Das dritte Soloalbum vom ehemaligen Nationalgalerie-Frontmann Niels Frevert vereint neun kurze und prägnante Songs.
Spektakulär ist bei Niels Frevert mit Ausnahme der Songtitel überhaupt nichts. Aber wenn ein Musiker nach fünf Jahren nur gut 31 Minuten zustande bringt, dann fragt man sich schon, was da alles passiert ist. Eine Reihe von Antworten hört man bei „Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht)”, ein Song, der im Vergleich zu den anderen ziemlich deutlich ausfällt. Er berichtet über den Alltag als Musiker, die Erwartungen der Fans, der Presse und vor allem an sich selbst. Schliesslich hat er eine Lösung gefunden, hat sich Zeit gelassen, und veröffentlicht sein drittes Album in allen Belangen punktgenau. Die Songtitel sind nach klassischer Songwritermanier jeweils das Gerüst der Songs und drum herum baut er mit Poesie. Bei den ersten beiden Songs treten unmerklich Streicher auf, heben nur leicht ab, halten aber ein und werden von den Worten im Zaum gehalten.
Das neue Album ist viel ruhiger ausgefallen, ich kann mich nicht mal bewusst an eine elektrische Gitarre erinnern. Man darf sogar sagen, dass die ganz leisen Tönen die stärksten sind. Der Titel “Waschmaschine” zieht eine wundervolle Melancholie mit sich, man wartet die lieben Worte ab und hört dann eine verzückende Geige darüber hüpfen.
Der stärkste Moment der Platte ist aber “Niendorfer Gehege”, ein typisches “schön dich wieder mal zu sehen”-Lied. “Du warst ein bisschen grösser als ich/ Ich war ein Jahr jünger als du/ Und wir flippten zu 'I was made for lovin’ you'” (Man hört den Kiss-Klassiker beim zweiten Mal hören schon von Anfang an heraus). Die plötzlichen Fragen und Gedanken übereinander, die Erinnerungen und momentanen Sorgen treten fetzenartig ineinander, werden von einem feinen Schlagzeug und Streichern begleitet.
Niels Frevert ist bei anspruchsvoller Pop/Rock-Musik angelangt. Das hört sich so zwar furchtbar an, man muss dieses Album auch nicht unbedingt gehört haben, aber in seiner Nebensächlichkeit kann “Du kannst mich an der Ecke rauslassen” eine ideale Begeitung zu einem unspektakulären Abend mit ein bisschen Rotwein sein, ohne Schwermut und ausgesprochener Freude.
Ab 29. Februar 2008 im Handel.
Anspieltipps: Waschmaschine, Niendorfer Gehege, Aufgewacht auf Sand
Trackliste: 1) Baukran; 2) Du kannst mich an der Ecke rauslassen; 3) Ich möchte mich gern von mir trennen; 4) Waschmaschine; 5) Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht); 6) S.O.S.; 7) Niendorfer Gehege; 8) Genug ist genug, Gnu; 9) Aufgewacht auf Sand
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Bio:
Der Hamburger Niels Frevert, ehemals Teil von Nationalgalerie, die damals mit “Evelyn” eine regelrechten Hit auch ausserhalb Deutschland lieferten, ist seit der Auflösung 1996 alleine unterwegs.