Ab und zu kommt es vor, dass der Tod jemanden tötet,
traurig. aber wahr. Thematisch und musikalisch bewegen sich die
Amerikaner um Murder By Death tatsächlich eher jenseits des Lebens.
Interessant.
Die dunkle Seite des Lebens und dessen Ende wird, soweit ich weiss, meist von düsteren, langhaarigen, böse dreinschauenden, meist skandinavischen Haudegen besungen oder bebrüllt. Genau, Death Metal und so wüste Sachen. Den Bandnamen Murder By Death würde der Ahnungslose wohl kurzentschlossen in diese Ecke stellen. Weit gefehlt, denn Murder By Death spielen verhältnismässig ruhige, gemütliche und ziemlich traurige Musik. Indierock mit kräftiger Country-Note würde ich’s nennen. Inhaltlich handeln die Songs häufig vom Tod (Aha!), von Mord, vom Versterben oder gar Alkohol und ähnlich schlimmen Sachen, nicht zwingend aufmunternd also. Mit seiner rauen, rauchigen, leidenden Stimme verleiht Adam Turla den Songs eine sehr amerikanische Atmosphäre. Und was soll das jetzt bedeuten, amerikanische Atmosphäre? Beim Hören der Songs kommt man nicht drum rum, an die Pionierzeit im 19. Jahrhundert in den USA zu denken, auch bekannt als ziemlich Wilder Westen. Kneipenprügeleien, Saufgelage, Indianerjagd, Pferdereiten, Rumballern und Kaktus und so. Ja, dazu passt die Musik von Murder By Death. Und tatsächlich ist mit ’Theme (For Ennio Morricone)’ ein Instrumental dem oscargekrönten Komponisten von Spaghetti-Western-Soundtracks gewidmet. Die düstere und ernsthafte Stimmung verdankt die Platte neben Turlas Gesang dem kräftig eingesetzten Cello, gespielt von Sara Balliet. Dieses Cello tönt spannend, spielt auf hohem Niveau und schmiegt sich wunderbar an die ebenfalls sehr gekonnt ausgeführte Standardinstrumentalisierung. Die Band spielt souverän mit Intensitätswechseln, lässt ihren Stücken Zeit, baut geschickt auf, wird lauter und rastet manchmal aus. Nicht im Sinne von Ausrasten wie Modey Lemon oder The Mars Volta, kein Chaos und kein Krach, eher ein verhaltenes, der an sich ruhigen Musik angepasstes Ausrasten.
Jedenfalls bietet die Platte beste Unterhaltung für jedermann. Intelligent und auf hohem Niveau gespielt, clever komponiert, vielseitig, abwechslungsreich, gefühlvoll, vernünftig, mit viel Cello, sehr männlichem Gesang, ein paar Gitarren, einem bisschen Piano und deftiger Western-Stimmung.
Ich als bekennender Banause kann mich zwar ein bisschen über den Country und die gar ernste Gesangskunst Turlas aufregen, daher nur drei Sterne. Vielleicht bin ich auch neidisch weil ich nur einen 83er Ford fahre und Turla in ’nem 52er davondüst. Was solls.
Seit 21. März 2008 im Handel.
Anspieltipps: Ball & Chain, Theme (For Ennio Morricone), A Second Opinion, Spring Break 1988
Trackliste: 1) Comin’Home; 2) Ball & Chain; 3) Rumbrave; 4) Fuego!; 5) Theme (For Ennio Morricone); 6) A Second Opinion; 7) Steal Away; 8) Ash; 9) The Black Spot; 10) ’52 Ford; 11) Spring Break 1899
similar artists: Madrugada,
Nick Cave & The Bad Seeds
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Bio:
Murder By Death sind die vier Musikanten Adam Turla (git., voc.), Sarah Balliet (Cello, Keys), Matt Armstrong (Bass) und Dagan Thogerson (drums) aus Bloomington im wunderschönen Staat Indiana. Gegründet wurde die Sache im Jahr 2000. Seither erfreuen sie die Kritiker mit jedem Album von neuem. Der Name entstammt dem gleichnamigen Film von Robert Moore aus dem Jahr 1976. (Der deutsche Titel lautet ’Eine Leiche zum Dessert’, clever übersetzt). ’Red Tooth & Claw’ ist das vierte Studioalbum der Band und wurde von Trina Shoemaker (QOTSA, Iggy Pop) produziert.