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Norah Jones - Not Too Late

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von Rafael Werner am Dienstag, 30. Januar 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: Singer/Songwriter, Jazz
Label: Blue Note
CH-Vertrieb: EMI Switzerland
Unsere Wertung:Norah Jones - Not Too Late


Die falsche Türe öffnen
Not Too LateErmüdend und ernüchternd: Norah Jones probiert es nun mit eigenen Songs der vollkommenen Harmlosigkeit – mit weniger Charme als früher.

Eine grosse Veränderung für die 27-jährige Pianistin und Sängerin aus New York ist es, dass sie nun ihre Songs komplett selbst schreibt. Doch trotzdem klingt ihr drittes Album nicht bedeutend anders. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern hat man jetzt einfach das Gefühl, sie mache nicht mehr genau das, was ihr Spass macht, sondern versucht etwas zu sein, was sie nicht ist; nämlich eine grosse Songwriterin. Um diesen Schritt zu schaffen, muss sich Norah Jones nun endlich von den Prädikaten „harmlos“ und „angenehm“ entfernen, denn auch auf „Not Too Late“ passen diese und ähnliche Adjektive wieder am besten zum Geschehen. „Sinkin’ Soon“ kommt als einziger anders daher: Der zweite Song auf Jones’ drittem Werk klingt wie Tom Waits als Lollipop oder das Seemannslied eines bedächtigen Kapitäns. Ansatzweise schreibt die junge Amerikanerin richtig gute Songs, konzipiert ist einiges sogar hervorragend. Was der hübschen Dame aber praktisch permanent fehlt, ist der Druck. Und genau das würde sie und ihre Musik in eine viel höhere Liga katapultieren. Die Songs plätschern nur dahin, beschallen oder allerhöchstens machen sie mit einer süssen Gestik auf sich aufmerksam, aber keiner der Tracks ist abgeklärt und kühn. Auch musikalisch müsste man druckvoller ans Werk gehen; wir haben nun drei harmlose Alben von ihr gehört und wären bereit für Songs mit dem Drang eines Bob Dylans. Textlich wird oft von der Doppelseite der Gefühle gesprochen, viel origineller und bitterer als früher, manchmal prägnant und dann wieder gewohnt optimistisch, sodass man auf dieser Ebene klar von einem Fortschritt sprechen kann. Die Qualität der Songs ist dafür erheblich zurückgegangen, viele Melodien sind ein bisschen schön oder ein wenig gut, zwingen einem aber nicht wirklich, hinzuhören. Man spürt förmlich, dass sich Norah in ihrer Rolle nicht wohl fühlt, sie will mehr, erreicht aber vorläufig nicht mehr und sogleich werden die Lieder nervös und anstrengend. Das ist ärgerlich, denn Norah Jones besitzt zum Trotz aller, die sie immer noch als niedliches Jazzküken sehen, die handwerkliche Klasse sowie die reife, seidig-klare Stimme, um grossartige Songs zu schreiben. Auf „Not Too Late“ sind keine davon vorhanden. Nebst dem Titeltrack überzeugt das ernste „Not My Friend“ noch am ehesten. Für das nächste Album gebe ich ihr einige Zutaten mit auf den Weg: Mut, Druck, Wut, härtere und schnellere Rhythmen und ein wenig Experimentierlust. Das passt alles besser zu ihr, als man glauben mag.


Seit  26. Januar 2007 im Handel.

Anspieltipps:
Sinkin’ Soon; Not My Friend; Broken; Not Too Late
Trackliste: 1) Wish I Could; 2) Sinkin’ Soon; 3) The Sun Doesn’t Like You; 4) Until The End; 5) Not My Friend; 6) Thinking About You; 7) Broken; 8) My Dear Country; 9) Wake Me Up; 10) Be My Somebody; 11) Little Room; 12) Rosie’s Lullaby; 13) Not Too Late
similar artists: Eva Cassidy, Diana Krall, Carla Bruni, Amos Lee

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Norah Jones (* 30. März 1979 in Brooklyn, New York; eigentlich Geetali Norah Jones Shankar) ist eine US-amerikanische Country- und Jazz-Sängerin. Sie ist die Tochter von Sue Jones und Ravi Shankar, Anoushka Shankar ist ihre Halbschwester. Im Alter von vier Jahren zog sie mit ihrer Mutter nach Dallas, Texas, und fing zwei Jahre später an Klavierunterricht zu nehmen und spielte für einige Zeit auch Saxophon. Mit 15 Jahren schrieb sie sich an der Booker T. Washington High School for the Performing and Visual Arts, an der auch Erykah Badu oder Roy Hargrove ihren Abschluss machten, ein. Bereits während ihrer Schulzeit erhielt sie einige Preise für ihren Gesang und ihre Kompositionen. Nach der High School ging Norah Jones 1997 an die für ihren guten Musikunterricht bekannte University of North Texas und studierte dort Jazzpiano. Nebenbei sang sie in der Band Laszlo. 1999 zog sie nach New York und trat regelmäßig mit der Funk-Band Wax Poetic auf. Doch bald gründete sie ihre eigene Band mit Jesse Harris, Lee Alexander und Dan Rieser. Im Oktober 2000 nahmen sie einige Demobänder für Blue Note Records auf, bei denen sie im Januar 2001 einen Vertrag unterzeichneten. Norah Jones nahm für Charles Hunters Album Songs from the Analog Playground zwei Lieder auf: More Than This von Roxy Music und Day is Done vom legendären Nick Drake. 2003 erhielten sie und ihr von Arif Mardin produziertes Album Come Away With Me acht Grammys, wodurch sie einem breiteren Publikum bekannt wurde. Ein Jahr später erschien das Album Feels Like Home. 2006 brachte sie mit der Band The Little Willies das gleichnamige Album heraus. Am 26. Januar 2007 erschien ihr neustes Studioalbum mit dem Titel „Not Too Late“.

Norah Jones
Diskographie:
> Come Away With Me (2002)
> Feels Like Home (2004)
> Not Too Late (2007)

 
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