Genre: Psychedelic, Folk, Jazz | Label: Roadrunner Records (Warner Music) | Unsere Wertung: 7.0/10
Hexentanz im dichten Wald...
Opeth kehren dem Metal den Rücken zu und klingen auf ihrem neusten Album stark nach Folk- und Prog-Rock der 70er Jahre.
Zugegeben, der Vorgeschmack, den man mit der Vorauskoppelung von „The Devils Orchard“ erhielt, liess so manchen Opeth-Anhänger zuerst mal ziemlich fragend dreinschauen. Irgendwie klang das nicht wirklich danach, was man nach „Watershed“ von den schwedischen Death-Metal Ikonen erwarten wollte. Kein Growlen. Gitarren bloss angezerrt. Leicht enttäuscht; was würde da wohl kommen?
Um es vorweg zu nehmen: doch, doch... Opeth klingen auf „Heritage“ immer noch nach Opeth. Allerdings lässt sich ihr neustes Album bloss am ehesten noch mit "Damnation" vergleichen. Vielleicht. Denn mit Death-Metal hat „Heritage“ nichts mehr zu tun. Auf deftige Riffs wartet man vergebens. Das für Opeth typische Konzept, ruhige, melancholische Passagen mit krachenden Metal-Gewittern zu durchziehen, hat der Band wohl ausgedient. So scheint es jedenfalls, denn die Struktur der neuen Songs erinnert durch ein dicht arrangiertes Ineinandergreifen von Gitarren, Orgeln und superb akzentuierendem Drumming vielmehr an die Blütezeit des Kraut- bzw. Progrock vergangener Tage. Das, im Opener (ein instrumental gehaltenes Klavierstück!) gespielte Motiv zum Beispiel taucht im Verlauf des Albums in abgeänderter Form wieder auf - wie man es von herkömlichen / grossen Progrock-alben her kennt. Überhaupt merkt man Opeth die Sorgfalt an, mit der die neuen Stücke komponiert wurden. So folgt abwechsungsreich Part um Part, Song um Song, in einem, dem Hörer viel abverlangenden Strudel aus hoffnungsvollen Melodien, jazzigen Eruptionen und psychedelischem Geschwebe.
Dass es dabei schwierig wird, die einzelnen Stücke auseinanderzuhalten verwundert nicht. Selbst nach mehrmaligem Hören überrascht diese Platte. Allerdings braucht es die Musse, dieses Album am Stück durchzuhören, da einzelne Songs einen gewissen Spannungsbogen vermissen lassen und ihre Wirkung – anders als die rohe Schönheit auf „Damnation“ - erst im Kontext wirklich entfalten. Unserer heutigen Shuffle-Generation dürfte dieses Album nicht viel sagen, höchstens Playlists bremsen. Doch geneigten Hörern, die gerne mal Platten auf einer guten Anlage bei adäquater Lautstärke durchhören, sei Opeths neustes Werk wärmstens empfohlen. Der Sound der Platte ist nämlich ein Kapitel für sich. Steven Wilson (
Porcupine Tree) fungierte als Sound-Engineer und zaubert hier einen erstaunlich ehrlich klingenden Klangteppich, der in unmittelbarer Nähe aus den Boxen zu schwelen scheint. Nichts von wegen überproduziert. Opeth geben sich bescheiden, mutig neuen Kurs eingeschlagen und dürften mit „Heritage“ sowohl Fans, wie auch Interessierten zumindest ein gutgemeinter Versuch wert sein.
Seit 16. September im Handel.
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Anspieltipps:
> I Feel the Dark
> The Lines in My Hand
> Folklore
Diskographie:
> Orchid (1995)
> Morningrise (1996)
> My Arms, Your Hearse (1998)
> Still Life (1999)
> Blackwater Park (2001)
> Deliverance (2002)
> Damnation (2003)
> Ghost Reveries(2005)
> The Roundhouse Tapes (2007)
> Watershed (2008)
> In Live Concert at the Royal Albert Hall (Live-CD inkl. DVD, 2010)
> Heritage (2011)
Ähnliche Künstler:
> Queen – Queen II
> Mars Volta - Octahedron
> King Crimson - Lizard