Patrick Wolf - The Magic Position |
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| von Rafael Werner am Mittwoch, 2. Mai 2007 in Neuerscheinungen | |
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Genre: Indiepop Label: Polydor CH-Vertrieb: Universal Switzerland Unsere Wertung:
Nicht Karussell fahrenPatrick Wolf ist ein Songwriter der jungen Garde: Ein großes Talent, ein Eigenbrödler, ein seltsamer, ängstlicher und zugleich sehr mutiger, vielseitiger Individualist; wenn man ihn live sieht gar ein ausgeprägtes Unikat. Und doch unterscheidet er sich (wie praktisch alle anderen Songwriter derselben Generation wie beispielsweise Conor Oberst, Sufjan Stevens oder Devendra Banhart es auch tun) deutlich von den unantastbaren Meistern, die wie Dylan oder Cohen bereits in jungen Jahren fast ausschliesslich Klassiker und geniale Songs am Laufband produzieren konnten. Wenn wir zurückblicken, wird die Differenz ersichtlich: Auf „Lycanthropy“ versammelten sich mit dem Sehnsuchtstraum an der englischen Südküste „To The Lighthouse“, dem bedrohlichen und autobiographischen „The Childcatcher“ sowie der Eigendefinierung „A Boy Like Me“ drei wirklich starke Songs. Der Rest war aber allemal atmosphärisch, passend, stimmig, aber nicht mehr als solides Handwerk. „Wind In The Wires“ stellte ein Jahr später bereits mit seinem Opener (dem Übersong „The Libertine“) das bisherige Schaffen Patrick Wolfs in den Schatten und involvierte insgesamt vier bis fünf weitere Hits, wobei diese vorwiegend auf der ersten Hälfte des Albums zu finden waren. Zusammenfassende Kernaussage dieses Quervergleichs soll sein, dass Patrick Wolf bislang als mysteriöses Gesamtkunstwerk (demnach als Künstler) auffiel, aber noch nicht wegen überragendem Songwriting. Dass ihm das Musizieren, Singen und Lieder schreiben aber auch wirklich gegeben ist, dürfte noch bewiesen werden. Auf „The Magic Position“ geht es dann auch gleich zur Sache, als wolle Patrick Wolf jegliche Zweifel seines Könnens verbannen – und das gelingt ihm. Der Start ist so fulminant, fröhlich und frühlingshaft, dass er es tatsächlich ohne Fremdeinwirkungen vollbringt, ein herrlich entwaffnendes Glücksgefühl zu entfachen. „Overture“ ist verspielt und vielversprechend, „The Magic Position“ ist der bis dato klar stärkste Song des jungen Briten. Es ist gar ein derartiger Ausnahmesong geworden, dass man bereits beim ersten Hördurchgang grosse Klassikerqualitäten ausfindig macht und zugleich zwei Ebenen entdeckt. Einerseits die penetrant heitermachende, wahrscheinlich Hormone enthaltende Grundmelodie, die wie ein Slogan das ganze Album überklebt und andererseits der aufsteigende Triumphbogen, der als einfacher, aber umso effektiverer Refrain daherkommt. Auch lyrisch wird motivierend Stimmung gemacht: „And I know how you’ve hurt / Been dragged through the dirt / But come on! / Get back up! / It’s time to live / And as you give your love to me / I’m going to keep it carefully / So deep in the treasure chest / Below my breast”. Zeilen wie diese schrammen oft nur knapp am mittelalterlichen Pathos oder schwulen Kitsch (ein treffendes Prädikat fürs Cover, im Übrigen) vorbei, doch wenn Patrick Wolf das singt, mit seiner klaren, kalten, dandyhaften Stimme, dann klingt das nicht doof, sondern nach der einzig richtigen Möglichkeit. Genauso zwingend wechselt das Album seine Lieder: Vom hellen Liebeskarussell fliegen wir direkt ins karge „Accident & Emergency“, um von da aus ins herzzerreissende Intro „The Bluebell“ zu kippen. Im anschliessenden Hautsong zeigt sich eine weitere, typische Wolf-Qualität, nämlich der präzis aufgezeichnete Aufbau, der jeden Song klein und schüchtern starten lassen könnte, um am Ende stets ein regelrechtes Bouquet abzufeuern. Im Gegensatz dazu wirkt das seltsame Generationenduett (die zweite Männerstimme steuerte keine geringere als Marianne Faithfull bei) unauffällig und inszeniert, es scheint als ob der kleine Bube bei der Grande Dame Schutz suchen würde. Mit ihrer brachialen Stimme (da reichen die wenigen Sätze) verdrängt sie Wolf aus dem Song heraus und der verschupfte Modeindikator taucht erst wieder Mitte des übernächsten Songs auf. Stilistisch und technisch gibt das dem Album ein Konzept und so was wie ein Aufbau, doch wird hier klar, dass solche Dinge dem Freigeist wesentlich weniger zusagen als windige Atmosphäre und jahrmarktähnliche Effekte, was im schönen „Augustine“ sowie im übertriebenen „Get Lost“ bestens zur Geltung kommt. Patrick Wolf hat nach zwei wirklich guten Alben ein sehr gutes hinzugefügt. An manchen Stellen hat er es dieses Mal vielleicht sogar übertrieben, an anderen wiederum verspricht er uns, dass noch mehr in ihm steckt. Viel mehr. Seit 5. April 2007 im Handel. Anspieltipps: Overture; The Magic Position; Bluebells; Augustine; Get Lost Trackliste: 1) Overture; 2) The Magic Position; 3) Accident & Emergency; 4) The Bluebell; 5) Bluebells; 6) Magpie; 7) X; 8) Augustine; 9) Secret Garden; 10) Get Lost; 11) Enchanted; 12) The Stars; 13) Finale similar artists: Final Fantasy > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb Bio: Patrick Wolf (* 30. Juni 1983 als Patrick Abbs in London) ist ein britischer Sänger, Komponist und Multiinstrumentalist. Seine Musik stellt eine Mischung aus Folk und Elektronik dar. Schon frühem Alter kam Patrick Wolf zur Musik. Er lernte Klavier, Violine, Viola, Flöte, in späteren Jahren auch Harfe, Ukulele und Akkordeon zu spielen und begann schon mit 11 Jahren damit, eigene Songs zu schreiben. Zu der Zeit reiste er ausserdem mit einem Jugendorchester durch Europa. Mit 15 Jahren verliess er London und seine Familie, um ein Internat auf dem Land zu besuchen. Er verliess das Internat bereits ein Jahr später und zog in ein leerstehendes Haus im Londoner Vorort Richmond, wo er alleine ein freies, wildes Leben führte, dabei aber stets weiter komponierte und in verschiedenen Bands spielte. Patrick Wolf fand ein britisches Label, das ihn unterstützte, und veröffentlichte 2003, im Alter von 20 Jahren, sein erstes Album „Lycanthropy“, das ein Jahr später unter dem Label Tomlab auch in Europa und Amerika erschien und positive Kritiken erhielt. In dem eher düsteren Album, das eine Verwandlung vom Jungen zum Wolf beschreibt, spielt Patrick Wolf neben dem Gesang auch viele der oben erwähnten Instrumente. Während der Arbeit an Lycanthropy studierte er ein Jahr lang Komposition am renommierten Londoner Trinity College of Music. Als Gastmusiker (Violine) arbeitete er mit Bands wie Chicks on Speed und The Hidden Cameras zusammen. Im Jahr 2005 erschien dann der Nachfolger, „Wind in the Wires“, welches düsterer, erwachsener und weniger elektronisch als sein Vorgänger ist, und ebenfalls sehr gute Kritiken erhielt. Mitte 2006, nach einem Label-Wechsel zur Polydor-Tochter Loog, stellte Patrick Wolf die Aufnahmen zu seinem dritten Album "The Magic Position" fertig, welches in diesem Frühjahr erschien. Die erste Auskopplung daraus ist "Accident & Emergency", Diskographie: > Lycanthropy (2004) > Wind In The Wires (2005) > The Magic Position (2007)
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