Das Doppelalbum „Subtitles & Paper Planes“ von Vincenz Kokot alias
My Sister Grenadine ist schlicht und einfach grossartig komponierte und
ebenso vorgetragene Musik.
„Shine in the Dark“ wurde 2008 von der ZEIT zum Singer-Songwriter Album
des Jahres erkoren. Auch an dieser Stelle wurde das Werk gebührend
gelobt. Nach einem nicht minder interessanten Remixalbum von „Shine in
the Dark“ erscheint nun mit „Subtitles & Paper Planes“ Kokots
nächster Streich. Und der Berliner übertrifft sich selbst.
Der eine Teil bzw. die erste Platte des Doppelalbums beginnt mit dem
Song „Fireworks“. Ein an Niedlichkeit kaum zu übertreffender Titel,
bestehend aus Ukulele, Kokots freundlich-kindlichem Gesang und einer
singenden Säge. Eine längst fällige Lobhymne an Feuerwerke
('...fireworks for president and fireworks should never end...'). Zum
Schluss bleibt die Frage 'but will you still be there when your light
goes out?'. „At Night I Fall Asleep“ dann ähnlich reduziert. Ukulele,
Glockenspiel, dezenter Background-Chor und Gesang. Wie schon beim Debut
wunderbar heruntergebrochene, jedoch scharf durchdachte und herrlich
eingängige Musik. Das erste Album bleibt angenehm akustisch und ruhig,
gespickt mit singenden Sägen, Glockenspiel, Ukulele, vereinzelten
Trompeten- und Geigenklängen und allerliebstem Gesang. Musikalisch
perfekt reduzierte, surreal wirkende Vielfalt trifft auf textliche
Brillanz (...And there is less oxygen than a year ago, they turned it
into cars and trains, at least they say so...). Die fröhliche
Grundstimmung regt trotzdem immer wieder zum Denken bzw. Schmunzeln an.
Mit „Au Bout de la Station“ ist gar ein französisch vorgetragenes Lied
enthalten, mit dezentem Akzent zwar, textlich wiederum allerliebst
('j'ai rêvé que les enfants avaient mangé les histoires et j'ai traduit
les bruits de ton petit chat noir...et je suis reveillé'), mit
gespenstischen Sägenklängen zum Schluss.
Insgesamt ein Werk, welches man
aufgrund seiner abgrundtief friedlichen Stimmung sowie der
eigenwilligen Instrumentierung einerseits guten Gewissens dem Nachwuchs
vorspielen könnte (hätte ich solchen bereits gezeugt, würde dieser
höchstwahrscheinlich auf My Sister Grenadine stehen...man kann sein
Kleinkind wohl schwerlich für The Mars Volta, Isis o.ä begeistern),
andererseits lässt es sich als Freund intelligenter Musik z.B. zu einem
guten Essen (ich denke spontan an Roastbeef mit entsprechendem Wein), in
vollen Zügen geniessen.
Auf dem zweiten Teil bzw. der zweiten Platte greift Kokot zur
Stomgitarre. Diese wird geloopt, verzerrt und durch den Rechner gejagt.
Daraus entstehen eigenwillige, verschachtelte Klangwelten. Die Stimmung
im Vergleich zum ersten Album düsterer, mystischer, ernsthafter,
erwachsener. Natürlich darf man sich noch immer ob der verspielten,
schrulligen Art und Weise des Musizierens erfreuen, trotzdem erscheint
das zweite Album schwerer zugänglich. Teilweise, so zum Beispiel in „A
Happy Heart' wird die Musik (sprich Gitarre und Gesang) dermassen
kräftig geloopt, dass sie verschroben und wirr wirkt. In „Twenty-four
Times“ wirkt Kokots Gesang sowie die Gitarre vorerst nervös, zappelig
und wild, der Song dreht sich jedoch plötzlich, wird beinahe
harmonisch, das friedliche Gitarrenspiel von elektronischen
Klangschnipseln begleitet. Hohe Kunst. Trotzdem driftet Kokot nie in
experimentelle Fantastereien ab. Seine Songs bleiben unverkennbar.
Einerseits skurril und unfassbar, andererseits herzlich, eingängig und
liebenswürdig.
Der Berliner Multiinstrumentalist hat mit „Subtitles & Paper Planes“
ein äusserst empfehlenswertes Doppelalbum geschaffen. Die beiden
Platten unterscheiden sich vor allem bezüglich der Instrumentierung,
zeigen jedoch wunderbar die verschiedenen wie auch vielseitigen
musikalischen Gesichter des Vincenz Kokot.
Seit 20. August 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Fireworks
> At Night I Fall Asleep
> Pacific
> Twenty-four Times
Diskographie:
> Shine in the Dark (2008)
> More Like a Snowflake (Remixes zu “Shine in the dark”, 2009)
> Subtitles & Paper Planes (2010)
Ähnliche Künstler:
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> Syd Matters
> Kitty Solaris