Nouvelle Vague sind zurück und nehmen sich ein erneutes Mal einige ihrer New Wave/Post-Punk-Lieblinge vor, um sie kräftig zu schütteln und entstauben – und, mit Verlaub, zu verschönern. Wenn “Master & Servant“ dann aufgefrischt in gefälligem Trott loslegt und die überzuckerte Stimme von Melanie Pain das eigentliche Synth-Rock-Stück in eine niedlich-laszive Akustik-Pop-Nummer verwandelt und Original-Songwriter Martin L. Gore mit einstimmt, dann ist ein hämisches Grinsen kaum mehr zu verbergen. Nur, und das mag die Crux mit “3“ sein: Auf dem Debüt war die Ironie feiner, die Musik war selten so harmlos wie vieles hier, sondern bewies echte Bossa Nova-Klasse, Stücke wie “A Forest“ sorgten lange für Euphorie.
So legt “Blister In The Sun“ (Violent Femmes) zwar beschwingt sommerlich los, wirkt im Refrain aber merkwürdig schal, das Stimmchen von Eloisa scheint dann irgendwie doch etwas zu dünn. “Road To Nowhere“ (Talking Heads) geben Nouvelle Vague als samtige Alternative-Country-Nummer wieder, ohne die Kanten und den Druck des Originals, aber mit reichlich Streicheleinheiten für die Ohren, zirpende Grillen inklusive. Zu einem oft gespielten Favoriten, wie es das Original war, dürfte diese Interpretation aber nie werden.
Selten geht der Plan wirklich auf. “All My Colors“ (Echo & the Bunnymen) ist eine solch erfreuliche Ausnahme: Ian McCulloch, der Sänger der ruhmreichen Post-Punk-Gruppe, tritt nach einigen Takten selbst ans Mikro und in Zweisamkeit mit der süsslichen Stimme von Melanie Pain ruft er hier den gleichen Zauber herbei wie bereits im Original – allerdings haben sich Nouvelle Vague auch schon weiter von der Vorlage entfernt. Auch die merkwürdig-schöne Ballade “Parade“ (Magazine) bewahrt den ursprünglichen dunklen Charakter, anstelle wüster Synthies gibt es hier nun schmucke Trompeten und Streicher und nicht Howard Devoto (auch Sänger der Buzzcocks) singt, sondern Magazine-Bassist und Acid-Jazz-Held Barry Adamson.
Ihre Version von “Metal“ entwickelt beinah den selben unwiderstehlichen Groove wie der Synth-Pop-Killer von Gary Numan, ist dabei aber ungemein sonniger und stilsicherer. Weiter in die Schreckenstiefen vergangener Jahre geht es darauf mit dem trashigen “Ca Plane Pour Moi“ (Plastic Bertrand). Auf witzige Art und Weise vereint das NV-Cover typischen Ye-Ye-Gesang mit Ska- und Dub-Rhythmen, das Resultat nervt zwar immer noch, aber Pluspunkte für solche Kreativitätsschübe sind Nouvelle Vague hier sicher.
“Bande à part“ griff dasselbe Konzept auf wie das Debut, aber Nouvelle Vague waren davon selbst hörbar gelangweilt. Auf “3“ wagen sie nun deutlich mehr, verabschieden sich fast völlig vom Bossa, die Begeisterung von damals bleibt trotzdem aus ... zu seicht ist die Musik allen weilen, oft zu abgeschmackt der Gesang. Fans der ersten Alben sollten dennoch reinhören, genauso wie die Liebhaber der Originale, solange nicht unter Starrkrämpfen und akuter Humorlosigkeit gelitten werden sollte.
Seit 18. Juni 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Master & Servant
> All My Colors
> Parade
Diskographie:
> Nouvelle Vague (2004)
> Bande à Part (2006)
> Late Night Tales: Nouvelle Vague (2007)
> Nouvelle Vague Presents Coming Home (2007)
> Nouvelle Vague Presents New Wave (2007)
> 3 (2009)