Es
gibt gewisse Dinge im Leben, die man einfach nicht machen sollte. So
zum Beispiel Amateur-Pornoaufnahmen rumliegen lassen, während einem
Bewerbungsgespräch zwei Capri-Sonne trinken, als Penis verkleidet an
einem Feministinnen-Treffen teilnehmen oder so tun, als ob man die neuen
White Stripes wäre. Mit letzterem haben My Name Is Music gesündigt –
und das mit einer derart übertriebenen Selbstinszenierung, die an
ungerechtfertigten Grössenwahn erinnert.
Eigentlich steigen Phoebe Hall und Niki Altmann ja auf einen intakten Zug auf – es ist durchaus erlaubt, als 2er-Combo für Schlagzeilen zu sorgen. Vorreiter wie The Ting Tings, Johnossi oder And Her Name Is Violet zeigen wie man's richtig macht. Unglücklicherweise haben sich aber My Name Is Music mit ihrer zweiten Albumveröffentlichung unweigerlich ins Abseits befördert.
"We Are Terrorists“ steht und fällt mit 12 Songs - Phoebe sorgt dabei für die Vocals und Nik beated sie unten rum knapp durch. Den Beginn macht „Straight and Simple“. Simpel ja, straight naja, schlussendlich aber ok und wohl einer der Songs, der noch am ehesten in die "Lass gut sein - Sparte“ fällt. Was dann aber folgt, lässt keine Milde zu - mieses Songwriting, Lyrics, bei denen man ihnen ins Gesicht schlagen könnte und eine sträflich schlechte Eigenproduktion. Kann es denn wirklich sein, dass man während einem ganzen Album das Gefühl nicht los wird, die Projektarbeit einer Oberstufenklasse vor sich zu haben? Die Instrumentals wirken dabei auf das Nötigste beschränkt, gleichermassen auch einfallslos und abgenutzt. Dazu eine Stimme, die man alle paar Ecken findet – ausdruckslos, unsauber und dabei so akzentlastig, dass man sich setzen muss. Man danke dem Produzenten.
So drückt man sich von einem Song zum nächsten, nur um dann mit "Rock`n Roll Is Mono“ den absoluten Tiefpunkt zu erreichen. Aha. Instrumentals muss man laut songinterner Asia-Ansage separat rechts, Vocals links anhören. Versteht sich von selbst, dass die Instrumentals aber links, die Vocals rechts gepannt wurden. Haha. Lustig? Auch wenn man von dieser Unannehmlichkeit absieht, fragt man sich auch bei diesem Song ob man da eigentlich verarscht wird. Sowieso - Buchstabieren hat seit "Y-M-C-A" eh schon an Freshness eingebüsst und ein "M-O-N-O“ findet keiner toll.
"We are terrorists, and we wanna kill you / We are terrorists and we are building a bomb”. Piep Piep Piepmatz – triffts wohl eher. Will man sich ernsthaft als Terrorist, Rebell und Aufmüpfiger verkaufen, sollte man entweder stampfende Rebellions-Hymnen auf Lager haben oder zumindest mit einer Seven-Nation-Army in den Krieg ziehen. Aber nein - das was hier gezeigt wird, würde man sogar am Lagerfeuer-Abschlussabend im Pfadicamp lächerlich finden. Jedes Kumbaya polarisiert mehr. Und spätestens bei night auf bright auf fight-Reimen“ oder „bunnies, bunnies like to run, they zig-zag through the whole flat just for fun“ reisst sich jeder Lyriker die Haare aus. Schön auch das The Cure-Cover "Killing An Arab“ gegen Ende der Platte. War ja klar; man bedient sich am Repertoire der Überbands. Gott bewahre – ein bisschen mehr Transparenz und Eigenleben würde den Zweien in jeder Hinsicht gut tun. Zwar lässt sich das Potential einiger musikalischer Ideen erahnen, aber für die künstlerische Umsetzung müsste instrumental und vor allem auch technisch mehr gehen. Logisch auch, dass da halt Vergleiche mit The Ting Tings oder gar den White Stripes zutiefst anmassend und beispiellos fehl am Platz wirken.
Wie mans besser machen kann? Man nehme eine andere Sängerin, einen begabten Texter, einen versierteren Instrumentalisten und einen ausgebildeten Produzenten. Ob man sich dann noch My Name Is Music nennen will? Zum Schluss bleibt einem nur die Frage, ob die Penis-Verkleidung nicht doch die bessere Sünden-Wahl gewesen wäre.
Seit 4. April 2011 im Handel.
> Hören und Kaufen > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Straight & Simple
> All of My Bunnies
> I Don`t Need Your Sympathy
Diskographie:
> Revolution (2010)
> We Are Terrorists (2011)
Ähnliche Künstler:
> The Kills
> The Ting Tings
> And Her Name Is Violet