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Pepi Ginsberg - Red

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von Robert Best am Montag, 16. Februar 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Folk  |  Label: Park The Van Records  |  Unsere Wertung: 7.0/10

RedAlles geht auf
Pepi Ginsbergs Debüt-Album „Red“ passt zum neuen goldenen amerikanischen Zeitalter wie die Faust aufs Auge. In einer Nation, die ihren neuen Präsidenten wie den Messias feiert, darf auch die passende Begleitmusik nicht fehlen. Und die kommt nicht nur von den Bruce Springsteens, Bonos und Beyoncés (welche ein paar Jahre vorher mit Destiny’s Child noch für Bush gesungen hatte), sondern vor allem aus den unteren Bezirken der Indie- und New-Folk-Szene.

Pepi Ginsberg ist 24 Jahre alt, eine junge Frau mit hörbarer Abenteuerlust, dem Esprit der frühen Hippiekinder und dem Duktus von Bob Dylan. Auf ihrer Myspace-Seite unterhält sie ein Blog, das ein wahrhaftiges „Internet-Tagebuch“ ist. So wie es die Definition will. Ginsberg schreibt darüber, wie sie die Welt wahrnimmt und sprenkelt alles mit Beobachtungen aus dem Augenwinkel, die wie Polaroids wirken, wie Schnappschüsse: „Ein Mädchen gewann an einem Spielautomaten bei einem Jagdspiel und riss die Arme nach oben. … Da waren zwei Männer in einem schwarzen Acura mit getönten Scheiben, Louis-Vuitton-Gepäck auf dem Rücksitz, und einer trug eine Art schwarzer Lederpeitsche um den Bauch. Und alles war so ruhig“, schreibt sie im Eintrag „Obama-Nation!!!!!!!!!!!!!“. Alles und alle gehen auf im erhebenden Gefühl am Wahltag des Präsidenten, in der Euphorie, die alles rundum in zeitlupenhafte Momente verwandelt. Und im literarischen Flow, der auch Ginsbergs selbstgeschriebene (warum bloss ist das immer erwähnenswert?) Songs auszeichnet. Ein Blick ins Textheft von „Red“ offenbart Ähnliches. Vorherrschend ist der progressive tense: „Walking down the street to St. Markus church”, “I am running on the graces of this pleasure”, “singing no one will be young again” etc., kurz: Dabei sein, Dinge zu tun, ist was zählt. Die “-ing”-Endung stellt ein Vexierbild her, eine Geste mit Idolcharakter, eine Zeit, in der die Zeit gleichsam stehenbleibt und in sich selbst weiterläuft.

Lyrisch steht das alles in der Tradition Joni Mitchells, Allan Ginsbergs und sogar Charles Bukowskis, wenn auch unverbindlichere Töne angeschlagen werden. Auch musikalisch hat „Red“, das von Dr. Dogs Scott McMicken produziert wurde, seine Idole. Wir hören zurückgelehnten Folk, der es sich aber nie so richtig bequem machen kann. Kaum droht sich ein Song in den Schlaf zu schunkeln, nimmt sich ein (bestimmt sehr alter, sehr zahnloser) Pianist oder Blechbläser ein Herz und schwenkt das Ruder in Richtung Honky Tonk oder Blues. Ein Ausreisser auf dem Album macht sich auch los Richtung Garage-Rock, und wir hören Pepi Ginsberg, wie sie Kim Gordon sein will. Vieles aber ist von einer schwerelosen Leichtigkeit, die Lust macht, „Red“ im Auto zu hören, durch die USA zu fahren und sich über Obama zu freuen, wenn das nicht so abgeschmackt wäre. „Red“ ist heute amerikanischer als all die formatierte Chartmusik, die schon keine Ideologie mehr transportiert.

Vielleicht wird Ginsberg, wenn sie einmal ihren ganz eigenen Stil findet, eine riesige Nummer. Bis jetzt aber dominieren ihre Unentschlossenheit, ihr Mangel an eigenem Stil und eine absolut charakteristische, eindringliche Stimme. So sind Songs wie „The Waterline“ entstanden, die genügsam und verliebt vor sich hin mäandern. “Dear Pepi”, schreibt eine Besucherin auf Ginsbergs Myspace-Seite, “’The Waterline’ makes me want to take off my clothes down to my whitey tighties and wear a gold cape and run through the woods laughing and playing the flute...is that what you were doing when you wrote it? I love it!”

Seit  22. April 2008 (CH)/20. Februar 2009 (D) im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace

Anspieltipps:

> The Waterline
> In My Bones

Diskographie:
>  Red (2008)

Ähnliche Künstler:
> Dr. Dog
> Bright Eyes
> Joni Mitchell
> Bob Dylan
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