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Placebo – Meds (2006)

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von Michael Rothen am Mittwoch, 22. März 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Alternative Rock
Label: Virgin Music
CH-Vertrieb: EMI Music
Unsere Wertung:Placebo – Meds (2006)

You Are One Of God’s Mistakes
Placebo – Meds (2006)Nicht so aber „Meds“ – (m)ein Highlight 2006?! Für das Album des Monats März langt’s allemal.

Wenn manch einer „Meds“ nur simpel als Placebos Rückkehr zum Wesentlichen bezeichnet, so halte ich dagegen – entschieden.
Nach zugegebenermassen mehrmaligem Durchhören konkludiere ich jedenfalls, die bisher beste und gleichzeitig alle ihre Vorgänger vereinende Produktion Placebos gehört zu haben. Der Band gelingt ganz offensichtlich das grandiose Kunststück, die erlangte Erfahrung, das vorhandene Können und die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten zu kanalisieren und dadurch ein musikalisches Optimum in Form von 13 Songs – rund 48 Minuten – zu kreieren.
Auf „Meds“ verkörpern Placebo die perfekte Harmonie: Rock-Elektro-Pop-Melancholie-Progressivität-Individualität! Alles was bisher eher partiell und dafür leicht ungleichgewichtet auf den vergangenen Veröffentlichungen zu gegen war, ist für einmal symbiotisch vereint und wohlgemut proportioniert; eine Klasse für sich.
Gleich zu Beginn im Titeltrack „Meds“ – völlig unerwartet, aber gut – erklingt bei Placebo derart noch nie gehörtes Akustikgitarrengeschrammel, kurz darauf Einsatz des Gesangs – Molkos Stimme, unverwechselbar – dann der bezaubernde Frauengesang (Alisson Mosshart) im schief-komisch wunderbaren Refrain „...Baby, Did You Forget To Take Your Meds?“; ich jedenfalls bin soweit ganz Ohr.
„Infra-Red“ führt fort, was der Opener schon brachte: Rock mit zusätzlichen Electronicaverzierungen, die dem Song nur Gutes tun. Ein Stellvertreter des typischen Placebo-Schaffens vergangener Tage.
„Drag“ lässt mich dann erstmals Böses befürchten. Waren die ersten beiden Titel noch richtig gut, so entfaltet sich „Drag“ als ein unnötiges und qualitativ minderwertiges Plagiat ihrer selbst.
Doch der gewagte Schritt in Richtung Nummer vier wird nicht einfach „nur“ belohnt, nein, „Space Monkey“ verkörpert die Steinigung mit Wohlgefühl; Robert Smith (The Cure) dürfte Inspirationsquelle gewesen sein und sich für seine nächsten Taten hier wohlweislich selbst welche holen; fürchterlich schön!!!
Tja und was einmal geht, geht dann auch ein zweites Mal. „Follow The Cops Back Home“ – ein Echospiel mit Xylophon und Hallwandrefrain – hält den Level weiterhin höchst; welch ein Genuss.
„Post Blue“ und „Because I Want You“ sorgen dann für leichte Ab-, nicht aber Unterkühlung, liegen sie qualitativ gewertet zwischen den beiden Startertracks und dem Schlechtesten „Drag“.
Die Bilderbuch-Story „Track Nr. acht bis 13“ ist schnell erzählt: Level allgemein wieder höchst, wobei entzückendes Klavierspiel mit ebensolchem Jammerrefrain („Blind“), die nachdenklich stimmende Monotonie („Pierrot The Clown“), der wunderbare Gesangsevent Stipe vs. Molko in „Broken Promise“, das autobiographische und mich direkt aufsaugende, denn direkt ansprechende „One Of A Kind“ mit effektvollem Pitch-Up-Delay, das wahrhaft verkaterte „In The Cold Light Of Day“ sowie das Abschlussmanifest und Überwerk „Song To Say Goodbye“ Placebo vollends zu Rittern der rockigen Populärmusik schlagen.

Ich bin – abgesehen von der Cover- und Booklet-Graphik und vor allem ausgenommen von Song #3 sowie stellenweise der Songs #6 und #7 – vollauf begeistert, annähernd enthusiastisch; schon bald hysterisch.


Seit 10. März 2006 im Handel.

Anspieltipps: Meds; One Of A Kind; Space Monkey; Follow The Cops Back Home; Song To Say Goodbye
Trackliste: 1) Meds; 2) Infra-Red; 3) Drag; 4) Space Monkey; 5) Follow The Cops Back Home; 6) Post Blue; 7) Because I Want You; 8) Blind; 9) Pierrot the Clown; 10) Broken Promise; 11) One Of A Kind; 12) In The Cold Light Of Day; 13) Song To Say Goodbye
similar artists: ich find’ Placebo besetzen ’ne eigene Nische

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:

Geborener Amerikaner (Brian Molko, Gesang und Gitarre) wächst international u.a. in Libanon, Luxemburg und Liberia auf. Trifft 1994 in der Londoner U-Bahn auf den ihm von der luxemburgischen Schule bekannten Schweden Stefan Olsdal (Bass). Olsdal folgt der Einladung Molkos zu einem seiner Gigs, bei welchen der Sänger/Gitarrist vom heutigen Placebo-Schlagzeuger Steve Hewitt unterstützt wird. Olsdal ist beeindruckt ob des kredenzten Liedguts Molkos und so beschliessen die beiden fortan unter dem Namen Ashtray Heart zusammen zu musizieren. Hewitt ist zu dieser Zeit mehrheitlich mit seiner Hauptband Breed beschäftigt, weshalb er alsbald auch durch Stefans Freund – Robert Schultzenberg – ersetzt wird.
Auf dem Label „Fierce Panda“ – dem Startlabel von z.B. Oasis oder Coldplay – veröffentlichen sie bereits im Oktober 1995 ihre ersten Songs (Split 7“). Kurz darauf erhält die Band einen neuen Deal bei Deceptive Records (u.a. Elastica), wo sie ihre erste komplett eigene Single „Come Home“ veröffentlichen.
In der Folge erhalten Placebo seitens eines begeisterten David Bowies eine Einladung ins Vorprogramm von dessen Tour. Im Juli 1996 erscheint das lang ersehnte Debut des Trios (diesmal auf Hut Recordings), welches in Grossbritannien Goldstatus erlangt und die Single „Nancy Boy“ die Platz vier Chartsplatzierung schafft. Der Erfolg fördert sogleich erste bandinterne Spannungen zu Tage, so dass Drummer Schultzberg im Juli 1997 die Band verlassen muss, was die „Rückkehr“ von Steven Hewitt ermöglicht.
Der Rest ist – wie man so schön zu sagen pflegt – Geschichte und gehört zur Allgemeinbildung.

Placebo
Diskographie:
> Placebo (1996)
> Without You I’m Nothing (1998)
> Black Market Music (2000)
> Sleeping With Ghosts (2003)
> Soulmates Never Die – Live In Paris (2004)
> Once More With Feeling (2004)
> Meds (2006)


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