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Nôze - Songs On The Rocks

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von Rudolf J. Merkle am Freitag, 25. April 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Pop, Electronica
Label: Get Physical
CH-Vertrieb: Namskeio
Unsere Wertung:Nôze - Songs On The Rocks


Intonierte Ironie.
Songs On The RocksDas Duo Nôze wendet sich von technoider Ekstase ab und durchforstet Popmusik in ihrer Spannbreite. Überwiegend nicht uninteressantes, augenzwinkerndes Konglomerat mit Genusspotential für den Hörer ist das Resultat.

Geschätztes Auditorium,

„Danse Avec Moi“ (u. a. mit stimmlicher Unterstützung Dani Sicilianos) ist nicht nur ein zauberhaftes unterhaltendes Stück Musik mit intelligent (weil ironisch) eingesetztem Kitsch, sondern zugleich recht eigentlich Programm des hier anzuzeigenden Albums. Streicher (kitschig) und Klavier (auch kitschig) laden etwas aufdringlich dazu ein, „forever“ (der Rest des Textes: ebenso sehr kitschig) zu tanzen. In „Remember Love“, ein gekonnt in die Tasten gehauener grooviger Liebestrack, geht gleichfalls wunderbar in die Beine, ohne dass Melodie in den Vordergrund gerückt würde. Dass „You Have To Dance“ (rhythmisch gezielt) bewegen macht, ist wohl nicht weiter erstaunlich.
Wie das französische Duo Polka-Aspekte, Tango-Fragmente, Dixieland-Anspielungen, Kleinbläser-Elemente, Ethnosound, Chansonallüren, Spass-Pop sowie Minimal in bester eklektizistischer Manier zu verweben weiss und hierbei seinen ureigenen Stil definiert, ist mehr als respektabel. Doch halt, völlig allein resp. isoliert fliegen die Franzosen Sfintescu und Pailhes nicht im Pop-Universum: „Childhood Blues“ ist die wahrscheinlich gelungenste Parodie auf die Säufer-Existenz Tom Waits: ein zeitloses Schmuckstück, wobei vor allem die elektronische Untermalung ausnehmend überraschend ist. Unmittelbar zuvor weiss „Little Bug“ zu gefallen. In diesem Track vermeinen wir 50-er-Jahre-Schmalz aus Italien, Dixie- und Tango-Mikromuster zu erkennen – ein unerhörtes, bis dato ungehörtes Gemenge.
Das bedrohliche Intro von „Slum Girl“ droht zunächst in cineastischem Pathos beinahe – pardon – zu ersaufen. Gerettet von einem Gitarrenpart, der jedem Morricone-Western ausgezeichnet zu Gesichte stünde, übernimmt wieder der stimmliche Tom-Waits-Klon in herrlich radebrechendem Englisch und gibt die traurige Geschichte eines Mädchens zum Besten; im Hintergrund säuseln süssliche Streicher orchestral und konkurrenzieren sich mit einer nachgerade martialischen Blasinstrumenten-Armada, die im eigentlichen Sinne des Wortes den Marsch bläst: Das hat Witz, ohne Zweifel, trotzdem kann man nicht umhin, einige Längen zu bemängeln. Nicht jede Idee sollte unbedingt ausgereizt werden. So ist die Mischung aus Perkussionssequenzen, Chorgesang und Saitenspiel in „Ethiopo“ – welch ein Titel – gewiss nicht einfallslos und neuerlich tanzbar, wenn man einen in der Krone sitzen hat, aber gänzlich nüchtern, na ja … Weshalb schliesslich die Club-Hymne „Kitchen“ in ein einundachtzig Sekunden langes harmloses elegisches Stückchen transponiert wurde und den siebenundvierzigminütigen dritten Longplayer von Nôze beendet, harrt der Erklärung. Wie viel besser präsentiert sich im Gegensatz dazu der Opener „L’Inconnu Du Placard“: ein tolles, französisch-englisch gesungenes Exemplum moderner Tanzmusik.
Den kritischen Anmerkungen zum Trotz: Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes ist ein in der Tat originelles Tanzalbum gelungen, das der Anschaffung wert ist: ironische, vitale, sich selbst erfreulich nicht ernst nehmende Musik. Anders. Gut.

Unsere Ansicht: Man höre und beurteile all dieses selbst. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Ab 25. April 2008 im Handel.

Anspieltipps:
Danse Avec Moi, Childhood Blues
Trackliste: 1) L’Inconnu Du Placard; 2) Danse Avec Moi; 3) Little Bug; 4) Childhood Blues; 5) You Have To Dance; 6) Slum Girl; 7) Ethiopo; 8) Remember Love; 9) Kitchen (Pop Version)
similar artists: Tom Waits (Vokalteile), Nouvelle Vague (in der Intention, den Hörer zum Tänzer umzufunktionieren), Starting Teeth (dieselbe Originalität)

> Hören und Kaufen > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:

Nôze sind Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes. Die wirklich kongenialen Franzosen haben sich seit 2004 zur Hauptsache in der elektronischen Musik (z. B. bereits in DJ-Kicks-Reihe aufgetaucht) als ebenso begnadete wie unkonventionelle Performer in unzähligen Auftritten sowie als ausgezeichnete Produzenten einen Namen gemacht. Auf dem vorliegenden Album leihen Dani Siciliano und David Lafore ihre Stimmen („Danse Avec Moi“).

Nôze
Diskographie:
> Craft Sounds And Voices (2005)
> How To Dance (2006)
> Songs On The Rocks (2008)


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