Für einmal ein Fazit ganz vorne: Das fünfte Album der Briten ist auf seine Art die Summe aller ihrer vorherigen Alben, die logische Konsequenz einer Entwicklung, die absehbar war. Die stets vorhandene Extravaganz entpuppt sich hier als alberne Pop-Gigantomanie, allem voran scheint Matthew Bellamys Gesang noch leidender, noch theatralischer, aber nicht noch ergreifender sondern, eben, alberner zu sein. “The Resistance“ ist aber auch ein bemerkenswert vielfältiges und ehrgeiziges Album, dessen unzählige Ideen teils in aller Pracht hervortreten oder in blutleerer Gekünsteltheit untergehen.
Mit dem Opener “Uprising“ etwa rennen Muse dem längst abgefahrenen Disco-Rock-Zug hinterher und klingen dabei ein wenig wie Goldfrapp während ihrer überflüssigsten Phase, bevor gegen Songende satte Blues-Rock-Riffs zur Hilfe eilen. In “The Resistance“ zeigen sich Muse von ihrer zugänglichsten Seite, das Intro und das Outro mit ihren geisterhaften Synthie-Flächen, die Melodien von “Citizen Erased“ aufgreifen, sind noch vor den Lyrics das Stärkste am Song, ein dreamtranciges Klavier nach der Spielweise eines Robert Miles trübt den ansonsten gelungenen Eindruck allerdings ziemlich.
Einen ersten wirklichen Tiefpunkt erreicht “The Resistance“ mit dem völlig missratenen “Undisclosed Desires“, einem peinlichen Synth-Pop-R'n'B-Versuch, der sich so anhört, als hätte eine Depeche-Mode-Coverband einen mässig talentierten R'n'B-Heini als Produzenten angeheuert. Noch schlechter ist das schnulzige “Guiding Light“, dafür entschädigen das verspielte “I Belong To You“ und besonders “Unnatural Selection“, das auch auf “Origin Of Symmetry“ keine schlechte Figur gemacht hätte. So gehts von einem Totalabsturz zum Höhenflug und wieder zurück ins Mittelmass. Manchmal auch nur in einem Song alleine: Im schwülstigen “United States Of Eurasia“ begeistern Muse in den Strophen, zitieren im Refrain die grossen Vorbilder Queen stärker als je zuvor, um kurz darauf mit völlig überzogenen, orientalischen Film-Streichern zu erschrecken und im zweiminütigen Outro ziemlich genial Chopin und Morricone aufeinander treffen zu lassen.
Die klassische Romantik gehört seit jeher zu den Leidenschaften von Matt Bellamy und mit der gut viertelstündigen Exogenesis-Symphonie, mit der das Album zu Ende geht, hat er davon erneut und eindrücklich Zeugnis abgelegt. Die drei Stücke dürften das wohl ehrgeizigste und untypischste Vorhaben der Briten sein, für die einen der grösste Geniestreich der Band überhaupt, andere erkennen nur die zahllosen genialen Vorbilder durch Bombast-Rock vergewaltigt.
Muse standen schon immer für Schwulst, doch auf “The Resistance“ scheint diese Charakteristik total entfesselt – nicht verwunderlich, dass gleich einige Songs auf dem neuen Album völlig abstruse Züge annahmen. Ältere Wahnsinnssongs wie “Micro Cuts“ oder “Space Dementia“ sind dabei aber nicht weniger absurd und stellen Kritiker speziell dieses neusten Albums wieder in Frage. Schlussendlich steht nur eines fest: Der Weg, den Muse gehen, ist heikel, Schicht auf Schicht stapeln sie in ihren überladenenen Songs, und wenns dann mal schief geht, fallen sie tief. Und allen grossen Gesten zum Trotz sind es oft nur kleine (Produktions-)Schritte, die auf “The Resistance“ über Glück oder Unglück entscheiden.
Seit 11. September 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Resistance
> United States Of Eurasia (+Collateral Damage)
> Unnatural Selection
> Exogenesis Symphony Part I-III
Diskographie:
> Showbiz (1997)
> Origin Of Symmetry (2001)
> Absolution (2003)
> Black Holes & Revelations (2006)
> The Resistance (2009)
Ähnliche Künstler:
> Queen
> Kasabian
> The Killers