Ein satter, beruhigender Beat, der mit einem sonoren Wummern durch den Raum schreitet, nervöse elektronische Feinheiten galoppieren zartgliedrig hindurch, wie Sprühregen, der über den Pazifik zieht. Der schwere Grundrhythmus wird direkt in die Blutbahnen injiziert, wirkt betäubend, füllt den Körper auf. Schliesst man die Augen, ist dieses bunte Flimmern zu sehen, als hätte man mitten in die Sonne gestarrt. Zahllose Lichterketten, die im Takt der merkwürdigsten Toneffekte flackern.
Es quietscht, piepst, posaunt, klimpert, scheppert, dröhnt und knistert und passt trotzdem alles in eine Form, wird umhüllt und zusammengehalten von einem einzigen, simplen Beat, der immer weiter, immer vorwärts, immer im Kreis geht. Darüber wird gerappt, geflüstert, irgendwo reingeblasen oder draufgeschlagen und wenn man es sich genau überlegen würde, schiene mancher Effekt lächerlich und unangebracht. Die Magie der Scheibe liegt aber genau darin, dass man sich der Musik einfach ergibt, und in eine Trance versetzt wird, die keine Fragen aufkommen lässt, was ein paar stumpfsinnige UK Garage-Sekunden zwischen Jazz und Funk zu suchen haben oder wie Saxophon, Violine und Rap nach House klingen können. Man nimmt die Musik nicht in sich auf, sondern wird selbst von den hypnotischen Takten, dem harmonischen Chaos aufgesogen. Dabei spielt es keine Rolle, wo man sich befindet, während man von diesem Karnevalsumzug wild durchmischter Effekte mitgezogen wird. Sei es im Zug an einem normalen Arbeitstag, auf dem Dancefloor zwischen hundert anderen Menschen oder in der Nacht im Bett: Pest verstärken keine vorhandene Atmosphäre, sondern kreieren eine eigene, verbreiten sich eben wie jene Seuche, der die Gruppe ihren Namen entliehen hat, über alle Schranken hinweg.
Ein offensichtliches Scheitern des angewandten Konzepts tritt in "Cous Cous" und " Saddlebags" auf. Das Problem ist, dass die Anarchie hier nicht zu einer untrennbaren Masse zusammengefasst wurde, sondern verschiedene Elemente nebeneinander hergehen, was nicht in die Gesamtstimmung des Albums passt. Man sollte daraus aber nicht den Schluss ziehen, dass "All Out Fall Out" in der zweiten Hälfte abbaut. Grundsätzlich ist die Scheibe von Anfang bis Schluss auf dem gleichen Niveau und mit ein wenig Glück ist man schon weggetreten, bevor jene beiden schwächeren Tracks angespielt werden.
Seit 18. Juli 2005 im Handel.
Anspieltipps: Wuju; Donde Pesta; Rumourtism
Trackliste: 1) Delucid; 2) Pat Pong; 3) Click Bitches; 4) Wuju; 5) Downward Steps; 6) Ogres; 7) Try Again; 8) Cous Cous; 9) Rumourtism; 10) Saddlebags; 11) Donde Pesta; 12) Learning Curves
similar artists: Roots Manuva, Colossus, People Under The Stairs, Opus Akoben
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Die Vielfalt der möglichen Kombinationen, die Pest auszeichnet kommt nicht von ungefähr, sondern findet ihren Ursprung in den fünf Bandmitgliedern, die aus unterschiedlichen Zweigen der britischen Musikszene zusammen gefunden haben. Dabei hatten alle der fünf Jungs bereits vor ihrem Zusammenschluss beachtliche künstlerische Erfolge vorzuweisen. Matt Chandler erhielt während seines Studiums eines der seltenen Gibson Guitars-Stipendien am Institute of Performing Arts in Liverpool, während sein Jugendfreund und späterer Mitbegründer von Pest Tom Marriott in London studierte. Dort traf er auf die späteren Bandmember Wayne Urquhart, einen klassischen Cellisten, sowie den Techno-DJ Ben Mallot und den Hip Hop-DJ Josey (aka Pasta).
Zusammen haben sie sich zum Ziel gesetzt, höchst unterschiedliche - manchmal fast widersprüchliche - Elemente miteinander zu verbinden. Was es ist, das sie dabei schaffen, können und wollen sie selbst nicht sagen. Hauptsache es passt.
Diskographie: > Necessary Measures (2003)
> All Out Fall Out (2005)