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Mount Fuji Doomjazz Corporation - Anthropomorphic

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von Severin Kolb am Dienstag, 8. März 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Jazz, Doom, Drone  |  Label: Denovali (Creative Eclipse)  |  Unsere Wertung: 7.5/10

AnthropomorphicAngriff auf die Amygdhala
Eine Band, zwei Namen, zwei Tonträger, zwei total verschiedene Welten. Denovali veröffentlicht "Anthropomorphic Sessions" des Mount Fuji Doomjazz Corporation und gibt das gleichnamige Debüt des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles (2006) erneut heraus.

"Anthropomorphic" präsentiert sich als bewusster Anachronismus. Während einer Stunde lässt sich das Ensemble Zeit, langsam ihre Klangwelten zu entwickeln. So langsam, dass die iPod-shuffle-Generation ihre Mühe haben dürfte, während der gesamten Spielzeit am Ball zu bleiben. Verstärkt wird dies dadurch, dass alles in einen einzigen Track mit 60 Minuten Spielzeit gegossen wurde. Wer sich Zeit nimmt, die CD in den Spieler legt und sich der Mount Fuji Doomjazz Corporation ausliefert, wird in eine fremde Welt entführt, die so gar nicht mit den hektischen Klangwelten des Kilimanjaro Darkjazz Ensemble übereinstimmt. "Anthropomorhic" wird der Bezeichnung "Jazz" gerechter als das Album des Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, denn hier ist alles auf Improvisation ausgerichtet. Hier geht es primär um den SOUND, nicht um Struktur, Technik, Groove oder Virtuosität. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und dem Mount Fuji Doomjazz Corporation beantwortet das Booklet: "The Mount Fuji Doomjazz Corporation is the Ambient/Doom/Drone/Improv Alter Ego of the Kilimanjaro Darkjazz Ensemble". Die Das Album knüpft damit direkt an den Free Jazz der 60er-Jahre um John Coltrane, Albert Ayler und Cecil Taylor an. Dazu passt auch der leicht philosophisch-spirituell angehauchte Titel der Session.

Der erste Teil der Session beginnt mit einem Duett zwischen Gitarre und Posaune, die durch zahlreiche Effekte verfremdet und durch elektronische Klänge, die aus Stockhausens Baukasten kommen könnten, ergänzt werden. Vorstellen kann man sich das wie eine Aufnahme von Miles Davis und Bill Frisell, einfach extrem runtergepicht. Mit dem Aufdrehen der Lautstärke wird der SOUND physisch am ganzen Körper erfahrbar. Es wummert, zirpt, mäandert, dröhnt, pulsiert und knirscht vor sich hin über viele, viele Minuten, dass es eine Freude ist. Die Grundstimmung ist auch auf diesem Album ziemlich bedrückend (gibt es eigentlich so etwas wie fröhliche oder lustige Drones?). Erstaunlicherweise fällt es kaum auf, wenn der erste Teil in den zweiten übergeht, obwohl die beiden Parts live und an verschiedenen Orten aufgenommen wurden. Das Cello und die Violine, die im zweiten Teil hinzukommen, sind durch die tonnenschweren Effekte relativ schwer erkennbar, tragen aber zum SOUND bei. Nach ca. 45 min tritt dann im dritten Teil zum ersten Mal perkussive Elemente in Erscheinung, die sich wenigstens annähernd in die Richtung eines Beats bewegen. Wenn dann kurz vor Ende die Violine einen Solopart übernimmt, klingt das etwa so erhellend wie eine Partite von Bach. Kurz darauf bricht der Klangfluss abrupt ab und man ist der Stille überlassen. Alleine schon durch die meditative Wirkung des Albums hat sich die investierte Stunde auf jeden Fall gelohnt.

Seit  16. Februar 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Label > Vertrieb

Ähnliche Künstler:
> The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble
> John Coltrane (v.a. "Ascension")
> Sunn O)))
> Fennesz
> Tim Hecker
> Ben Frost
> Wolf Eyes
> Nils Petter Molvaer

Diskographie:
> Doomjazz Future Corpses! (2007)
> Succubus (2009)
> Anthropomorphic (2011)
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