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Modey Lemon - The Curious City (2005) (Mute/Musikvertrieb)

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von Philipp Gautschi am Dienstag, 21. Juni 2005 in Neuerscheinungen   
Stillsitzen genauso unmöglich wie tanzen

Modey Lemon - The Curious City (2005) (Mute/Musikvertrieb) Rotzfrech, düster, geheimnisvoll und vor allem kurios (wie's der Albumtitel schon besagt) darf man den aus Pittsburgh stammenden Psychedelic-Rock von Modey Lemon problemlos nennen. Es braucht zwar etwas Zeit, doch die Mischung aus misshandelten Gitarren, polterndem Schlagzeug und gezielt eingesetzter, verzerrter Elektronik gefällt je länger si mehr.


Die meisten Europäer sind ja bekanntlich seit geraumer Zeit nicht mehr so gut auf die Amerikaner zu sprechen, doch hier beweist mir eine weitere Band, dass auf der anderen Seite des grossen Teiches fernab von "don’t think, shoot"-Mentalität Musik entsteht, die im Vergleich zur momentanen Hochkonjunktur des langsam verleidenden nordeuropäischen Retro-New-Wave-Hypes viel mehr Kreativität, Energie und Ideenreichtum besitzt. Die Richtungs- sowie Struktorlosigkeit der Stücke von Modey Lemon erreichen zwar nicht ganz die Komplexität von Mars Volta, das grossteils vorherrschende Chaos, die abrupten Tempowechsel, die ausartenden Gitarren- bzw. Schlagzeugsoli sowie der garantiert drogenbeeinflusste, asymmetrische Aufbau der Stücke und des Albums vermögen jedoch unglaublich zu rocken. Das ganze Album scheint sich selbst aufzubauen, kurz vor Schluss mit "Countries" eine Ruhepause einzulegen, um im letzten Stück "Trapped Rabbits" innert infernalischen 16 Minuten nochmals richtig auszutoben und sich selbst den goldenen Schuss zu geben. Der Kracher überlebt seltsamerweise dank dem ewig prügelnden Schlagzeug, der strukturlosen Melodie sowie etlichen ungewissen, nicht nachvollziehbaren Gitarrenausflügen. Doch nicht nur dieser überdimensionierte Klanghaufen gefällt, auch Stücke wie "Bucket Of Butterflies", "Sleep Walkers" und "Mountain Mist" sind dermassen rockig und nicht mal so chaotisch, dass es geradezu unmöglich ist, dabei stillzusitzen. Die geisterhausmässige Atmosphäre widerspricht irgendwie dem treibenden Instrumentenspiel und den frechen, dreckigen Melodien Phil Boyds, was die Musik jedoch auch untanzbar macht. Das skurrile instrumentelle Massacker erreicht seine chaotischen Höhepunkte in "In Another Land", "Fingers, Drains" und "In The Cementary"; sehr krank und bestimmt nichts für Harmoniebedürftige. Alles in allem ein wüster, musikalischer Drogentrip in die Abgründe der Gitarre, der bei mehrmaligem Hinhören sowie etwas Interesse für Abnormalitäten sehr gut zu gefallen vermag.


Seit 16. Mai 2005 im Handel

Anspieltipps:
Bucket of Butterflies, Sleep Walkers, Mountain Mist, Trapped Rabbits
Similar artists: QOTSA, Mars Volta, Ikara Colt, Suicide

> Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die aus Pittsburgh stammende Formation wurde erst kürzlich um ein drittes Mitglied erweitert. Nach ihrem letztjährigen Debüt "Thunder And Lightning" hauen Phil Boyd, jason Kirker und Paul Quattrone uns ihr nächstes Gitarrenmisshandlungskunstwerk um die Ohren und gefallen genauso wie sie schockieren.

Modey Lemon - The Curious City (2005) (Mute/Musikvertrieb)
Diskographie:
> Thunder & Lightning (2004)
> The Curious City (2005)



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