Vielleicht war’s auch eine Umkehr, die Prince ans
Ziel geführt hat: “Zurück zu den Wurzeln“ könnte sich Prince auch schon
bei “Musicology“ gedacht haben. Nach den vielen unausgegorenen und
schwerlich hörbaren Experimentalalben in den letzten 10 Jahren findet
Prince nun definitiv zu früheren Grooves zurück. Und das ist doch
eigentlich das, was sich so mancher Hörer gewünscht hat.
Wie immer gibt sich Prince höchst vielfältig, jedes der Stücke klingt
einzigartig: Ob Prince nun funky und housige Tanzflächenmagnete (“Black
Sweat“, “Love“), Modern R’n’B mit gepitchten Vocals (“Incense And
Candles“) oder klassischen Funk-Rock (“Fury“, “Lolita“) präsentiert, es
geht immer auf – zu bemängeln gibt’s selten was und wenn, dann gründet
dies auf rein subjektiven Empfindungen: Die oft eingesetzten grellen
Synthies, die prägnanten Gesangslinien und die zappeligen Drums –
kurzum die kantenreichen Arrangements - mögen den einen oder anderen
nicht allzu nervenstarken Hörer womöglich bald zur Weissglut treiben.
Balsam für die strapazierten Nerven gibt’s in Form der Stücke, bei
denen Prince auf Schrill-Elektronisches verzichtete, so zum Beispiel
bei der ersten Single-Auskopplung “Te Amo Corazón“. Flöte, Trompete und
Streicher versüssen diese unerhört schöne und federleichte
Latin-Ballade. Zugegeben, ganz frei von Kitsch ist das nicht und
trotzdem zu schön, als dass man sich deswegen auch nur eine Sekunde
stören könnte. Bei der gnadenlos mitreissenden Funk-Bombe “Get On The
Boat“ und beim Soul-Schmankerl “Satisfied“ wurde ebenfalls auf
prägnante elektronische Elemente verzichtet - die Tracks sind
absolut gelungen und dürfen zu den zahlreichen Highlights gezählt
werden. Der Rezensent zumindest findet, dass Prince in diesen Songs
noch mal weit stärker ist als in minimalistischen Elektro-Funk-Krachern
wie der zweiten Singleauskopplung “Black Sweat“ – aber ob das nun auch
wirklich so oder ob das schlussendlich doch wie immer eh alles nur
Geschmackssache ist, sei dahingestellt und der Beurteilung des
einzelnen Hörers überlassen. Auch ob “3121“ an Jahrzehnte alte
Grosstaten wie “Sign “O“ the Times“ heranreicht (- oder nur knapp
nicht), mag man für sich selbst beurteilen. Wichtig ist nur, dass das
auf “3121“ Gebotene unbestreitbar gut ist … und der geneigte Leser sich
dieses Abenteuer nicht entgehen lässt.
Seit 20. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Te Amo Corazón; Black Sweat; Fury; Get On The Boat
Trackliste: 1) 3121; 2) Lolita; 3) Te Amo Corazón; 4) Black
Sweat; 5) Incense And Candles; 6) Love; 7) Satisfied; 8) Fury; 9) The
Word; 10) Beautiful, Loved & Blessed; 11) The Dance; 12) Get On The
Boat
similar Artists: George Clinton, Lenny Kravitz, Bootsy Collins, Michael Jackson und unzählige andere
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Bio:
Zählt man heute die noch aktiven Superstars in der Musik auf, wird man
sie wahrscheinlich an einer Hand abzählen können, aber klar ist: Prince
Roger Nelson ist immer dabei. Das 1958 in Minneapolis(, Minnesota)
geborene Multitalent gilt als eine der grössten und wichtigsten Figuren
in der Black Music. Seinen Bekanntheitsgrad verdankt Prince sicher vor
allem seinem Fleiss und der Tatsache, mit unglaublich viel Talent
gesegnet zu sein … aber auch seinem aussergewöhnlichen Auftreten. Vor
allem in jungen Jahren noch, zu Zeiten seiner grössten Erfolge, war
Prince aufgrund seiner Laszivität und Hemmungslosigkeit
berühmt-berüchtigt. Schon mit seinem zweiten Album “Prince“ erzielte er
Verkaufserfolge in Millionenhöhe, bei seinen bis dato vermutlich besten
Alben “1999“ und besonders “Purple Rain“ steigerten sich die
Verkaufszahlen ins Sagenhafte. Solche extremen kommerzielle Höhenflüge
konnte Prince nicht mehr wiederholen, aber in qualitativer und
kommerzieller Hinsicht hielt sich Prince in den 80er-Jahren auf einem
äusserst hohen Level.
Im darauf folgenden Jahrzehnt entschied sich Prince dazu, sich einen
anderen Künstlernamen zuzulegen – sehr zum Missfallen seines Labels.
Nun als “Symbol“ (eigentlich war sein Name so gar nicht aussprechbar,
sein neuer Künstlername stellte schlicht das sogenannte “Love-Symbol“
dar) Alben zu veröffentlichen war eine erste Aktion in einem für ihn
äusserst turbulenten Jahrzehnt. Nachvollziehbarerweise folgten darauf
ernsthafte Probleme mit seiner Plattenfirma, an die er aufgrund eines
Vertrags noch für einige weitere Alben gebunden war. In dieser
schwierigen Phase veröffentlichte Prince auch als TAFKAP (The Artist
Formerly Known As Prince) weitere Alben, um den Vertrag zu erfüllen.
Erst mit dem 2001er-Werk “ The Rainbow Children“ kehrte Prince Roger
Nelson zu seinem anfänglichen Namen zurück und veröffentlicht nun in
etwas grösseren Abständen neue Alben. Mit “3121“ besinnt sich Prince
nun definitiv auf eine Rückkehr zu den Grooves seiner früheren Zeit.
Einzelne Tracks hat der Multiinstrumentalist alleine aufgenommen, bei
anderen erfährt er Unterstützung durch grossartige Musiker wie Maceo
Parker oder der R’n’B-Sängerin Tamar, welche zudem auch Princes neuster
Schützling ist.
Diskographie:
> For You (1978)
> Prince (1979)
> Dirty Mind (1980)
> Controversy (1981)
> 1999 (1982)
> Purple Rain (1984)
> Around the World in a Day (1985)
> Parade (1986)
> Sign 'O' The Times (1987)
> Lovesexy (1988)
> Batman (1989)
> Graffiti Bridge (1990)
> Diamonds and Pearls (1991)
> The Love Symbol Album (1992)
> Come (1994)
> The Gold Experience (1995)
> Chaos And Disorder (1996)
> Emancipation (1996)
> New Power Soul (1998)
> Rave Un2 The Joy Fantastic (1999)
> The Rainbow Children (2001)
> N.E.W.S. (2002)
> Musicology (2004)
> 3121 (2006)