Das zweite Album ist bekanntlich ein Schwieriges. My Name Is George meistern die Hürde leicht stolpernd.
Das Debüt „WOW!“ schlug vor zwei Jahren ordentlich, ja prächtig ein. Die Band galt als Newcomer des Jahres 2006 und spielte sich erfolgreich quer durchs Land. So punktierten Sixties-Beat und Rock’n’Roll wie die Georgies ihn spiel(t)en, kannte man bis anhin nur von der Insel.
Nun liegt das Zweitwerk „Black And Blue“ in den Plattenläden und ich erzähle hier kurz, was sich darauf abspielt. Eines steht fest: Melodien wie Zuckerwatte schütteln die Winterthurer noch immer mit einer beinahe unverständlichen Leichtigkeit aus den Handgelenken. Ein Zweites steht fest: Die Burschen wissen, wie man eingängige Lieder schreibt. Und leider steht auch ein Drittes fest: „Black And Blue“ kann dem Vorgänger nimmer das Wasser reichen. Dieses Dritte ist natürlich schrecklich subjektiv, doch während die unverblümte Rotzigkeit des Debüts mich noch zu begeistern vermochte, rasselt der Zweitling kaum wahrgenommen an mir vorbei. Die Songs sind gut, keine Frage. Das Album ist vielseitiger, vielschichtiger und insgesamt harmonischer. Insgesamt durchwegs Popperlen. Die bekannten 60er-Rocknummern werden mit Folk und vor allem Popelementen angereichert und es entsteht aktuelle, melodiöse Popmusik ohne Verletzungsgefahr. Ich kann dazu nur schade sagen, denn bei Stücken wie „It’s Good To Be Lonely“ oder „The Undertaker“ muss ich an Dada Ante Portas oder die Lovebugs denken. Harmlose Schweizer Radiopopmusik also. Das Lieblingskraut wird hie und da erwähnt, doch mit zweideutigen Liedern über „Mary-Jane“ kann man heute leider nicht mehr punkten, obwohl ebenjene Singleauskopplung sehr folkig, munter und leichtfüssig daherkommt. (Und ehrlich gesagt würde mir die Platte im berauschten Zustand ziemlich auf die Nerven gehen, da fehlt eindeutig eine psychedelische Seite, um vollends abheben zu können.) Da jedoch eine gute Portion Rock’n’Roll erhalten blieb, die Instrumente gekonnt und kreativ zum Einsatz kommen, die Leadstimme sympathisch und melodiesicher ist, kann ich keinen Zerriss im eigentlichen Sinn verfassen.
Insgesamt eine eingängige, nicht ganz so freche, nicht ganz so wilde, nicht ganz so weltbewegende Platte. Wer auf soliden, gut gespielten Pop mit 60er Charme und Schunkelflair steht, ist gut bedient. Wer ein bisschen mehr fordert, könnte enttäuscht sein.
Seit 16. Mai 2008 im Handel.
Anspieltipps: Mary-Jane
Trackliste: 1) Why Won’t U B My Luv?; 2) Mary-Jane; 3) You’re No Good; 4) It’s Good To Be Lonely; 5) Radio; 6) C’mon C’mon; 7) Making The Best Of A Hopeless Situation; 8) The Undertaker; 9) (I’m In Love With) Emily; 10) Flowers (When I’m Gone); 11) Honey B; 12) Dancing In The Fire (Free Falling)
similar artists: Dada Ante Portas, Lovebugs,
7 Dollar Taxi
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace
Bio:
2003 begann die holländisch-schweizerische Zusammenarbeit bzw. die Karriere von My Name Is George. Mit der Veröffentlichung einer ersten EP 2004 wurden die Medien wie auch das Publikum aufmerksam. Es folgten unzählige Konzerte. „WOW!“ lautete dann der Titel des Debütalbums 2006 und genauso reagierte die Presse. Diesmal wurde die Band gar nach England (Liverpool, Leads, London) eingeladen und war auf den hiesigen Radiostationen in Dauerrotation. Das nun erschienene Zweitwerk wird der Band wohl wiederum neue Tore öffnen und sie endgültig zu den „grossen“ Schweizer Rockbands machen.