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Moonsorrow - Verisäkeet (2005)

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von Philipp Gautschi am Sonntag, 1. Mai 2005 in Neuerscheinungen   

Label:  Spikefarm Records
CH-Vertrieb: Musikvertrieb

Die Finnen sind und bleiben die Härtesten
Moonsorrow - Verisäkeet (2005)Es wird ja wohl allgemein bekannt sein, dass Finnland Exportland Nr.1 ist, wenn es um düsterste, härteste und böseste Metallmusik geht. Der finnischen Tradition entsprechend sind auch Moonsorrow alles andere als Weichbecher, sie weckten sogar den bereits länger verdrängten Metaller in mir, denn diese Burschen können spielen, und wie... (Etwa so, wie Thors Hammer hämmert...)

Eigentlich bin ich gegenüber der Szene, die sich mit Vorliebe selbst schwere Gehirnerschütterungen und Genickbrüche verpasst, leicht skeptisch. Gut, ab und zu mal eine musikalische Prügelei durch die Anlage dröhnen lassen, um angestaute Aggressionen loszuwerden, tut gut. Ausserdem ist mir seit Moonsorrow klar, dass Musik diesen Stils nicht zwingend nur aus Gebrüll und Gitarrenkrach bestehen muss. (Ich beendete damals meinen Ausflug in die Welt des tödlichen Metals bei Dismember und Deicide, welche bei Gott keine Chorknaben sind.)
Moonsorrow bezeichnen ihre Musik als Epic-Folk-Metal, doch was soll man sich darunter vorstellen? Ich dachte beim Hineinhören etwa an Folgendes: Auf riesigen, kargen, teils verschneiten Feldern irgendwo in Finnland anno 500 v.Chr. treffen sich irgendwelche Wikinger, keltische Horden oder ähnliche Barbaren, um sich ordentlich die Fressen zu polieren. Ein grausames Gemetzel folgt, abgetrennte Gliedmassen, Bäche aus Blut, Gedärme überall, wo sie nicht hingehören etc. Mann gegen Mann, bis auch der letzte überlebende Nordländer zu Boden geht oder nach Hause in sein Dörfchen humpelt. In den rauchigen Hütten erzählt man sich danach Heldensagen, säuft Selbstgebranntes und lässt sich von den Weibern verarzten und anderweitig pflegen.
Zur ganzen Szene könnte im Hintergrund Moonsorrow laufen, denn nicht nur schreckliches Geschrei und brüllende Gitarren, sondern auch wohlklingende, traditionell nordische Instrumente (irgendwelche Flöten oder Orgeln, ich bin jedoch überfragt, wenn ich den Namen dieser Instrumente nennen sollte) sowie Chöre sind zu hören, was ich als äusserst gelungenen Kontrast zum Geprügel schätze. Ganze fünf Stücke füllen die beachtliche Spielzeit von 72 Minuten, Respekt meine Herren! (Dieser gilt auch den Stimmbändern von Ville Seponpoika Sorvali, die angesichts der Strapazen, die sie durchmachen, wie Kreuzbänder an Amateur-Fussballturnieren zerbersten sollten.) Der finnische Gesang, die hart gespielten Instrumente sowie der nordisch-keltische Einfluss verpassen dem Ganzen etwas Mystisches, Heroisches, Mächtiges und zugleich Unheimliches. Man würde die Platte gerne alleine nachts im Wald hören, auch der Belzebub würde wohl seinen Schwanz einziehen und ungewollt Wasser lassen.
Ein ganz gelungenes, vielfältiges Werk, das nordische Tradition und Volksmusik mit härtestem Metal-Geprügel vereint; gefällt mir sehr, ist aber bestimmt nicht jedermanns Sache.


Seit 7. März 2005 im Handel.

Anspieltipps:
Haaska-Carrion (Hammergitarren!), aber auch die anderen Stücke seien hier sehr empfohlen!
similar artists: Dismember, Deicide, Pantera, Bathory

> Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Es war alles andere als einfach, über diese Band von irgendwoher Informationen zu finden, darum schreibe ich hier kurz etwas zu ihren Texten, Meinungen und Ansichten. Die Texte handeln von längst vergangenen, blutigen, dunklen Zeiten (ich hatte also auf Anhieb recht mit meinem Schlachtfeld-Szenario) in Finnland. Gewalt, Dunkelheit, Kriege, Trauer und Stolz sowie die Gefahr aus dem Westen (katholische Missionare aus Schweden) sind mehr oder weniger die besungenen Themen. Die Pagan-Metaller seien stolz auf die Vergangenheit Finnlands und trinken anscheinend sehr gerne viel Alkohol (hab ich aus einem interessanten Interview). Ist aber nicht so wichtig, ihr neues Album ist auch ohne genaueres Hintergrundwissen sehr empfehlenswert.

Moonsorrow - Verisäkeet (2005)
Diskographie:
> Suden Uni (2000)
> Voimasta Ja Kunniasta (2001)
> Kivenkantaja (2003)
> Verisäkeet (2005)


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