Die Schönheiten in Moll auf diesem erstklassigen Score
machen sich nicht nur im Film hervorragend, sondern funktionieren auch
als Untermalung einsamer Herbst- und Winterabende vortrefflich.
Nach dem Score zum grossartigen Outback-Western “The Proposition“ machten sich Nick Cave und Grinderman/Bad Seed-Kompagnon Warren Ellis ein zweites Mal an die musikalische Begleitung eines Filmes. Der langsame und sorgfältige Streifen “The assassination of Jesse James by the coward Robert Ford“ befasst sich mit dem Niedergang des zur Western-Legende verklärten Gauners Jesse James sowie mit dessen Bewunderer und Mörder Bob Ford.
Nick Cave und Warren Ellis gehen die Thematik des Films hier auf musikalische Weise an – die psychologische Tiefe, der Inhalt des Films im Allgemeinen, erschliesst sich dem Hörer allein allerdings nicht. Denn “The assassination ...“ ist ein klassischer Score, bei dem kein Text in gesprochener oder gesungener Form, sondern nur instrumentale Musik erklingt. Mit Violine (Warren Ellis) und Klavier (Cave) meist nur sehr spartanisch instrumentiert, geben sich die Kompositionen wie der Film und dessen Bilder bedächtig, elegisch und wunderschön. Öfters vertreten sind auch Gitarre, Bass und weitere Streicher, seltener Drums – eingespielt von weiteren Bad Seeds-Mitgliedern.
Der Film selbst gestaltet sich als lang und sperrig, auf die Musik trifft das weniger zu: Die schlichte Schönheit der meist eher kurzen vierzehn Stücke offenbart sich schnell, Kompositionen wie das überwältigende “Another Rather Lovely Thing“ werden trotz aller Schwere und Niedergeschlagenheit bald immer und immer wieder angehört.
Enttäuscht dürfte eigentlich nur sein, wer hier mit falschen Erwartungen herangeht. Wie “The Assassination ...“ so manchen Western-Fan überforderte und langweilte, könnte auch der Soundtrack zu einem Fehlgriff für jene werden, die ein klassisches Nick Cave-Album hören wollen. Der Meister hinterliess seine Handschrift natürlich deutlich, aber auch wenn zu bezweifeln ist, dass sich Nick Caves grossartiger Gast-Auftritt im Film wirklich gut in den Soundtrack eingefügt hätte – freudig hätte man sein “Jesse James“ (übrigens auch auf Springsteens grandioser “We Shall Overcome“ vom letzten Jahr) auf CD nochmal gehört. Sich darüber zu beklagen kommt anhand des vorhandenen Materials allerdings nicht in Frage – der vielleicht schönste Soundtrack dieses Jahres.
Seit 2. November 2007 im Handel.
Anspieltipps: Another Rather Lovely Thing, Song For Bob
Trackliste: 1) Rather Lovely Thing; 2) Moving On; 3) Song For Jesse; 4) Falling; 5) Cowgirl; 6) The Money Train; 7) What Must Be Done; 8) Another Rather Lovely Thing; 9) Carnival; 10) Last Ride Back To KC; 11) What Happens Next; 12) Destined For Great Things; 13) Counting The Stars; 14) Song For Bob
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Bio:
Der australische Multi-Instrumentalist Warren Ellis wurde im Februar 1965 in Australien geboren. Er spielt Violine, Mandoline und Keyboard und steht hinter den meisten Songs der Dirty Three. Seit 1993 ist er auch Teil der Bad Seeds, der Begleitband von Nick Cave. Ebenfalls gemeinsam mit dem 1957 geborenen Cave, seines Zeichens legendärer australischer Musiker, Songwriter, Autor und Schauspieler, wirkt er im 2006 Grinderman-Projekt mit. Die beiden Musiker nahmen als Duo erstmals im Jahr 2005 ein Album auf. Sie lieferten den Soundtrack zum preisgekrönten Outback-Western “The Proposition“, für den Cave auch das Drehbuch schrieb. Ihr jüngstes gemeinsames Album ist nun wiederum ein Sonudtrack zu einem Western der etwas anderen Art.