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Pearl Jam - Backspacer

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von Michael Messerli am Freitag, 18. September 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Alternative  |  Label: Universal  |  Unsere Wertung: 7.5/10

BackspacerTempo, Tempo
Die Lederschildkröte „Backspacer“ erreichte vor all ihren Artgenossen Australien. Die Daumen gedrückt haben: Pearl Jam. Scheinbar von der Schnelligkeit ihres tierischen Freundes angesteckt, ist in 36 Minuten bereits alles gesagt.

„Oh I'm a lucky man/ To count on both hands the ones I love”. Während andere im Scheinwerferlicht verbrannt sind, stellten sich Pearl Jam daneben und beweisen ihre Relevanz mit dem Umstand, dass es sie noch immer gibt. Und jetzt kommt mit „Backspacer“ ein neues Album, das endgültig einen Strich unter alles macht: Normalität, Spielfreude, Lockerheit. Man hört, fühlt und spürt es. Dafür steht vor allen Dingen die Single „The Fixer“ und das dazugehörige Video. Ein eingängiger, toller Hit und eine Band, welche sich feiern lässt. Es gab Zeiten, da wäre sowas von Pearl Jam undenkbar gewesen. Vedder ist nicht Bono, Matt Cameron nicht Dave Grohl. Daran wird auch „The Fixer“ nichts mehr ändern – und das wissen sie. Zumal Pearl Jam auch auf „Backspacer“ keinen Stadionrock spielen. Aber, und das ist neu: Pop.

„Backspacer“ ist kurz. Sehr kurz. Eine deutliche Reaktion auf die Kritik, viele Platten davor seien zu lang gewesen. Diese Selbstironie erinnert an den Hidden Track von „Binaural“, der in Form von monotonen Schreibmaschinengeräuschen mit Vedders angeblicher Schreibblockade kokettierte. Von dieser kann heute keine Rede sein und eine Schreibmaschine lieferte nun die Metapher für den Albumtitel. Der Cartoonist Tom Tomorrow entwarf dazu das eigenwillige Cover. Optisch streitbar, akustisch die ganz grosse Geste. Pearl Jam haben ein frisches Hitalbum geschrieben und Brendan O’Brien wieder als Produzenten mit ins Boot geholt. Die wirkliche Überraschung kommt aber zum Schluss: Streicher und Waldhörner.

„I Got some if you need it“, ist die erste richtige Kampfansage. Danach heisst es: “When something’s gone/ I wanna fight to get it back again”. Angriffslustig mit der Flucht nach vorne. “Johnny Guitar” überzeugt durch starke Gesangsparts, „Just Breathe“ erinnert durchweg positiv an Vedder’s Solowerk „Into The Wild“. Das Songwriting der Band hat sich erneut gewandelt. „Amongst The Waves“ hat den grossen Refrain, während „Unthought Known“ und „Speed of Sound“ ein neues, poppiges Pearl Jam präsentieren. Bei Letzterem muss man sich aber fragen, ob die intimere Demo-Version, welche man anhand einer kleinen Coverbildchenjagd im Netz freischalten konnte, nicht besser gepasst hätte. Und nach dem starken Retro-Rocker „Force of Nature“ folgt tatsächlich schon „The End“. Ein textlich hervorragender und musikalisch berührender Schlusspunkt. Diese Platte wird die Musikwelt nicht auf den Kopf stellen, Pearl Jam aber neue Türen sowie Herzen öffnen, weil sie es selber auch getan haben. „What were all those dreams we shared those many years ago/ What were all those plans we made, now left beside the road.” Hätten sie keine Träume und Pläne mehr gehabt, dann gäbe es „Backspacer“ nicht. Und wir werden sehen, was dies für ihre Zukunft bedeutet.

Seit  18. September 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label
Pearl Jam
Anspieltipps:
> The Fixer
> Johnny Guitar
> Amongst The Waves

Diskographie:
> Ten (1991)
> Vs. (1993)
> Vitalogy (1994)
> No Code (1996)
> Yield (1998)
> Binaural (2000)
> Riot Act (2002)
> Pearl Jam (2006)
> Backspacer (2009)

Ähnliche Künstler:
> Wintersleep
> Soundgarden
> Alice In Chains
> Nirvana
> Stone Temple Pilots
> The Who
> Neil Young
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