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Nas - Hip Hop Is Dead

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von Tobias Imbach am Donnerstag, 11. Januar 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: East Coast Rap
Label: Def Jam Recordings
CH-Vertrieb: Universal Music
Unsere Wertung:Nas - Hip Hop Is Dead


Weg ins Grab
Hip Hop Is DeadMit dem ziemlich reisserisch betitelten “Hip Hop Is Dead“ möchte der Ostküsten-Rapprinz Nasir Jones auf Missstände im Genre hinweisen und zeigen, wie der Hip Hop gerettet werden kann.

Mit resigniertem Blick legt Nas eine schwarze Rose auf den Sarg, in dem die ehemalige Geliebte liegt – die Rapmusik. Im Hintergrund kreisen vor dramatischem Himmel schon die Geier, um das Übriggebliebene auszuschlachten. “Nicht nur der Hip Hop ist tot, die ganze amerikanische Gesellschaft ist es“, meint Nas, den Titel erläuternd. Eine ziemlich drastische und theatralische Angelegenheit also, aber dies alles ist natürlich nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, schliesslich hängt nicht nur im Hip Hop der Segen ziemlich schief. Interpretieren kann man das Cover und die Lyrics schlussendlich als Prognose, ein Blick auf die mögliche Zukunft, nähme die Kommerzialisierung und der Ausverkauf in Sachen Rapkultur weiter zu.

So viel zur Einführung, interessant ist an dieser Stelle aber vor allem, wie denn nun Nas’ Warnung klingt – Hip Hop ist natürlich noch nicht tot, und Nas legt alles daran, das zu verdeutlichen. Leider wird aber relativ oft offensichtlich, dass es nicht gerade Nas Musik ist, die das Genre am Leben hält: Am Mic macht Nas zwar durchgehend eine sehr gute Figur, aber die Wahl der Instrumentals fiel zu oft etwas arg uninspiriert, langweilig und belanglos aus. Dies trifft vor allem auf Tracks wie den Gähner “Hold Down The Block“, “You Can’t Kill Me“ oder das mit geisterhaften Keyboards zwar hübsch verzierte, aber zu künstlich wirkende “Blunt Ashes“ zu.
Totalabstürze wie “Carry On Tradition“ oder das abartig miese “Hustlers“ zeugen auch von nichts weiterem als schlechtem Geschmack. Dass diese Stücke sich nicht besonders von der angeprangerten Konsensware unterscheiden, fördert die Glaubwürdigkeit des Interpreten nicht gerade. Doch genug der rügenden Worte, denn ein paar richtige Perlen lassen sich doch noch finden. Als Höhepunkt offenbart sich das wunderbar produzierte “Can’t Forget About You“, bei dem überraschend geschmackssicher ein Sample von Nat King Cole’s “Unforgettable“ verwendet wurde – vergnüglich. Auch das traurige “Not Going Black“ mit Ehefrau Kelis, das von Kanye West stilsicher produzierte “Still Dreaming“ oder der forsche Titeltrack gehen mehr als in Ordnung. Erwähnenswert sind des Weiteren das erfreulich frisch angeschrägte “Who Killed It“ oder “Black Republican“, bei dem Nas zusammen mit dem ehemaligen Erzfeind Jay-Z über einem zwar aufgesetzt wirkenden, aber trotzdem kraftvollen “Marcia Religiosa“-Sample loslegen (dem von Carmine Coppola geschriebenen Soundtrack des meisterlichen zweiten Pate-Streifens entliehen).

So ist “Hip Hop Is Dead“ an einigen Stellen zwar erschreckend schwach, bietet aber trotzdem lichte Momente genug, um eine eingeschränkte Empfehlung einzufahren. Schliesslich ist es nicht so, dass man sich in diesen Tagen vor grandiosen Rap-Releases kaum retten könnte, womit man wieder beim Anfang wäre … ganz unrecht hat Nas ja nicht.
 

Seit  15. Dezember 2006 im Handel.

Anspieltipps:
Who Killed It?, Let There Be Light, Can’t Forget About You
Trackliste: 1) Money Over Bullshit; 2) You Can’t Kill Me; 3) Carry On Tradition; 4) Where Are They Now; 5) Hip Hop Is Dead; 6) Who Killed It?; 7) Black Republican; 8) Not Going Back; 9) Still Dreaming; 10) Hold Down The Block; 11) Blunt Ashes; 12) Let There Be Light; 13) Playa On Playa; 14) Can’t Forget About You; 15) Hustlers; 16) Hope
similar artists: Mobb Deep, Jay-Z, AZ, Tupac

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Nas, mit bürgerlichem Namen Nasir bin Olu Dara Jones, wurde in Long Island, NY, geboren und gilt seit Mitte der 90er-Jahre als einer der bedeutendsten Rap-Künstler in der Szene. Anfangs unter dem Namen Kid Wave, später als Nasty Nas zog er in den frühen 90er Jahren zum ersten Mal Aufmerksamkeit auf sich. Wie einige andere namhafte East Coast-Rapper wuchs Nas in Queensbridge auf, einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Als junger Erwachsener hatte Nas schon nützliche Kontakte geknüpft und einen Plattendeal in der Tasche, und 1994 erschien das Album, an dem man Nas in Zukunft immer messen würde: “Illmatic“, mit Unterstützung seines Vaters Olu Dara (seinerseits Jazz-Trompeter), seines Freunds AZ und der genialen Q-Tip, DJ Premier, Pete Rock und Large Professor an den Reglern entstanden, wird unter vielen Raphörern als das beste Hip Hop-Album überhaupt angesehen. Aufgrund mangelnder Öffentlichkeitsarbeit wurde Illmatic erst zwar kein kommerzieller Erfolg, doch schon beim zweiten, ebenfalls sehr gelungenen Album, “It Was Written“ erklimmte Nas die Spitze der amerikanischen Album-Charts. Mit den darauf folgenden Werken allerdings begann Nas’ Abstieg. Eine ziemlich schwierige Phase wurde mit dem Release von “I am …“ eingeläutet, das zwar mit “Nas Is Like“ und “Hate Me Now“ zwei Klassiker enthält und in den Staaten direkt von 0 auf die 1 ging, aber bei der Kritik und in der Szene eher schlecht abschnitt. Schon zuvor wurde ihm vorgeworfen, nicht mehr der Künstler zu sein, der er mal war, und seine Glaubwürdigkeit dem kommerziellen Erfolg geopfert hätte. Der ziemliche Flop “Nastradamus“ und aufkommende üble Beefs (vor allem mit Jay Z) erschwerten Nasirs Lage zusehends. Die Zeit für eine Umkehr schien gekommen zu sein, und auf den Alben “Stillmatic“, “God’s Son“, “Street’s Disciple“ besann sich Nas offensichtlich wieder auf seine Wurzeln, was sich darin zeigte, dass sein neues Material wieder etwas mehr Tiefgang aufwies, so wie man es zu Beginn seiner Karriere gewohnt war. Auch im privaten Bereich ging es aufwärts, so heiratete er die RnB-Sängerin Kelis im Jahr 2005 und die Streitereien mit Jigga wurden definitiv zur Seite gelegt.

Nas
Diskographie:
> Illmatic (1994)
> It Was Written (1996)
> I am... (1999)
> Nastradamus (1999)
> Stillmatic (2001)
> God’s Son (2002)
> The Lost Tapes (2002)
> 10 Year Anniversary Illmatic Platinum Series (2004)
> Street's Disciple (2004)
> Hip Hop Is Dead (2006)


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