Genre: Rock | Label: Cooking Vinyl (Community) | Unsere Wertung: 7.0/10
Altherrenmusik von Mitt-Vierzigern
Black Francis und Reid Paley haben schnell zehn Songs aus dem Ärmel geschüttelt. Diese sind nicht für die Ewigkeit, aber trotzdem recht vergnüglich.
Die Bostoner Indie-Band Pixies war zwar produktiv, aber vergleichsweise kurzlebig: 1992 war nach fünf Alben in sechs Jahren Schluss. Trotzdem hat Mitgründer Black Francis mit den Pixies ein wichtiges Kapitel Musikgeschichte mitgeschrieben. Kommerziell nur mässig erfolgreich hatten und haben die Pixies hörbaren Einfluss auf andere Independent-Bands. Kurt Cobain soll gesagt haben, „Smells Like Teen Spirit“ sei sein Versuch gewesen, einen Pixies-Song zu schreiben. Diese Zeiten sind längst vorbei. Als Solo-Künstler unter seinem weiteren Pseudonym Frank Black war der Gitarrist, Sänger und Songwriter nicht erfolgreich. Auch die wiedervereinigten Pixies sind allenfalls eine Fussnote der Rockgeschichte.
Gemeinsam mit Reid Paley hat er ein so konventionelles wie gelungenes Album hingerotzt. An drei Nachmittagen, so geben die beiden an, haben sie die Musik für zehn Songs geschrieben. Danach hat jeder zu fünf Songs die Texte verfasst. Später wurden die zehn Stücke in reduzierter Besetzung mit zwei Gastmusikern innerhalb von zwei Tagen eingespielt. Es gebe nur „first takes“ auf dem Album, das vor allem simpel ist, aber auf seine einfache Art auch wieder gelungen.
Die Stücke sind ein Amalgam aus Blues, Americana, Soul und Singer-Songwriter-Stil. Wer möchte, kann beinahe beliebig Vorbilder heraushören. Das ganze Album wirkt wie die spielfreudige Zugabe von alten Haudegen, die vor dem Ausklingen der After-Show-Party noch einmal auf den Putz hauen und für den hartgesottenen Rest der Gesellschaft ein paar Gassenhauer aus dem Ärmel schütteln. Nur dass sie diese Allerweltslieder schnell erfunden haben.
Diese klingen einerseits so durchschnittlich, dass man irgendwelche Einflüsse gar nicht deutlich zuordnen kann. Das ist nicht innovativ, und man kann das durchaus öde finden. Gleichzeitig weisen die eingängigen und gefälligen Songs, die umgehend vertraut wirken, unterschiedliche Charakteristika auf, die das Album bei aller Homogenität recht vielfältig machen. Francis und Paley singen abwechselnd, beide mit rauer Stimme, wobei die helle von Francis mit der dunklen, rauchig-trunken wirkenden von Paley angenehm kontrastiert. Das von Francis mit Kopfstimme gesungene und schlichtweg peinliche „Cresent Moon“ ist die unrühmliche Ausnahme. Wer nicht die Hauptstimme singt, fällt beim Refrain ein – ein beständig eingesetztes und trotzdem erfrischend wirkendes Stilmittel.
Black Francis und Reid Paley haben mit ihren zehn Songs nicht den grossen Wurf gelandet, vielleicht auch nicht mehr als eine Fussnote zu ihrer eigenen Geschichte beigesteuert. Vergnüglich ist das Album allemal.
Seit 7. Oktober 2011 im Handel.
> Hören und Kaufen > Label > Vertrieb
Anspieltipps:
> Curse
> Ugly Life
Diskographie:
> Paley & Francis (2011)
Ähnliche Künstler:
> Pixies
> Frank Black
> Paley Reid Trio