Die Late Night Tales gehen in die siebzehnte Runde,
Nouvelle Vague überzeugen dabei mit einem erstaunlich düsteren und
vielseitigen Mix.
Noch scheint es gar nicht so lange her, dass die Stücke von Nouvelle Vague’s Debüt in Kaffeehäusern rund um die Welt zu Tode gedudelt wurden. Ihr selbstbetiteltes erstes Album traf offenbar den Nerv der Zeit und avancierte zum Überraschungshit. Diverse Songs der New Wave / Post Punk-Movements interpretierten die beiden Franzosen mithilfe einer Sängerinnenschar (darunter auch die brillante Camille) mit soviel Stil und Leichtigkeit, dass Widerstand zwecklos war.
Der Nachfolger “Bande à part“ schlug erneut in dieselbe Kerbe, hatte einige offensichtliche Hits, aber alles in allem schien die Luft etwas raus zu sein – nichtsdestotrotz ein weiterer Erfolg. Nun wurden die beiden Franzosen von den Initianten der beinah immer überzeugenden Late Night Tales-Reihe (Auftritte gabs unter anderem von Zero 7, Sly & Robbie, den Flaming Lips oder Air) an die Plattenteller gebeten, und Nouvelle Vague liessen es sich nicht nehmen, der Hörerschaft die Wartezeit auf ein eventuelles drittes Album zu verkürzen. Wie erwartet hätte werden können, finden sich unter ihren Lieblingen solche Songs, die den Nouvelle Vague-Sound beeinflussten und ausmachen – vom Post-Punk über den Downbeat zum Samba also, aber noch viel mehr dazu: Die wunderbare Trackliste voller Perlen und wunderbaren Obskuritäten besticht durch die stimmige, harmonische Konzeption und Abmischung und wird zusehends düsterer und skurriler. Was erst sommerlich mit luftigen Stücken von The Specials und Os Mutantes gestartet wird, wird mit den dunkleren New-Wave-Klängen von The Pale Fountains (grossartig: die Bläser im ohnehin ziemlich genialen “Unless“) oder dem lässigen “Movement of Fear“ vom Bauhaus-Sideprojekt Tones On Tail zu einem selten gehörten, prächtig funktionierenden Gemisch. Geschickt wurden hier Stücke gewählt, die immer noch ansatzweise jazzig sind und auch an Acts wie Portishead erinnern, und sich so keineswegs mit dem restlichen Material beissen.
Dass auch Country-Heuler wie “ San Francisco Is A Lonely Town“ von Charlie Rich den Weg auf diese Compilation gefunden haben, sorgt für Glücksgefühle und lässt staunen. Man hätte wohl kaum geglaubt, dass etwa Ambient-Sänger David Sylvian, Jazz-Stimme Shirley Horn, Elektroniktüftler Avril und die Teilzeit-Gother This Mortal Coil auf einem Album so gut harmonieren würden. Das ist die Kunst, die Nouvelle Vague beherrschen, das was ihr erstes Album auszeichnete – die Fusion von scheinbar komplett Gegensätzlichem, und das immer mit Geschmack.
Seit 5. Februar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Shirley Horn - And I Love Him, Charlie Rich - San Francisco Is A Lonely Town, Tones On Tail - Movement of Fear
Trackliste: 1) The Special Aka – (What I Like Most About You Is Your) Girlfriend; 2) Nouvelle Vague - Come On Eileen (Exclusive Cover Version); 3) Os Mutantes – Baby; 4) Pale Fountains - Unless; 5) Charlie Rich - San Francisco Is A Lonely Town; 6) Tones On Tail - Movement of Fear; 7) Phoebe Killdeer - Chaos; 8) Avril - Urban Serenade; 9) Shirley Horn - And I Love Him; 10) Gavin Bryars - The Vespertine Park; 11) David Sylvian - A Fire In The Forest; 12) Art Bears – Freedom; 13) Peggy Lee / Sy Oliver & His Orchestra - You're My Thrill; 14) Glen Campbell - By The Time I Get To Phoenix; 15) Isabelle Antena - Le Poisson Des Mers Du Sud; 16) Anja Garbarek - The Last Trick; 17) Les Petroleuses - Nicole; 18) Cibelle - Phoenix; 19) This Mortal Coil - You And Your Sister; 20) Julie London - Lonely Girl; 21) David Shrigley - What I Ate
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Bio:
Nouvelle Vague sind Marc Collin and Olivier Libaux und, auf ihren regulären Alben, einige Sängerinnen (darunter Camille Dalmais, Anaïs Croze und die auch auf der jüngsten Late Night Tales vertretene Phoebe Killdeer). Ihr Namen ist offensichtlich eine Referenz auf die französische Kino-Epoche, aber noch mehr auf den New Wave und den Bossa Nova (auf dt. ebenfalls: Neue Welle), die Stilrichtungen, dank deren Kombination die beiden Ruhm erlangten. Auf ihrem 2004 erschienenen Debüt fanden sich so grossartig gelungene Bossa-Coverversionen von Stücken von Joy Division, Dead Kennedys, The Clash und Depeche Mode wieder. In Bars, Werbespots und TV-Serien wurden die Songs rauf und runter gespielt, und so wurde das Debütalbum zum Hit. Bande à Part, wiederum eine Referenz auf einen Filme der Nouvelle Vague-Legende Jean-Luc Godard, erschien 2006.