Genre: Alternative / Rock | Label: selfreleased | Unsere Wertung: 8.5/10
Aargauer Wertarbeit
Welch grosse Ehre mal wieder über 'ne einheimische Band berichten zu dürfen, deren erste EP unter anderem auf dem Mist eines alteingesessenen ::exitmusic::-Schreiberlings gewachsen ist.
Vor geraumer Zeit machte mir die Band Fugo (ja, auch da spielte einer von exitmusic, Michael Rothen, mit) ein für alle mal klar, dass der Aargau, entgegen der allgemeinen Meinung, nicht nur aus erstklassigen Autofahrern und stilsicheren Sockenfetischisten besteht, sondern in so etwas nebensächlichem wie dem aktuellen Rockgeschehen die Nase ganz vorne hat.
Nun meldet sich Kollege Zuckschwerdt plötzlich bei mir und bittet um einen kurzen Text über die erste EP der Band My Last Sorrow zu schreiben, mit der dezenten Anmerkung, dass er da ein bisschen mitspiele. Nichts lieber als das. Ich erwartete, da ich mehr oder minder zu glauben weiss, was der Zuckschwerdt zwischendurch gerne hört, rabenschwarzen, knallharten Post-Metal oder ähnliches.
Nun konsumiere ich die EP seit etwa zwei Stunden im Endlos-Repeat, scheu mitnickend und leicht grinsend (immer ein sehr gutes Zeichen) und noch immer gefällt mir das Ding bestens. Beginnen tuts mit dem Track „Fiona“. Und auf direktestem Weg wird bekanntgegeben, wohin die Reise führen soll. Tiefe, düstere, heftige Gitarren, treibende Drums, saubere Basslinie. Dazu ein für Schweizer Verhältnisse äusserst lobenswerter, akzentfreier, klanglich angenehmer Gesang. Natürlich nichts für Blumenkinder, die böse Nachbarin mit dem gebrochenen Akzent vom ersten Stock tauchte jedenfalls bereits auf und bat mich, den 'Krach' ein bisschen 'runterzumachen' (sie hört wahrscheinlich lieber den Strassenarbeitern mit ihren Presslufthämmern zu, die gerade rund ums Haus die Strasse zerstören).
Zeitweise bewegen sich My Last Sorrow ziemlich nahe am Metal, spielen jedoch gerade noch freundlich genug, um als Alternativerock durchzugehen. Nach gut drei Minuten bzw. zum Schluss des ersten Songs, ertönt ein irrwitziger Schrei, der durch Mark und Bein geht. Einen ähnlich prachtvollen und sich wunderbar zum Sound kuschelnden Schrei habe ich bisher nur bei Tool oder Blackmail gehört. Der nächste Track, „If Only“ dann ein bisschen entspannter, mit 'ner Melodie, die man so zackig nicht mehr aus dem Gedächtnis bringt und der schlauen Frage: 'Why is it so hard to smile at someone?'. Der Song erinnert in Zwischenparts an Stonerrock, wird dann im Refrain jedoch zauberhaft flüssig. Immer im Hintergrund: herrlich wuchtige Gitarrenarbeit. Genau so solls sein.
„How Many Times“ erhöht das Tempo wieder und macht aufgrund der beinahe fröhlichen, weil schnell gefiedelten Gitarre vorerst einen dezent radiotauglichen Eindruck. Dieser Eindruck täuscht, verliert sich der Song doch mit der Zeit in heftigen, durchaus headbangtauglichen Passagen. Dasselbe gilt für „Heat My Skin“. Angenehmer Beginn, eher ruhig, zurückhaltend gespielt, im Verlauf an Intensität, Wucht und Dichte gewinnend.„Uhura Burns“ setzt der ansonsten schon sehr gelungenen EP das Krönchen auf. Obwohl der Gesang auffällig gut, also klanglich angenehm, textlich überlegt sowie äusserst tonsicher ist, spielen My Last Sorrow ein Instrumentalstück zum Abschluss, mein Postrock-Herz jubelt.
My Last Sorrow liefern mit ihrer Debut-EP ein eindrückliches und durchs Band überzeugendes Werk ab. Brachiale und dennoch saubere Gitarrenarbeit trifft auf melancholischen Gesang. Sämtliche Songs sind durchdacht, clever konstruiert und entsprechend spannend. Und anscheinend würde die geballte Wucht der Band erst live richtig zur Geltung kommen. Ich versuche jedenfalls, diese grossartige Neuentdeckung baldmöglichst in nem angenehm kleinen Konzertraum zu begutachten und empfehle den Anlass bestimmt auch der Nachbarin.
Die CD kann man
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Seit August 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Fiona
> Uhura Burns
Diskographie:
> EP 2010 (2010)
Ähnliche Künstler:
> Dredg
> Blackmail
> Isis