Genre: Songwriter | Label: Tapete (Irascible) | Unsere Wertung: 7.0/10
Musik für einen verträumten Morgen
Spätestens seit dem beinahe kometenhaften Aufstieg des Gisbert zu Knyphausen ist es bekannt: Es gibt wieder junge deutschsprachige Liedermacher mit Ausstrahlung, frischer Musik und klugen Worten in der Muttersprache. Der in Basel geborene Moritz Krämer gehört mit seinem Debütalbum jetzt auch dazu.
„Wir können nix dafür“ klingt dabei für ein Debüt auffallend angenehm und einheitlich. Das liegt auch an der unaufgeregten, aber nicht monotonen Stimme, besonders aber wahrscheinlich daran, dass Moritz Krämer schon seit Jahren professioneller Musiker ist. Seine Tätigkeit als Theatermusiker führte den 30-jährigen unter anderem nach Heidelberg, Leipzig und Berlin. Diese hohe Erfahrung vor dem ersten Album gesammelt zu haben, zahlt sich hier aus. Die Arrangements sind passend und wohl dosiert eingesetzt. Beispielsweise treten Streichinstrumente nur dann auf, wann es nötig ist (vor allem in „Mitbewohnerin“) und dienen nicht als Füllmaterial, um die Songs aufzupolieren. Vom Sound her ist also alles prima.
Zwar will Krämer sein erstes Album von der Theatermusik lösen, die Texte spielen aber weiterhin eine wichtige Rolle. Sie sind aus dem Alltag gegriffen, bewusst naiv, beobachtend. Das hat seine Höhepunkte und ist grundsätzlich immer nett anzuhören, aber manchmal eben auch nur nett. Was auch für die Musik gilt: Nett soll hier nicht harmlos bedeuten, sondern wohlklingend. Aber nicht immer einnehmend. Es ist trotzdem ein Kunststück, den Hörer eine ganze Platte lang, auch wenn diese nicht viel länger als eine halbe Stunde ist, nicht ein einziges Mal zu nerven. Auch wenn man seine Songs dafür ein wenig in Watte packt. Denn „Wir können nix dafür“ fließt meist mühelos dahin, ist weniger ein Album der großen Refrains als der stimmigen Atmosphäre. Das klingt in Momenten wie „Der kleine Spatz“ auch nach dem guten, alten Liedermacherhandwerk, das im Stande ist, eine drollige Geschichte zu erzählen.
Trotzdem ist dieses Album nicht von heiterer Stimmung geprägt, sowohl textlich als auch musikalisch. Es eignet sich prima für einen verträumten Morgen, bietet Musik, die sich oft mit dem Zustand danach beschäftigt, wie in „Nichts Getan“. Gerade hier zeigt Krämer dann auch mal Zähne, wenn er den Protagonisten des Liedes die Katze seiner Ex-Freundin vom Balkon werfen lässt. Wenn das so stimmig weitergeht, sich Moritz Krämer beim nächsten Mal noch näher an den Abgrund wagt und präziser wird, dann ist das hier das schöne Debüt eines deutschen Songwriters von dem man noch eine ganze Menge hören wird.
Seit 4. März 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Nachbarn
> Mitbewohnerin
Diskographie:
> Wir können nix dafür (2011)
Ähnliche Künstler:
> Gisbert zu Knyphausen
> Blumfeld
> Tom Liwa