage an seinen Kumpel und Held David Bowie gesehen werden kann. Unterstützt von der Sängerin Laura Dawn, gelangen ihm anständige Lieder, die trotz den meist elektronischen Beats sehr ruhig, freundlich und radiotauglich tönen.
Ob das neue Album wie "Play" (1999) rund 10 Millionen Mal über den Ladentisch geschoben wird, steht noch in den Sternen. Meiner Ansicht nach wird dies mangels wirklicher Höhepunkte kaum gelingen. (Gerade jetzt, 25.3./13.41 Uhr, habe ich zwar erfahren, dass der Bengel schon die obersten Hitparadenplätze erstürmt.) Moby will leider nicht mehr schockieren - die Liedchen klingen sehr durchdacht und genau geplant, sind dadurch leicht vorhersehbar. Erwartungsgemäss besingt er mit schwacher Stimme die momentan etwas durcheinandergeratene Weltpolitik. Für ihn resultieren die politischen Uneinigkeiten aus den Unterschieden zwischen komplexen und einfachen Gesellschaften. Ausserdem kritisiert er den weltweit an Bedeutung gewinnenden Fundamentalismus, der von islamischer genauso wie christlicher Seite herrührt. Schön und gut sind seine Erkenntnisse schon, jedoch alles andere als neu, geschweige denn weltbewegend. Natürlich dürfen die obligaten Lieder über die Liebe, Beziehungen, den allseits beliebten Matratzensport und den daraus resultierenden Herzschmerz nicht fehlen.
Interessant sind vielleicht seine Überlegungen zum Albumtitel "Hotel" (hier grob übersetzt mit meinen rudimentären Englischkenntnissen): ''Beim Betreten eines Hotelzimmers meint man, man sei der erste, der dieses Zimmer betritt. Im Hinterkopf weiss man jedoch, dass wenige Stunden zuvor andere Gäste hier waren und weiss der Teufel welch' wüste Spielchen spielten. Die intimsten Sachen passieren in Hotels, weil ihre Anonymität vor ungewollten Besuchen, Überraschungen etc. schützt.''
Gut, dann danke ich Moby für seinen musikalischen Beitrag zur Hotelzimmer-Atmosphäre und empfehle das Album allen Fans und denjenigen, die sich von Musik nicht gerne überfordern lassen, jedoch trotzdem gerne etwas Stilvolles zu hören haben möchten.
Seit 14. März 2005 im Handel.
Anspieltipps: Raining Again, Where You End, Slipping Away
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Bio:
Richard Mellville Hall begann seine Karriere in etlichen US-Clubs als DJ und veröffentlichte erst einige Platten bei Independent-Labels, bis er von den Majors entdeckt wurde. 1995 erschien sein Debütalbum "Everything Is Wrong", das so ziemlich sämtliche Musikstile beinhaltete, jedoch trotzdem eigenständig klang. Nach einem Rockalbum ("Animal Rights", 1996) und einem eher zu seiner Stärke passenden Elektroalbum ("I Like To Score", 1997), gelang ihm mit "Play" (1999) der grosse Wurf. Durch ewig dauernde Tourneen wurde sein Name weltbekannt. 2002 erschien dann "18", das sein Talent für verträumte Melodien zeigte, die auch auf dem aktuellen Album zuhauf anzutreffen sind. Unter dem Pseudonym Voodoo Child produzierte er ausserdem zwei Dance-Alben.

Diskographie:
⇒ Everything Is Wrong (1995)
⇒ Animal Rights (1996)
⇒ I Like To Score (1997)
⇒ Play (1999)
⇒ The End Of Everything (2001)
⇒ 18 (2002)
⇒ Hotel (2005)
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