„Tearing Sky“ zeigt den Globetrotter Piers Faccini als
versierten und stilpluralistischen Singer/Songwriter – was allerdings
nur die halbe Wahrheit ist.
Es gibt Künstler, die deinen Musikgeschmack auf einen Schlag verändern können. So etwas ist auch dem Franzosen Piers Faccini passiert. Die Klänge der amerikanischen Blueslegende Skip James veranlassten ihn nämlich dazu, die elektrische Gitarre an den Nagel zu hängen und sich nunmehr mit akustischen Saiteninstrumenten durchs Leben zu schlagen. Einen marginal bluesigen, manchmal jazzigen Unterton will man Faccini auf „Tearing Sky“ zwar nicht abschreiben, doch sind es eher neuere oder zumindest nicht-bluesige Einflüsse, die auffallen. So erweist sich „Tearing Sky“ als Gang durch die Referenzhölle. Nicht, weil die Referenzen schlecht wären, sondern, weil sie schlicht allgegenwärtig sind. An der Pforte erwartet uns bereits Ben Harper, der im Opener „Each Wave That Breaks“ Backing Vocals beisteuert, sich aber vornehm zurückhält und Faccinis weicher Stimme freien Raum lässt.
Unsereins lässt sich den Musikgeschmack gerne mal verändern, doch brauchen uns bisher getätigte Album-Käufe nicht zu reuen, denn verändern wird „Tearing Sky“ wenig. Erstens, weil es nichts umstürzend Neues zu entdecken gibt und zweitens, weil das Nicht-Neue ziemlich altbacken wirkt. Selbst in den musikalisch stimmigen und fliessenden Momenten bleibt man an mindestens einem Haken hängen. Im Ohr wiederum, bleibt kaum was. Wenn in „Come The Harvest“ Picking und Melodie gemeinsame Sache machen, lässt Faccini den Song im liebestextlichen Überfluss ertrinken: „The space in your eyes is an infinite mile / and I was wondering if you know / of a better way to say „i love you“. Relativierend muss aber auch gesagt sein, dass selten und auch bei Piers Faccini nicht die Texte das entscheidende Problem sind. „Tearing Sky“ ist letztendlich ein unpenetranter Soundtrack zum Wein- oder Kaffeetrinken, was meiner Meinung nach aber ein bisschen zu wenig ist. Ein bisschen viel zu wenig ist. Vielleicht trifft man sich mit dem Album mal auf einen Kaffee. Am meisten freue ich mich dann aber aufs Getränk.
Seit 4. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: Each Wave That Breaks
Trackliste: 1) Each Wave That Breaks; 2) Sharpening Bone; 3) At The Window Of The World; 4) If I; 5) Days Like These; 6) Fire In My Head; 7) Come The Harvest; 8) Midnight Rolling; 9) Talk To Her; 10) Uncover My Eyes; 11) The Taste Of Tears; 12) The Road’s Not Long; 13) Sons And Daughters; 14) Walk Over To You
similar artists: Nick Drake,
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John Butler Trio,
Jack Johnson,
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Bio:
Der gebürtige Engländer Piers Faccini erscheint erstmals 1997 auf dem musikalischen Parkett. In der Londoner Szene gründet er mit Francesca Beard eine Band namens Charley Marlowe. Ihre Kombination aus Spoken Word und Folk erfährt grosse Resonanz und ermöglicht ihnen einen Vertrag mit dem Indie-Label „Slowfoot Records“. Faccini widmet sich nun aber mehr und mehr seinem Soloprojekt. Auf einem französichen Label veröffentlicht er 2004 sein erstes Album „Leave No Trace“, welches von der Presse nicht unentdeckt bleibt und grossen Anklang findet. Umso grösser sind die Erwartungen an sein zweites Werk „Tearing Sky“. Auch seine mittlerweile ausgiebigen Touren quer durch Europa verdeutlichen seine steigende Popularität.