Eines Tages im Zug; ich hatte kein Buch und auch keine Musik dabei, also fragte ich die Banknachbarin danach. Sie drückte mir „On The Road“ von einem gewissen Jack Keraouac in die Hand und sagte, dass man dieses Buch gelesen haben muss.
Ich kann mir nur vorstellen, wie es damals zu und her ging. Man kämpfte ums tägliche Brot, reiste im ganzen Land umher, wurde beklatscht und ausgepfiffen, hatte seine eigenen Gesetze, schnappte Geschichten auf und erzählte sie weiter – das wäre was für mich gewesen.
Die Band Moriarty ist genau aus diesem Holz geschnitzt, jeder kommt von irgendwo und ist gerade deshalb Teil der Familie. Angeführt wird die Truppe von Rosemary Moriarty (eigentlich Standley), stets rot gekleidet, ist sie wortwörtlich die Stimme der sechsköpfigen Band. Zart und eindringlich verkörpert sie starke Frau und Diva. Die Band ist immer omnipräsent; Akkordeon, Gitarre und Kontrabass (gespielt vom Schweizer Stephan Zimmerli) geben die Tanzfläche, auf der Rosemarie ihre dicken Gesten vollführen kann. Man zitiert sowohl Father O’ Riley als auch Tom Waits.
Die erste Geschichte ist ein sanfter Start. Jimmy ist fort von daheim und die Familie ruft ihn sehnlichst zurück: „Jimmy won’t you please come home / The grass is green and the buffalo is roaming“. In einem Fluss finden die Worte gewandt den Weg durch die mehr gezimmert als gestimmten Ansammlungen von Instrumenten und türmen sich unmerklich auf. Doch dunkle Männerstimmen beruhigen das Flehen und nicken mit Rosemary im Duett und verständlich: „The buffalo used to say / Be what you are / The buffallo used to say / Roam where you roam.“
Ob als Mutter, als kleines Mädchen, das bei Wolfsgeheul um Hilfe schreit, als einsame 19-jährige Lily, die auszieht und einen Job in der Armee findet oder in der melodiösen und grossen Liebesgeschichte „Cottonflower“ - Moriarty erzählen zeitlos jedermanns Leben mit zwei vollen Händen Melancholie und Tragik, dass es dem Zuhörer warm ums Herz wird. Man riecht den Russ, fühlt die Freiheit und entdeckt in der Musik und den Lyrics manch verstaubten Schatz.
Ich ging übrigens in die Bibliothek und hab das angefangene Buch noch fertig gelesen. Der eine Landstreicher und Held darin hiess Dean Moriarty und glaubt mir, das ist nicht von ungefähr: „With the coming of Dean Moriarty began the part of my life you could call my life on the road.”
Seit 12. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: Jimmy, Lovelinesse, Private Lily, Cottonflower
Trackliste: 1) Jimmy; 2) Lovelinesse; 3) Private Lily; 4) Motel; 5) Animals Can’t Laugh; 6) (…); 7) Cottonflower 8) Whiteman’s Ballad; 9) Tagono*Ura; 10) OshKosh Bend; 11) Fireday; 12) Jaywalker (Song For Beryl)
similar artists: Moondog Jr., Zita Swoon, Tom Waits, Johnny Cash, Calexico,
Herman Düne, Kurt Weill
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Bio:
Moriarty gibt es seit 1995 und ist ein buntes Sextett aus den USA, Frankreich, Vietnam und der Schweiz. Liessen sie sich anfangs noch mehr vom Amerikanischen Blues der 30er inspirieren, haben sie mittlerweile ihre ganz eigene Mischung aus viel Folk, Klezmer, Jazz und elektronischer Musik gefunden.