Carfahreranekdoten sind meist scheisse. (Etwa so
scheisse wie dieses Vorurteil hier und etwa so scheisse wie diese
Einleitung.) Folgende Geschichte macht da keine Ausnahme: Es ist
diejenige vom Typen, der quasi dreimal gestorben ist. Irgendwo in
Spanien ist einer im Meer am Baden und denkt sich nichts Böses. Ein
Löschflugzeug ist im Anflug und füllt den Tank mit Meerwasser. Der Mann
ertrinkt darin. Traurige Geschichte. Aber Sterben kann man offenbar,
auch wenn man bereits tot ist. Beim Wasserlassen des Flugzeugs stürzt
der arme Kerl auch noch zu Tode. Als ob das nicht schon genug wäre,
wird er auch noch im brennenden Wald gegrillt. Glücklicherweise war der
gute Busfahrer ein nicht besonders redseliger Zeitgenosse, so dass der
Reisegemeinschaft weitere Geschmacklosigkeiten erspart blieben.
Zusammenhang wie Vorhang? Fast, aber nicht ganz. Immer wenn das
Wort „quasi“ fällt, muss ich an den Busfahrer denken, welchem für immer
der Spitznamen „der quasi“ anhaften wird. Es ist also glücklicherweise
nicht so, dass man beim Hören von Quasis „When the Going Gets Dark“
drei Mal abkratzen muss. Zu tief sollte man jetzt aber nicht
durchatmen, denn das Album ist irgendwie bizarr, obskur und eben schon
auch ein bisschen „tötelig“. Vieles ist in Schräglage, wie man das von
den klassischen Indie-Schrammlern halt so kennt. Basislegend sind die
wahnwitzigen Pianolinien, die sich dem Tonleiterli-Spiel verschreiben
oder bei „The Rhino“ den Boogie-Woogie aus der Versenkung befreien und
ihn indie-tauglich machen. Oft vorhandene Harmonien werden durch die
holpernden, polternden und stolpernden Drums und Pianos teilweise bis
zur Unkenntlichkeit entstellt.
Quasi sind sozusagen ein Duo. Auf Platte werden Gesang, Piano und
Schlagzeug mit Gitarren-Solo-Einlagen ergänzt, die übrigens auch
ziemlich kakophon anmuten. Alles andere wäre aber auch einer
Überraschung gleichgekommen. „When The Going Gets Dark“ ist eigentlich
eine tolle Sache, nur fällt es mir schwer, diese Platte ins Herz zu
schliessen. Sie ist, jedenfalls mir, irgendwie unsympathisch. Doch
vielleicht will sie gerade das sein. Quasi sind der feuchte Traum eines
jeden Indie-Fans, habe ich mir in einer Presse-Info sagen lassen. Kann
sein.
Seit 17. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: The Rhino; Death Culture Blues
Trackliste: 1) Alice The Goon; 2) The Rhino; 3) When The Going
Gets Dark; 4) I Don’t Know You Anymore; 5) Peace And Love; 6) Beyond
The Sky; 7) Presto Change-o; 8) Poverty Sucks; 9) Merry X-Mas; 10)
Death Culture Blues; 11) Invisible Star
similar artists: Built To Spill, Pavement, Guided By Voices, Wolf Parade
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Bio:
Das Line-Up von Quasi besteht aus Janet Weiss (Schlagzeug, Vocals,
Tasten) und Sam Coomes (Gesang, Gitarre, Tasten). Die Band aus Portland
veröffentlicht im Jahre 1996 ihren ersten Longplayer mit dem treffenden
Titel „Early Recordings“. Vor allem „Featuring Birds“ aus dem Jahre
1998 wird in Independent-Kreisen mit viel Beifall bedacht. Während
Coomes zwischenzeitlich Bassist von Elliott Smith ist, bedient Janet
Weiss hauptamtlich das Schlagwerk bei Sleater-Kinney.
Diskographie:
> Early Recordings (1996)
> R&B Transmogrification (1997)
> Featuring ‚Birds’ (1998)
> Field Studies (1999)
> The Sword Of God (2001)
> Hot Shit! (2003)
> When The Going Gets Dark (2006)