Aus alternativem Funk-Pop wurde nun endgültig prägnanter, brutaler Poprock. Die Songs sind rauer und kürzer, deutlicher in ihren Strukturen, aber weniger detailliert herausgearbeitet. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern, die bereits jetzt Klassiker sind, ist das neue Album nur halb so gut. Wie alle ihrer Alben ist „It’s Never Been Like That“ wahnsinnig kurz. Doch verstanden es Phoenix, diese Prägnanz früher noch in Perfektion umzusetzen, so ist nun kein einziger Song mehr so zwingend wie einst „Funky Squaredance“, „Too Young“ oder „Everything is Everything“ das waren. Mit „Napoleon Says“ beginnt der Songreigen zwar poppig und präsent, aber der französische Charme und die funkige Verspieltheit waren auch schon ausgeprägter.
Nun, fassen wir zusammen. Die beliebte Live-Band, die bislang makellosen Phoenix, leisten sich auf ihrem neuen Album nicht gravierende Patzer, aber sie spielen einfach nicht mehr in ihrer – selbst aufgestellten – Indiepopliga, sondern springen Trampolin und schauen nur noch ab und zu da vorbei: Wenn „Sometimes In The Fall“ Druck aufbaut, wenn „Long Distance Call“ Autobahnmelancholie entfacht oder wenn „Consolation Prizes“ so beginnt, wie man sich das von Phoenix wünscht. Und wegen solchen Momenten ist auch das widerliche Artwork zu verzeihen. Und wenn ich daran denke, was ihr „Too Young“ in Sofia Coppolas „Lost in Translation“ bewirken konnte, dann wird mir jetzt noch schwindlig. Insofern ist es sehr schade, dass die vier Franzosen nur noch gute Musik machen.
Wenn dann aber eines Tages zwischen Garage-Rock, der lieber im Namen geblieben wäre, und langweiligem Indiegesäusel die Zeilen „I’m far gone, but your long distance call and your capital letters keep me asking for more / It’s never been like that / It’s never been like that“ mit all ihrer Wucht und riesigem Drang auf einem Sampler auftauchen, lieben wir sie trotzdem wieder, die ollen Phoenix.
Seit dem 12. Mai 2006 im Handel.
Anspieltipps: Consolation Prizes; Rally; Long Distance Call; Sometimes In The Fall
Trackliste: 1)Napoleon Says; 2)Consolation Prizes; 3)Rally; 4)Long Distance Call; 5)One Time Two Many; 6)Lost And Found; 7)Courtesy Laughs; 8)North; 9)Sometimes In A Fall; 10)Second To None
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Bio:
Phoenix ist eine Band aus Paris, die tanzbaren Indiepop spielt. Der Bandname Phoenix basiert auf einem Logo, das die Band bei einem Urlaub auf Madagaskar gesehen hat. Da sie dringend einen Namen brauchte, um eine Single auf dem bandeigenen Plattenlabel Ghettoblaster verlegen zu können, damit sie nicht an die Major Label für einen Plattenvertrag gebunden war, kam der Name gerade recht.
Den Kern der Band bilden die beiden Brüder Christian Mazzalai und Laurent Brancowitz. Frontman ist aber Sänger Thomas Mars, am Bass spielt Deck D'Arcy. Im Jahre 2000 wurde das später unter Musikern einflussreiche Album „United“ veröffentlicht, 2004 folgte das Album „Alphabetical“ mit den erfolgreichen Stücken „Everything Is Everything“ und „Run Run Run“. 2005 nahmen sie in Berlin das Album "It's Never Been Like That" auf, das am 12. Mai 2006 erschien.