Unscheinbar, aber höchst effizient erscheint das dritte,
erstaunlich reife und großartige Album von Olli Schulz und Max Schröder.
„Warten auf den Bumerang“, das dritte Album vom Duo Olli Schulz und der Hund Marie, welcher übrigens bereits ein Album ohne Herrchen aufgenommen hat, beginnt mit einer Blumfeld-Hommage; zumindest klingt der brachiale Anfangskracher „In jede Richtung“ harmonisch und melodisch sehr ähnlich wie Distelmeyer und Co. und auch textlich haltet Olli Schulz erstaunlich gut mit: „Nur ein Mensch / doch wie sehr er kämpft / gegen den Lärm der ihn betäubt / zeigt sein Herz als wenn es gar nicht wär / und hat den Mut noch nie bereut“. Das sind plötzlich Ansagen nach Mass und im Vergleich zu den meisten anderen Deutschpopliedern endlich mal mit Substanz und Dringlichkeit, ohne die überflüssige, natürlich auch hier nicht ganz ferne, Trash-Kultur. Denn letztendlich sind jeglicher Schalk und die bewusste Zusammenhangslosigkeit doch nur Mittel, um die Angst vor der eigens vermittelten Ernsthaftigkeit zu betäuben. Deshalb ist „Warten auf den Bumerang“ auch mutig, weil es sich nicht vor grossen Sätzen (als Beispiel: „Wie hässlich werden Menschen, wenn sie gar nichts mehr bewegt“) scheut. Die Songs bleiben extrem schnell im Ohr hängen, sind mit spürbarem Herzblut entwickelt worden und umfassen alle Facetten der möglichen Aufbaustruktur. „Keiner hier bewegt sich“ ist beispielsweise karg wie die Skelette im Booklet, der Rhythmus und die sanfte Pianomelodie sind perfekt eingesetzt. Nebst ein paar Füllern klingen Olli Schulz und der Hund Marie über weite Strecken hinweg routiniert wie eine grosse deutsche Rockband und haben dermassen gute Lieder auf Lager, dass man nach so kurzer Wartezeit seit dem letzten Album („Das Beige Album“, 2005) nur noch staunen kann. Unscheinbar, aber sehr effektiv entwickelt Olli Schulz nachhaltig wirkungsvolle Liebeslieder, Lebensratschläge und Beobachtungsskizzen. Musikalisch überzeugend wirken die sehr präzise eingesetzten Gitarren, der mitreissende Rhythmus und nicht zuletzt grosse Refrainmelodien. Insbesondere der melancholische Nachtfahrt-Song „Rückspiegel“ strahlt eine einzigartige Atmosphäre aus und „Wenn das Leben dich beisst“ ist eine weitere erfrischende Weisheit, die nicht vergeblich aufdringlich (wie so vieles) nach Aufmerksamkeit sucht, sondern durch seine metaphysische Klarheit entfremdet ins Herz sticht. Wirklich toll!
Wäre diese Musik Schokolade, würde sie dich aus dem elften Tor des Adventskalenders anspringen und köstlich schmecken.
Seit 17. November 2006 im Handel.
Anspieltipps: In jede Richtung; Rückspiegel; Wenn das Leben dich beisst
Trackliste: 1) In jede Richtung; 2) Wenn die music nicht so laut wär’; 3) Keiner hier bewegt sich; 4) Unsichtbarer Vogel; 5) Schritt für Schritt; 6) Medizin; 7) Rückspiegel; 8) Wenn das Leben dich beisst; 9) Was macht man bloss mit diesem Jungen?; 10) Armer Vater; 11) Kleine Meise, grosses Herz
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Bio:
Für die meisten Leute ist Olli Schulz der Typ mit der Gitarre, der launig-lustige Texte singt und immer so viele witzige Geschichten zu erzählen hat, dass seine Konzerte regelmäßig zu einer Art Stand-Up-Comedy-Show ausarten. Ein Mann, eine Gitarre, ein Herz voll kruden Humors und ein Mitteilungsbedürfnis von hier bis zum Mond. Und neben ihm sein kongenialer schweigender kreativer Partner Max Schröder aka Der Hund Marie.
Ihr erstes Album erschien 2003 unter den originellen Titel „Brichst du mir das Herz, brech’ ich dir die Beine“. Beim zweiten Album „Das beige Album“ (2005) war alles ein bisschen ernster geworden, und auch die Lieder waren größer und offener. Bei den Aufnahmen zu „Warten auf den Bumerang“ kam nun die Live-Band um Dennis Becker und André Frahm mehr und mehr zum Einsatz, was dazu führte, dass Olli Schulz & Der Hund Marie eingespielter und reifer klingen als je zuvor.