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Portobello - Sinners & Saints

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von Philipp Gautschi am Mittwoch, 16. März 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Alternative/Indierock  |  Label: 11P.M.Records (Auenland Distribution)  |  Unsere Wertung: 6.0/10

Sinner & SaintsDas Ding mit dem Sprechgesang
Die Luzerner/Züricher Band Portobello bringt mit Sinners & Saints ihr drittes Werk seit der Bandgründung anno 2003 heraus.

Erwarten durfte man einiges, wurden mit "Face the Music" und "My Head Is My Pillow Is My Head" bereits zwei Alben mit durchaus guten Alternative/Indiesongs vorgelegt. Mit dem neuen Werk wagt man sich in neue Gefilde – elektronische Klänge unterstützen den Schrammelrock – und begab sich, wie der Albumtitel suggeriert, auf einen heiklen Pfad zwischen Sünde/Verdammung und Heiligsprechung. In der grossen Grundgesamtheit blieb der Stil der Band unverändert. Saubere, teils rhythmisch anspruchsvolle, inhaltlich nicht zwingend bedeutende, in jedem Fall unterhaltsame, kurzweilige Songs. Markus Burris Singstimme ist noch immer sehr nasal und kann entsprechend nölig und nervig rüberkommen. Geschmackssache, mich störts nicht sonderlich.

Andere Fehler wiegen her schwerer. Im Song "Melatonin Please!" - ich wage es kaum auszusprechen – rappt eine Frau (Burni Aman, dem Internet zufolge eine Südafrikanische Rapgöttin) munter mit. Wer sich als Indieband dem Sprechgesang hingibt, steht oft sehr nahe an einem tiefen Abgrund. Eingesessene Alternative-Hörer können meiner Erfahrung nach wenig bis gar nichts mit dieser eigenwilligen Ausdrucksart anfangen, HipHopper hingegen erachten Rapversuche von AlternativerockerInnen als nicht 'real' (ich beherrsche die entsprechende Sprache nicht) bzw. kommen sie mangels Interesse kaum je darauf, so etwas zu hören. In jedem Fall ein harter Schlag, dieser Song. Glücklicherweise wird der Absturz mit "Golden Days" aufgefangen. Nette Ballade. "R U A?" gefällt dank äusserst skurriler Rhytmik und reduziertem Sound sehr gut.

Übrig bleiben vereinzelte sehr schöne Lieder, insbesondere dann, wenn Tempo rausgenommen, Lautstärke zurückgedreht, Emotion beigefügt und an Gesang gespart wird, eine dezente Enttäuschung kann jedoch nicht geleugnet werden. Während die ersten Songs etwas gar stark an die älteren Alben erinnern, mit dem Rap ein Tiefpunkt erreicht wird, gewinnt das Album im Verlauf zunehmend an Qualität. Ein Pfarrer würde wohl ein paar 'Ave Marias' fordern, um einzelne schwerwiegende Sünden vergeben zu können, zur Heiligsprechung genügt dieses Werk jedoch nicht.

Seit 12. November 2010 im Handel. 
 
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace

PortobelloAnspieltipps:
> Golden Days
> Clusterfuck
> R U A?

Diskographie:

> Face the Music (2005)
> My Head Is My Pillow Is My Head (2007)
> Sinners & Saints (2011)
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