Gewohnt beständig zeigen sich Pinback, die Finessen hört man gar nicht oder mit viel Geduld. Aber sie existieren.
Zwei Flügel bedecken das Gesicht, zwei die Füsse und zwei sind zum Fliegen da. So oder ähnlich tönt es bei Jesaja in der Bibel, als er die ranghöchsten Engel Gottes, die Seraphim, beschreibt. Und genau diese Wesen sind die Titelgestalt des vierten offiziellen Albums aus Pinbacks Hand.
Oberflächlich betrachtet hat sich zum letzten Album eigentlich nur die Jahreszeit geändert, obwohl die neue Platte im Vergleich zu „Abaddon“ dann doch ein bisschen sommerlicher ausgefallen ist. Von Null auf nichts, „From Nothing To Nowhere“, ein rasanter Rocksong, der mit seinen stimmlichen Einwürfen und seinem konstanten Beat ziemlich ungewohnt voll gestopft und trotzdem leicht daherkommt, ein sensationeller Start.
„Good To Sea“ (die altbekannte Doppeldeutigkeit) kommt mit GameBoy-Beat und kuuler Gitarre daher, „How We Breathe“ ist schon fast philosophisch, man geht gleichen Schrittes mit dem Beat durchs Leben, überlegt sich dies und das, und wird dann vom chorartigen Schicksal eh wieder eingeholt. Bis auf „Blue Harvest“ geht dann aber die anfängliche Energie verloren und man versteht den eigentlich lieblichen Seraphim, dem lieber nach Schlafen zumute ist.
Es ist mir alles ein bisschen zu perfekt ausgefallen und es erinnert in seinen (vielen) Wechseln und (zwar grossartigen) Ideen an die letzte The Shins-Veröffentlichung „Wincing The Night Away“.
Die Hooklines und der kantige Gesang von Crow machen zum Beispiel das eigentlich sensationelle „Subbing For Eden“ zu einem weiteren Epos. Das besagte „Blue Harvest“ braucht Aufmerksamkeit und mehrere Durchgänge, wie wohl das gesamte Album, was aber beim derzeitigen Veröffentlichungsturm bei vergleichsweise „nur interessanten“ Alben fast nicht mehr möglich ist.
Zum Schluss wird es, wie der Name „Bouquet“ schon sagt, eine kunterbunter, aber in seiner Vielfältigkeit völlig überladener Reigen der Instrumente; selbst Melodien von vorhergehenden Songs kommen plötzlich wieder zum Vorschein.
Ich gehe zum Anfang zurück und wäre um eine geniale EP aus den ersten vier Songs wesentlich glücklicher gewesen, hätte sogar frohlockt. Jetzt muss man Angst haben, dass sich bei Pinback der Winter ankündigt und der versteinerte Engel sich die Flügel auch vor die Ohren hält, genug hat er ja.
Seit 11. September 2007 im Handel.
Anspieltipps: From Nothing To Nowhere, Barnes, Good To Sea,
Trackliste: 1) From Nothing To Nowhere; 2) Barnes; 3) Good To Sea; 4) How We Breathe; 5) Walters; 6) Subbing For Eden; 7) Devil You Know 8) Blue Harvest; 9) Torch; 10) Bouquet; 11) Off By 50
similar artists: Spoon, The Shins, Built To Spill,
Electrelane
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Bio:
Pinback bestehen seit 1998 hauptsächlich aus dem Multiinstrumentalisten Armistead Burwell Smith IV, genannt Zach, und Rob Crow. Sie stammen aus San Diego, Kalifornien. Seit „Summer In Abaddon“ sind sie bei Touch & Go unter Vertag.