Zum Duo geschrumpft, aber wieder wissend, wo's lang geht: Morcheeba melden sich mit einem neuen Album zurück.
Viel los bei Morcheeba: Nach dem Abgang von Sängerin Skye Edwards, deren Gesang die Musik der Gruppe deutlich prägte, stiess 2005 für “The Antidote“ Daisy Martey zu den zwei Godfrey-Brüdern. Dass “The Antidote“ nicht überzeugte, lag zwar nicht wirklich an der Sängerin, aber schon kurz nach Abschluss der Aufnahmen verliess Daisy die beiden Brüder wieder und wurde für Live-Auftritte durch eine andere Sängerin ersetzt. Für Morcheebas jüngstes Album wurde das Trio-Prinzip nun definitiv über den Haufen geworfen, mehrere Gast-Stimmen (beiden Geschlechts) sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Und während auf den letzten Alben die elektronischen Anfänge fast vergessen gingen, kommen auf “Dive Deep“ Elemente aus der ganzen Bandgeschichte zum Vorschein. Wirklich vergleichbar mit den ersten beiden Alben ist das Dargebotene auf “Dive Deep“ nicht, aber dennoch ist eine Art Kursänderung nicht zu überhören – so tauchen Morcheeba diesmal tiefer und holen auch Sounds hervor, die an ihre frühen Alben erinnern.
So etwa im atmosphärischen Dub-Trip-Hop-Instrumental “Thumbnails“ oder als weiteres schönes Beispiel “One Love Karma“ – “Sour Times“-ähnliche Samples, Sitar, Hip Hop-Beats in Zeitlupe und ein sehr lässiges Feature von Def Jux-Rapper Cool Calm Pete (der Name ist Programm) machen die Nummer zum Highlight.
Absagen an den Pop bilden die Ausnahme, der Grossteil bleibt klar poplastig, aber dazu sind vermehrt auch Folk-Einflüsse zu hören, selbst eine reine Akustiknummer (auf französisch: “Au-delà“) ist zu hören. Störend ist das aber selten, solch verlockend klingenden Enspannungs-Aufforderungen wie dem sonnigen Folk-Rock-Opener “Enjoy The Ride“ (mit Judie Tzuke) ist unmöglich nicht nachzukommen.
Mit “Gained The World“, das zwar deutlich an frühe Morcheeba erinnert, aber trotzdem schnell vergessen ist, oder “The Ledge Beyond The Edge“ hat auch der eine oder andere arg seichte Gähner den Weg auf “Dive Deep“ gefunden. Auch stören mag die Kantenlosigkeit, die einen Grossteil der Songs prägt, aber die Vielfalt, gewonnen durch die verschiedenen Stimmen und genre-bezogenen Weitblick, macht aus “Dive Deep“ ein durchaus unterhaltsames Album, das vor allem eines vermuten lässt: Morcheeba sind wieder auf Kurs.
Seit 1. Februar 2008 im Handel erhältlich.
Anspieltipps: Enjoy the ride, Thumbnails, One Love Karma
Trackliste: 1) Enjoy The Ride; 2) Riverbed; 3) Thumbnails; 4) Run Honey Run; 5) Gained The World; 6) One Love Karma; 7) Au-delà; 8) Blue Chair; 9) Sleep On It Tonight; 10) The Ledge Beyond The Edge; 11) Washed Away
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Bio:
Das 1995 gegründete britische Trio Morcheeba bestand ursprünglich aus den Brüdern und Produzenten Paul und Ross Godfrey und Sängerin Skye Edwards. Mit ihrer ersten Single "Trigger Hippie" landeten sie einen Underground-Hit, und die britische Musikszene begann sich zu fragen, wer wohl hinter diesem Meisterstreich von einem Song stecken mochte. Des Rätsels Lösung folgte 1996 mit Morcheebas Debütalbum “Who Can You Trust?“, das Morcheeba vom Untergrund ins Licht der Öffentlichkeit katapultierte. 1998 folgte das grossartige "Big Calm", zwei Jahre später "Fragments Of Freedom" (inklusive Riesen-Partyhit "Rome Wasn't Built In A Day"). 2002 wartete das Trio mit ihrem vierten Longplayer "Charango" auf, der unter anderem Lambchops Kurt Wagner im Duett mit Skye Edwards featuret. Ein Jahr später erachteten es Morcheeba an der Zeit, das Best Of-Album "Parts Of The Process" auf den Markt zu bringen. 2005 folgte mit “The Antidote“ das fünfte Album, auf dem zum ersten Mal nicht Skye Edwards als Sängerin zu hören war, da diese die Band aufgrund musikalischer und persönlicher Differenzen verlassen hatte. Ersetzt wurde sie durch die ehemalige Noonday Underground-Sängerin Daisy Martey, welche die zwei Godfrey-Brüder auf der folgenden Tournee aber schon nicht mehr begleiten sollte. Für die Aufnahmen zu ihrem jüngsten Album haben die beiden Brüder nun erstmals ohne Lead-Sängerin gearbeitet, sondern auf diverse Vokalisten zurückgegriffen, darunter etablierte Sängerinnen wie Judie Tzuke, Newcomer wie Manda aus Frankreich oder den Norweger Thomas Dybdahl.