„Nil Recurring“ können sich alle Porcupine Tree-Fans
getrost kaufen. Einsteigern sei weiterhin das letztjährige „Fear Of A
Blank Planet“-Album als „State Of The Art“ empfohlen.
Die vier Tracks von „Nil Recurring“ sind aufbereitete Überbleibsel der Aufnahmen zum erwähnten Album. Insgesamt ist das Material deutlich instrumentallastiger und weniger songorientiert und damit auch weniger eingängig als der letztjährige Output.
Auf der knapp halbstündigen EP finden sich eine grosse Anzahl guter Ideen, hörenswerte Passagen gibt es zuhauf, dennoch fehlt es insgesamt an der Konsistenz, nicht bloss der EP insgesamt, sondern auch den einzelnen Tracks. Zu viele Ideen verderben den Song, und da Steve Wilson nicht nur als Musiker, sondern auch als Produzent mit fast allen Wassern gewaschen ist, mag die Versuchung etwas gar verlockend gewesen sein, in der Trickkiste zu graben. Bei „Nil Recurring“ ist die Rechnung nicht immer aufgegangen, beispielsweise scheint mir der plötzliche heftige Einsprengel in „Normal“ nach knapp fünf Minuten etwas gar herbeigezaubert oder auch die nach zwei Minuten einsetzende, total hallbeladene Leadgitarre in „Cheating The Polygraph“ schwebt anbindungslos über dem Song und scheint damit sprichwörtlich aus der Luft gegriffen.
Selbstverständlich sind genau solche Wechsel, das Mischen der unterschiedlichsten Sounds und Rhythmen sowie das elaborierte Tüfteln mit Effekten eine der grossen Stärken von Wilson und seinen Mannen. Hier muss man aber mit dem Porcupine Tree-Messband messen, welches man für „Nil Recurring“ bei weitem nicht voll ausziehen muss. Stellenweise ist auch das Hinarbeiten auf einen Kulminationspunkt im Song eher langfädig und vorhersehbar. Die saubere Produktion, die teils recht stumpfen Stacheln des sauberen Schweins und das hochgezüchtete technisch immer perfekte Spiel verhindern bei mir einen einfachen Zugang über das Gefühl zu den Songs. Besonders „What Happens Now“ erinnert mich anfangs eher an chillige Lounge-Electronica als an eine Band – das rockt nicht.
Es soll an dieser Stelle nicht der Eindruck aufkommen, dass „Nil Recurring“ keine Investition wert ist. Alle Fans der Band dürften mit der EP sofort warm werden. Einmal im Regal dürfte die Scheibe aber mehr Staub ansetzen als andere Veröffentlichungen der Band.
Seit 15. Februar 2008 im Handel.
Anspieltipp: Normal
Trackliste: 1) Nil Recurring; 2) Normal; 3) Cheating The Polygraph; 4) What Happens Now
similar artists: Dream Theater, Queensryche, Oceansize, Rush
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Bio:
Die Geschichte der Band geht auf einen Spass von Mastermind Steven Wilson zurück, der unter dem Namen Porcupine Tree eine 70er Jahre Progrock-Band fiktiv auferstehen liess. Die Demos, die in Umlauf gerieten, führten 1991 zu deren Veröffentlichung auf „On The Sunday Of Live“. Nach dem Release von „Voyage 34“, einer 34-minütigen EP bestehend aus einem Song, steigt die Popularität und Steven Wilson beschliesst, eine komplette Band zu formieren.
Das erste „Bandalbum“, bei dem signifikante Einflüsse der neuen Mitglieder Colin Edwards (Bass), Chris Maitland (Schlagzeug) und Richard Barbieri (Keyboards) zu hören sind heisst „Signify“ und erscheint 1996. Es ist deutlich eingängiger und entspricht mehr den Livequalitäten der Band. Der einzige Line-Up-Wechsel der Bandgeschichte betrifft den Schlagzeugerposten - ab 2002 trommelt Gavin Harrison bei den Engländern. „In Absentia“, das erste Album mit ihm, erscheint im gleichen Jahr auf einem Major-Label, nämlich Lava, das zum Warner-Konzern gehört.
In den folgenden Jahren schlagen Porcupine Tree einen härteren Kurs ein und gewinnen mit der Musik wie auch ihren andauernden Touraktivitäten immer mehr Anhänger. 2006 erschien die erste Live DVD der Band, die visuell und hinsichtlich Surround Sound Qualitäts-Massstäbe im Rockbereich setzte. Nach dem „Fear Of A Blank Planet“-Album, welches 2007 veröffentlicht wurde, erscheint nun mit „Nil Recurring“ eine EP mit vier Songs, die nach den Aufnahmesessions zum letzten Album nicht verwertet worden sind. Seit September 2007 via Mailorder der Band erhältlich erscheint die EP nun auf dem kleinen englischen Label Peaceville.