Genre: Indierock/ Alternative | Label: Nois-o-lution | Unsere Wertung: 8.0/10
Übel, Angst und Hoffnung
Wer die Büchse der ersten, aus Lehm entstandenen Frau der Welt bzw. Pandora öffnet, bringt der Mythologie zufolge Übel und Angst übers Land. Doch kein Grund zur Sorge an dieser Stelle, die niederbayerische Band Pandoras Box hat viel mehr als Übel und Angst zu vermitteln.
Ich möchte an dieser Stelle nicht genauer auf irgendwelche griechischen Mythen eingehen, diese sind zwar immer wieder spannend und werden in verschiedensten Kontexten herangezogen, hier soll die Aufmerksamkeit jedoch fünf jungen Herren aus dem lieblichen Geisenhausen gewidmet werden, die sich zumindest im Bandnamen an ebenjener griechischen Geschichte bedienen. Was noch vor dem Hinhören auffällt: die Band kommt aus einer geographisch eher abgelegenen, musikalisch jedoch äusserst bedeutenden Region. Soweit mir bekannt ist, stammen The Notwist oder Slut auch aus dieser Ecke Deutschlands. Da ich die beiden Bands, natürlich neben der Koblenzer Szene um Blackmail und ein paar eigenwilligen Postrockern zu meinen Favoriten aus dem grossen Kanton zähle, setze ich die Messlatte entsprechend hoch.
Schon ein erstes Durchhören macht klar, dass Pandoras Box in jener Liga der grossartigen teutonischen (wenn wir uns schon mit vorchristlichen Zeiten befassen...) Alternativmusikanten problemlos mithalten. ''Ballet of Promises'' vermittelt eine angenehm mystische Spannung. Schmeichelnde Streicher, rhythmisch unkonventionell, gesanglich ansprechend. Im ähnlichen Takt gehts weiter. ''Nothing But the Wind'' überzeugt dank flüssigem Spiel, dezenten Pianoklängen, clever arrangierter Elektronik und wunderbar verzerrter Gitarre. ''Agent of Time'' ist dann sehr friedlich, pianolastig, eine klangliche Verwandtschaft mit Slut kann endgültig bestätigt werden. Die Stücke sind allesamt durchdacht, vielseitig gespielt und angenehm zwischen sphärischem, elektronischem Pop und anständigem Alternativerock ausbalanciert. Entsprechend kommt Langeweile oder ein ''das kenn ich schon''-Gefühl nie auf. Der Titeltrack ''Monomeet'' kommt wiederum insgesamt friedlich daher. Sanfte Elektronik verschmilzt nahtlos mit dezentem Indierock, im Hintergrund eine eigensinnige, in feinster Postrock-Manier gespielte Gitarre.
''A Nervous Smile'' beginnt mit Xylophon (oder einem ähnlich klingenden Schlaginstrument), der Gesang erinnert dann erstmals schwer an Radiohead. Und wo Verwandtschaft mit dieser Überband des Alternative festgestellt werden kann, ist Lob in den meisten Fällen angebracht. Der Song wird clever aufgebaut, gewinnt dank Gitarren-, und Bassläufen zunehmend an Intensität. Ein wunderbares Stück. ''Severn Suzuki'' beginnt eigentlich schon ein Stück zuvor. In ''1910'' liefern schräge Streicher den Beginn eines Ausflugs in Richtung Postrock. Statt Gesang hört man nur vereinzelte, weibliche Sprachfetzen, die von verschiedenen Konflikten dieser Welt berichten (wie 'Weapons', 'Somalia' oder 'Middle East' raus) während die Gitarre zusammen mit beinahe pompösen Streichern für herrlichen Druck sorgt.
Mit ''Monomeet'' liefern Pandoras Box ein wunderbar vielseitiges, intelligentes, ausgereiftes Alternative-Album ab. Glücklicherweise gewinnt dieses mit jedem Durchhören an Stärke und Intensität. Wer Musik nicht nur im Sinne von Hintergrundbeschallung oder Anlass zum Tanz zu verstehen weiss, wird in ''Monomeet'' einen würdigen und herausfordernden Begleiter finden.
Seit 7. Januar 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Agent of time
> Monomeet
> A Nervous Smile
> Severn Suzuki
Diskographie:
> Barriers (2009)
> Monomeet (2011)
ähnliche Künstler:
> Slut
> The Notwist
> Incubus
> Radiohead