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Motorpsycho - Heavy Metal Fruit

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von Robert Best am Montag, 18. Januar 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Rock, Metal, Psychedelic, Jazz  |  Label: Stickman Records (Irascible)  |  Unsere Wertung: 8.0/10

Heavy Metal FruitJe länger die Haare
Erinnert sich noch jemand an Jim Martin? Der ehemalige, mehrere Brillen übereinander tragende Gitarrist von Faith No More war bei seinen Bandkollegen so verhasst, dass sie ihn live nur stumm anstarrten und höchstens mal Flaschen nach ihm warfen.

Ein ähnlich gelagertes Schicksal wird Kenneth Kapstad zuteil, der Motorpsychos Kultdrummer Håkon Gebhardt ersetzt. Von den Gründungsgitarristen Bent Sæther und Hans Magnus Ryan wird er, so auch beim letzten Winterthur-Gig im November, auffällig häufig durch deren langen Haare hinweg angeglotzt und auf seine bewundernswerten rhythmischen und technischen Qualitäten hin getestet. Kapstads Auftritt, eingeklemmt zwischen der gesamten PA-Maschinerie, war letzten Endes eigentlicher Knackpunkt und fulminante Überraschung dieses Gigs. Denn wie bei schlichtweg jedem Konzert der norwegischen Käuze bestand über die Großartigkeit des Gebotenen von vornherein kein Zweifel.

Verwundert sein konnte man zu Beginn allerdings doch darüber, dass die Songs der, obwohl in die Jahre gekommen, frisch langhaarigen Herren derart ausufern müssen und schier kein Ende finden wollen. Dieser Umstand, belehrte einen aber der Verlauf des Konzerts, macht den Motorpsycho-Kick aber gerade aus. Repetitive Muster mit winzigen Abweichungen, vorgetragen mit einer Mischung aus sturer Professionalität und dilettantischstem Wahnsinn, sind das Schönste, was es gibt auf der Welt.

Das lässt sich nun öfter denn je auch zu Hause nachhören. Denn nur sechs Monate nach ihrem letzten, einzig auf Vinyl erschienenen Album „Child Of the Future“ legen Motorpsycho schon mit dem Nachfolger nach, der direkt an dessen rifflastigen, aber verspielten Experimentalrock anschließt. „Heavy Metal Fruit“ besteht aus ausufernden Rock- und mehr denn je auch Jazz-Eskapaden, verteilt auf sechs lange Stücke und 60 Minuten. Viel Neues muss es aber nicht geben bei Motorpsycho, damit man trotzdem ausrastet ob der schieren Majestät ihrer Klangwerke. Die Platte hört sich an wie einmal gespiegelt, sind doch der erste und der letzte die epischsten; ausserdem endet der zweite Song mit ähnlichem Freestylejazzgefrickel, mit dem der fünfte beginnt. Die andere Hälfte besteht jeweils aus Stoner-Hardrock, sprich aus den stoischen Riffs Ryans, den verblüffenden Soli Sæthers, seiner hohen, immer wieder verschleppenden Stimme und dem präzis wuchtigen Spiel Kapstads, der sich auch in punkto Wiedererkennbarkeit nicht hinter Gebhardt verstecken muss.

Sicher ist „Heavy Metal Fruit“ (dessen Titel eine mysteriöse Hommage an Neil Young sein soll) nicht Motorpsychos bestes Album. Und für den Einsteiger gilt es sowieso, am besten die Gelegenheit eines Live-Konzertes zu ergreifen. Dennoch wurde hier alles richtig gemacht und der Virtuosität zudem ein guter Schuss Pop und Sex-Appeal hinzugefügt.

Seit  15. Januar 2010 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Myspace > Label > CH-Vertrieb
Motorpsycho
Anspieltipps:
> X-3 (Knuckleheads in space)
> Close Your Eyes
      
Diskographie:
> Lobotomizer (1991)
> Soothe (1992)
> Demon Box (1993)
> Timothy's Monster (1994)
> Blissard (1996)
> Angels and Daemons at Play (1997)
> Trust Us (1998)
> Let Them Eat Cake (2000)
> Phanerothyme (2001)
> It's a Love Cult (2002)
> Black Hole/Blank Canvas (2006)
> Little Lucid Moments (2008)
> Child of the Future (2009)
> Heavy Metal Fruit (2010)

Ähnliche Künstler: 
> Jaga Jazzist
> HGH
> Led Zeppelin
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