Nikka Costa – Can`tneverdidnothin` (2005) (Virgin Records/EMI Music) |
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| von Severin Bellwald am Samstag, 3. September 2005 in Neuerscheinungen | |
![]() Not your average white chick Das „Explicit Content“-Logo auf der Hülle dürfte höchstens für Amerikaner und andere Paranoide besorgniserregend sein. Zu verantworten hat es wahrscheinlich der Opener „Till I Get To You“, Nikkas Neuinterpretation des ABC-Liedleins, wobei jedem Verflossenen ein Buchstabe zugedacht wird (mein Favorit: „my lover Q was quiet and qualified“), bis sie bei U (You) ankommt. Abschreckender ist das Cover. Zum ungefähr 218. Mal wird auf einem solchen ein hübsches Frauengesicht von einem Schmetterling umschwirrt, was keinen sehr phantasievollen Eindruck erweckt. Wie auch immer, man will sich ja nicht das Cover an die Decke projizieren, sondern die Musik hören. Sollte jemand nach dem zweifelhaften Hörvergnügen des angesprochenen Eröffnungstracks und dem folgenden „Can`tneverdidnothin`“ die Scheibe als nicht weiter beachtlich abhaken, müsste man ihm soweit Recht geben. Die beiden Nummern sind textlich originell, bieten musikalisch aber wenig Vergnügen. Der krampfhafte Versuch, mit Geschrei, aggressiver E-Gitarre und schnellem Rhythmus funky zu dröhnen, schafft das Kunststück, konventionell und doch konzeptlos zu sein. Man möge den misslungenen Start verzeihen, ihn als fehlgeschlagenen Versuch betrachten, von Anfang an Vollgas geben zu wollen. Mit „Fooled Ya Baby“ beweist Nikka Costa jedenfalls, dass sie einen absolut einzigartigen Stil hat, so unverkennbar wie Erykah Badu oder Nelly Furtado ist und Soul und Funk auf eine Weise präsentiert, wie man es nur kann, wenn man es im Blut hat. Lenny Kravitz (ja) sorgt am Bass und den Drums zusammen mit dem Fender-Rhodes für einen coolen Background-Beat, während Nikka stimmlich auf den Spuren von Grandma Funk Camille Yarbrough wandert. Das folgende „I Gotta Know“ schlägt mit tiefem Pianospiel ruhigere Töne an, hat viel Soul und zweifelsohne das Potenzial zum massentauglichen Chartbreaker. Sollte es nicht zur Singleauskopplung kommen, ist die Welt mindestens um einen verborgenen Schatz reicher. Die zwei nächsten Tracks sind keine Überflieger, machen aber Spass und bieten interessante Rhythmenwechsel, gute Beats und natürlich Nikkas perfekt getimten Gesang. Das Nina Simone-Cover „Funkier Than A Mosquita`s Tweeter“ (wieder mit Kravitz an den Drums) und „On&On“ sollte man wieder keinesfalls verpassen. Letzteres darf mit seinem simplen aber voluminösen Sound als legitimer Nachfolger von „Like A Feather“ betrachtet werden und wird sich mindestens in den Clubs seinen Platz schaffen. Zum Abschluss folgen, ähnlich wie auf dem Debüt „Everybody Got Their Something“, zwei Balladen, die nicht die absoluten Stärken von Nikka Costa ausmachen, denen man aber ebenfalls eine Chance geben darf. Einige Sekunden nach dem Ende von „Fatherless Child“ gibt es übrigens noch einen hidden Track zu hören. Was anfänglich beängstigend nahe bei Britney Spears` „Toxic“ war, hat sich ab dem dritten Stück erfreulicherweise zu einer bemerkenswerten und doch leicht zugänglichen Funk-Scheibe entwickelt, die ihre Wurzeln kennt und pflegt und somit zu einem erlesenen Kreis gehört. Seit 24. Mai 2005 im Handel. Anspieltipps: I Gotta Know, Fooled Ya Baby, On & On similar artists: Macy Gray, Jill Scott, Joss Stone, Dawn Silva > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Als Tochter des bekannten Produzenten Don Costa entwickelte sich bei Nikka bereits früh ein Liebe zu Soul und Funk. Als Fünfjährige wollte sie Sly Stone, der während ihrer Schlafenszeit im Wohnzimmer Klavier spielte, zwar noch aus dem Haus werfen, schon drei Jahre später stand sie aber selbst hinter dem Mic und landete mit ihrer Version von „Out Here On My Own“ in Europa einen Überraschungshit (über den sie heute lacht). In ihren frühen Teenagerjahren spielte sie „shitty“ Popsongs, ohne genau zu wissen, wo sie als Künstlerin hin wollte. Erst auf ihrem „Erwachsenen-Album“ „Everybody Got Their Something“ von 2001, besann sie sich auf ihre Vorbilder Stevie Wonder, Aretha Franklin oder auch Chaka Khan, orientierte sich an deren Sound und kam so zu ihrem eigenen Stil, einer Mischung aus Pop, Rock, Funk und Soul, der auf dem neuen Album noch deutlicher zur Geltung kommt. Mit der Ballade „Fatherless Child“ setzte sie ihrem Vater, der verstarb als sie zehn war, über zwanzig Jahre nach seinem Tod ein musikalisches Denkmal. Diskographie: > Everybody Got Their Something (2001) > Can`tneverdidnothin` (2005)
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