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My Sister Grenadine - Subtitles & Paper Planes

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von Philipp Gautschi am Montag, 23. August 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Singer/Songwriter |  Label: Solaris Empire  |  Unsere Wertung: 8.5/10

Subtitles and Paper PlanesThere is always something on my mind that is not there
Das Doppelalbum „Subtitles & Paper Planes“ von Vincenz Kokot alias My Sister Grenadine ist schlicht und einfach grossartig komponierte und ebenso vorgetragene Musik.

„Shine in the Dark“ wurde 2008 von der ZEIT zum Singer-Songwriter Album des Jahres erkoren. Auch an dieser Stelle wurde das Werk gebührend gelobt. Nach einem nicht minder interessanten Remixalbum von „Shine in the Dark“ erscheint nun mit „Subtitles & Paper Planes“ Kokots nächster Streich. Und der Berliner übertrifft sich selbst.

Der eine Teil bzw. die erste Platte des Doppelalbums beginnt mit dem Song „Fireworks“. Ein an Niedlichkeit kaum zu übertreffender Titel, bestehend aus Ukulele, Kokots freundlich-kindlichem Gesang und einer singenden Säge. Eine längst fällige Lobhymne an Feuerwerke ('...fireworks for president and fireworks should never end...'). Zum Schluss bleibt die Frage 'but will you still be there when your light goes out?'. „At Night I Fall Asleep“ dann ähnlich reduziert. Ukulele, Glockenspiel, dezenter Background-Chor und Gesang. Wie schon beim Debut wunderbar heruntergebrochene, jedoch scharf durchdachte und herrlich eingängige Musik. Das erste Album bleibt angenehm akustisch und ruhig, gespickt mit singenden Sägen, Glockenspiel, Ukulele, vereinzelten Trompeten- und Geigenklängen und allerliebstem Gesang. Musikalisch perfekt reduzierte, surreal wirkende Vielfalt trifft auf textliche Brillanz (...And there is less oxygen than a year ago, they turned it into cars and trains, at least they say so...). Die fröhliche Grundstimmung regt trotzdem immer wieder zum Denken bzw. Schmunzeln an. Mit „Au Bout de la Station“ ist gar ein französisch vorgetragenes Lied enthalten, mit dezentem Akzent zwar, textlich wiederum allerliebst ('j'ai rêvé que les enfants avaient mangé les histoires et j'ai traduit les bruits de ton petit chat noir...et je suis reveillé'), mit gespenstischen Sägenklängen zum Schluss.

Insgesamt ein Werk, welches man aufgrund seiner abgrundtief friedlichen Stimmung sowie der eigenwilligen Instrumentierung einerseits guten Gewissens dem Nachwuchs vorspielen könnte (hätte ich solchen bereits gezeugt, würde dieser höchstwahrscheinlich auf My Sister Grenadine stehen...man kann sein Kleinkind wohl schwerlich für The Mars Volta, Isis o.ä begeistern), andererseits lässt es sich als Freund intelligenter Musik z.B. zu einem guten Essen (ich denke spontan an Roastbeef mit entsprechendem Wein), in vollen Zügen geniessen.

Auf dem zweiten Teil bzw. der zweiten Platte greift Kokot zur Stomgitarre. Diese wird geloopt, verzerrt und durch den Rechner gejagt. Daraus entstehen eigenwillige, verschachtelte Klangwelten. Die Stimmung im Vergleich zum ersten Album düsterer, mystischer, ernsthafter, erwachsener. Natürlich darf man sich noch immer ob der verspielten, schrulligen Art und Weise des Musizierens erfreuen, trotzdem erscheint das zweite Album schwerer zugänglich. Teilweise, so zum Beispiel in „A Happy Heart' wird die Musik (sprich Gitarre und Gesang) dermassen kräftig geloopt, dass sie verschroben und wirr wirkt. In „Twenty-four Times“ wirkt Kokots Gesang sowie die Gitarre vorerst nervös, zappelig und wild, der Song dreht sich jedoch plötzlich, wird beinahe harmonisch,  das friedliche Gitarrenspiel von elektronischen Klangschnipseln begleitet. Hohe Kunst. Trotzdem driftet Kokot nie in experimentelle Fantastereien ab. Seine Songs bleiben unverkennbar. Einerseits skurril und unfassbar, andererseits herzlich, eingängig und liebenswürdig.

Der Berliner Multiinstrumentalist hat mit „Subtitles & Paper Planes“ ein äusserst empfehlenswertes Doppelalbum geschaffen. Die beiden Platten unterscheiden sich vor allem bezüglich der Instrumentierung, zeigen jedoch wunderbar die verschiedenen wie auch vielseitigen musikalischen Gesichter des Vincenz Kokot.

Seit 20. August 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> Fireworks
> At Night I Fall Asleep
> Pacific
> Twenty-four Times

Diskographie:
> Shine in the Dark (2008)
> More Like a Snowflake (Remixes zu “Shine in the dark”, 2009)
> Subtitles & Paper Planes (2010)

Ähnliche Künstler:
> Roses Kings Castles
> Syd Matters
> Kitty Solaris
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