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Neviss - The Good Men

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von Michael Messerli am Donnerstag, 24. Dezember 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Pop, Indie  |  Label: Goldon Records (Irascible)  |  Unsere Wertung: 6.5/10

The Good MenMit dem Rezeptblock von Doctor T.
Neviss entkommen dem Kitsch gerade noch und haben nach eigener Aussage zum Glück den Faden verloren. Das kann man so sagen.
Kunst zu bewerten bleibt selber eine Kunst und ist nie frei von Massstäben. Wo man die ansetzt, ist in der Schweiz und überhaupt nicht immer so klar. Von so etwas wie „internationalen“ Massstäben soll hier gar nicht erst die Rede sein, das ist Käse. Nur muss trotzdem die ganze Plattensammlung herhalten und nicht nur der Vergleich mit den grössten Schweizer Hits. Damit müssen sich Neviss aber auch gar nicht erst beschäftigen. Die Luzerner kreisen ihre wesentlichen Stärken gekonnt ein, liefern insbesondere auf der zweiten Albumhälfte von „The Good Men“ immer wieder grossartige Konturen dessen, was ihnen eigen ist. Vergleiche sind also mit Vorsicht zu geniessen und im Falle von dem mit Slut ist die reichlich subjektive Referenz positiv zu verstehen. Leider klingt aber Martae Fischer in „The Opposite of Love“ zu oft nach Lovebugs und in solchen Momenten kriegen Neviss die Kurve um den Kitsch nicht ganz. 

Herausragend ist dann doch vielmehr der gelungene Popappeal einer gut klingenden Platte, der Geschmackssache sein mag. Es braucht anfangs etwas Zeit, bis man hineinfindet – und den einen oder anderen Moment an sich heranlässt. So wie etwa „Saint Brokenheart“, bei dem man nie ganz sicher ist, ob das jetzt einfach ein toller Hit oder eine seichte Nummer ist. Weil es aber immer besser wird, ohne eine bestimmte Initialzündung erzwingen zu wollen, funktioniert „The Good Men“ am Ende als Gesamtwerk. „On the Chairlift of Wonders“ läutet besagte zweite Albumhälfte grandios ein, der New-Wave-Punk von „Never Wanted to Go to Jena“ bricht musikalisch mit dem bisherigen Klangbild und nach einem kurzen Taucher schütteln Neviss einen tollen Song passend zur Jahreszeit aus dem Ärmel: „Merry Christmas“. Das lässt sich hören. „The Strangers“ rundet diese kurze Platte vorzüglich ab, vielleicht sogar mit dem besten von zwölf Momenten. Rund ist das alles sowieso. Kaum Kanten oder Ecken, an denen man sich stossen könnte. Nur wer sich eben gerade daran stösst, der vermisst wohl etwas: „We’ll fix you all/ At the hospital of Saint Brokenheart/ Where treatment is free/ And success guaranteed“. Neviss sind Popper und das muss nicht jedem Rocker seine Sache sein. Die Methoden von Doctor T. sind ausschliesslich fürs Herz gedacht. Musik nur nach Rezept ist das aber sicher nicht.

Seit  11. Dezember 2009 im Handel. 

> Hören und Kaufen > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Neviss
Anspieltipps:
> On the Chairlift of Wonders
> Merry Christmas
> The Strangers
 
Diskographie:
> Backseat Traveling (2003)
> Neige & Soleil (2005)
> The Good Men (2009)
 
Ähnliche Künstler:
> Slut
> Ghinzu
» 2 Kommentare
1"none"
am Dienstag, 29. Dezember 2009 12:36von Jonas
Dass Martae von Neviss wie Adi von den Lovebugs singt kann ich nicht unterschreiben. Martae singt besser. Was das Andere betrifft bin ich mit dem Autor einer Meinung: ein gutes aber kein aussergewöhnliches Album.
2Kommentar
am Dienstag, 29. Dezember 2009 13:02von Michael Messerli
Lieber Jonas, 
Ich habe geschrieben: "Leider klingt aber Martae Fischer in „The Opposite of Love“ zu oft nach Lovebugs". Das ist nicht dasselbe wie "Dass Martae von Neviss wie Adi von den Lovebugs singt". Zumal es nur auf den einen Song bezogen war. 
Gruss, Michael.
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