News und Infos
Newsletter
NewsletterAbonniere unseren kostenlosen Newsletter und bleibe so immer auf dem Laufenden.






RSS-Feed
Der RSS-Feed von ::exit.music::
Abonniere unseren RSS-Feed!
Login / Registrierung

Partner

Advertisement
Playlist: Paul Klur
Paul Klur







MONO
Holy Ground: NYC Live
The Antlers
Cold War EP
Omega Massif/Mount Logan
Split
Shearwater
The Golden Archipelago
The Hirsch Effekt
Holon : Hiberno

[Playlist Archiv]
Zukunftsmusik
6.2.
Lindstrøm – Six Cups of Rebel
The Twilight Sad – No One Can Ever Know
Sharon Van Etten – Tramp
Of Montreal – Paralytic Stalks
Goldfrapp – The Singles
Sharon van Etten - Tramp

alles lesen
exitmusic.ch on Facebook

Mos Def - The Ecstatic

Drucken E-Mail
von Philip Leu am Mittwoch, 26. August 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Hip Hop  |  Label: Downtown Records  |  Unsere Wertung: 8.5/10

The EcstaticGrenzenlos
Mos Def kehrt auf seinem neuen Album zu alter Grösse zurück und löst damit ein Versprechen ein, das er vor zehn Jahren gegeben hat.

1999 trug der geschätzte Autor dieser Zeilen noch fette Hosen und noch fettere South Pole-Jacken, sass mit einer Gruppe Gleichgesinnter, die seine Mutter abschätzend „Haschbrüder“ nannte, im Keller des Jugendhauses und nickte ernst zu den Beats von ATCQ und den JBs. In den Texten dieser Jungs aus der unteren Mittelschicht mit zu viel Zeit und zu vielen Ideen sahen wir uns selbst und teilten mit ihnen die Abneigung gegen die gewaltverherrlichenden Ghettokinder der Westküste. Zu dieser Zeit, als die Native Tongues zu verstummen begannen und die Zulu Nation endgültig von Gangstern und Bling-Bling ins Exil getrieben wurde, fand die Bewegung mit dem  Erscheinen von “Black On Both Sides“ ihren krönenden Abschluss. Viele der Haschbrüder von damals warten bis heute auf eine Platte, die uns in ähnliches Erstaunen versetzt, die unsere Liebe zum Genre auf ähnliche Weise wieder entfachen kann, wie Mos Defs erstes Soloalbum.

Dann, sehnlichst erwartet und fünf Jahre später kam “The New Danger“. Als die anfängliche Begeisterung darüber, seine Stimme wieder zu hören, verflogen war, kam dahinter die Ernüchterung zum Vorschein; Das Album hatte etwas Unerwartetes, Wildes, war kreativ, rockig und eigenständig, zeigte aber klar, dass Mos Def unsere Gebete nicht erhört hatte, dass er stur seinen eigenen, experimentellen Weg ging. Den Hang, sich in Experimenten zu verlieren, machte der Nachfolger “True Magic“ nur allzu deutlich, indem die Platte sich noch stärker von den Wurzeln wegbewegte, leider auch in qualitativer Hinsicht. Zwischendurch drehte er Filme, die klug ausgewählt waren, Monsters Ball etwa und trotz Jack Black auch Be Kind Rewind. Wenn sich ein Künstler aber vor allem durch seine Authentizität und Extravaganz auszeichnet, ist das Schlüpfen in künstliche Rollen wahrscheinlich der falsche Beruf.

Den Filmen wie auch den letzten Alben ist aber gemein, dass Mos Def hinter seinen Werken steht, sein Herz hineinlegt und nirgends wird das deutlicher als auf dem neuen Album “The Eclectic“. Das Album beginnt mit einem Zitat von Malcolm X: “(...) I, for one, will join in with anyone, I don't care what color you are, as long as you want to change this miserable condition that exists on this earth." Das Zitat ist Programm, Grenzen kennt das Album wenige. Mos Defs Konvertierung zum Islam ist anhand von dezent eingestreuten arabischen Klängen aus der Hand von Madlib ebenso zu hören, wie die auf spanisch vorgetragene Nummer “No hay nada mas“. Mit kurzen Stücken, einer Collage ähnlich angeordnet, aber nie den Fluss aus den Augen verlierend, findet man südamerikanischen Funk, Xylophone, Nebelhörner, ein Duett mit der wunderbaren Georgia Anne Muldrow, ein verspieltes Treffen mit Slick Rick und als besonderes Zückerchen den Track “History“ mit Talib Kweli, der an die besten Black Star-Zeiten erinnert. Beim Hören kommt ein ähnliches Gefühl auf, wie an einem Jazzkonzert. Einerseits weil, wie schon auf den beiden Vorgängern, vielen der Stücke etwas Improvisiertes, Unfertiges anhaftet, anderseits weil man das Album auch aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit nicht einfach nebenbei hören kann, sondern sich wirklich damit auseinandersetzen muss, um so die vielschichtigen musikalischen und inhaltlichen Referenzen aufschnappen zu können. Wie auf “The New Danger“ finden sich auch hier Gesangseinlagen, die allerdings sparsamer eingesetzt und mehr dem Beat verpflichtet sind, was dem Album sehr zu Gute kommt.

In einer Rapwelt aus MTV, Klingeltönen und Kleiderlinien ist das Album eine Offenbarung. Intelligente, sozialkritische Texte neben wunderbar erzählten Anekdoten aus dem Leben, verpackt in teilweise schon bekannte Beats und Samples von Dilla, Madlib und seinem Bruder Oh No, Preservation oder Mr. Flash. Darüber fliegend der beinahe überirdisch leichtfüssige, meditative Sprechfluss von Mos Def, so präzise und kontrolliert vorgetragen, dass seine Stimme beinahe als neues Instrument durchgehen könnte. Wo Leute wie Snoop Dogg professionelle Sprechlehrer anheuern müssen, um den neuen, komplexeren Beats folgen zu können, scheint Mos Def dies intuitiv zu beherrschen, scheint dafür geboren zu sein. Natürlich hat das Album auch Schwächen, allen voran der Track “Life In Marvelous Times“, der sich so gar nicht in das sonst sehr geschlossene Album einfügen will oder das spanische Lied “No Hay Nada Mas“, bei dem man zwar kurz aufschnaufen kann, das aber unangenehm an das Intro auf “Esperanto“ von Freundeskreis erinnert. Diese Aussetzer können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Album vorliegt, welches in einer ähnlichen Liga spielt wie der Erstling und das zehnjährige Warten nachträglich rechtfertigt. Es spannt einen Bogen über Mos Defs bisheriges Schaffen und verbindet das intime Zwiegespräch zwischen ihm und den Beats auf “Black Star“ und “Black on Both Sides“ mit den stilübergreifenden Experimenten auf “The New Danger“ und “True Magic“ zu einem mitreissenden Ganzen.

Seit 9. Juni 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > MySpace  > Label
Mos Def
Anspieltipps:
> Auditorium
> Quiet Dog (Bite Hard)
> History

Diskographie:
> Black Star (1998)
> Black On Both Sides (1999)
> The New Danger (2004)
> True Magic (2006)
> The Ecstatic (2009)

Ähnliche Künstler:
> Common
> Q-Tip
> Talib Kweli
> Urban Thermo Dynamics
» Noch keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
 
< Zurück   Weiter >