Eine sehr erfreuliche Neuerscheinung gibt’s aus dem Hause Sub Pop zu
vermelden, das sich seit dem Tod von Nirvana ja zunächst in der Krise
befand, seit geraumer Zeit aber wieder mit schöner Zuverlässigkeit
nicht nur alte Heldenposenverweigerer wie Mudhoney, sondern auch neue
Bands in Haufen auf die Strasse schmeisst. Und die klingen nicht selten
sehr anregend nach verblichenem Seattle-Grunge und streng riechendem
80er-Harcore.
Eine davon ist Pissed Jeans, die allein für ihren Namen schon eine Torte ins Gesicht kriegen sollten. Die bereits dritte Scheibe heisst „King Of Jeans“, und ohne jene zu kennen, bin ich sicher, dass sie sich von ihren Vorgängern nicht massgeblich unterscheidet.
Um’s kurz zu machen: „King Of Jeans“ ist super, enthält viel Lärm, der laut aufgedreht natürlich noch lauter ist und dazu einiges an frischen Ideen, wie man Verweigerungshaltungen „heute“ noch rüberbringen kann.
Man lese nur die dankenswerterweise beigelegten – im Bariton des Sängers nämlich zuweilen unverständlichen – Lyrics: „I know there are things going on tonight, but I don’t bother / Only ten minutes across town that’s right, but I don’t bother (…) / No to everything“. Aber kein Song trägt solch eine Parole als Namen, der eben zitierte z.B. heisst doch sehr gespreizt „False Jesii Part 2“, womit wir uns also - wenigstens partiell - im Kunstbereich bewegen.
Dabei kommen Pissed Jeans nicht mal aus New York, sondern aus Allentown, Pennsylvania. Die NY Times ist trotzdem auf sie aufmerksam geworden und berichtete von einem ihrer angeblich sagenumwobenen Gigs, ohne aber - sicher aus (vielleicht vorgetäuschten) Zensurgründen - den Bandnamen erwähnen zu dürfen, was den Artikel nicht nur sehr lesenswert und lustig machte, sondern aufs Neue bewies, dass die tabuisierende Umschreibung der Ursprung und das Ziel allen Journalismus’ ist. Bei Gelegenheit mal googeln.
Noch ein Song macht das „No to everything“ dieser angenehm unsympathisch wirkenden Band hübsch plastisch: In „Spent“ wird ein Beat nach Doom-Metal_Art ins Quälende gezogen, ein Riff so entschleunigt, dass es sich umso langsamer und stumpfer ins Gedächtnis fräst, während mit einer Uncoolness, die Cobain sicher gerne erfunden hätte, „I earned an extra hundred dollars / There’s nothing I wanna buy“, mehr geächzt als gesungen wird.
Grossartig wie der Rest dieses Albums, aber natürlich noch nicht von der gleichen Meisterschaft etwa der Melvins oder Nirvana, aber was nicht ist, das kann ja schon gewesen sein; wie gesagt, die ersten beiden Alben sind mir vollkommen unbekannt. Aber habe ich nach diesem hier noch Lust etwas anderes zu hören? Im Sinne von Pissed Jeans: „I really could become a fan, but I don’t bother.“
Seit 18. August 2009 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Myspace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> R-Rated Movie
> Pleasure Race
> Spent
Diskographie:
> Shallow (Parts Unknown, 2005)
> Hope For Men (Sub Pop, 2007)
> King Of Jeans (Sub Pop, 2009)
Ähnliche Künstler:
> Melvins
> Nirvana
> Flipper
> Black Flag