Quis Sound ist etwas für Freunde der Melvins und Menschen,
die sich zur Abkühlung statt mit dem eleganten Fächer Luft zuwedeln
lieber ein rohes Schnitzel auf die Backe klatschen.
Vom letzten Gebrauch war mein Verstärker noch auf „sehr laut“ eingestellt, als ich nichts ahnend die Cd von Qui in den Schacht schob. Der Vergleich in der Einleitung mag einen Eindruck vom Erlebnis vermitteln.
Schlagzeug und Gitarre. Mehr haben Qui nicht – mehr brauchen Qui nicht. Den Gesangspart haben Matt und Paul seit ihrer Gründung vor mehr als sechs Jahren untereinander aufgeteilt. Seit letztem Jahr ist David Yow, der sich bereits mit den anfangs der neunziger Jahre aktiven Jesus Lizard und der Folgeband Scratch Acid Fame einen Namen gemacht hat, hauptamtlicher Sänger. Die Reduktion auf Gitarre und Schlagzeug bringt eine Direktheit mit sich, der man sich unmöglich entziehen kann und David Yow mit seiner stimmlichen Darbietung, welche mit der Bezeichnung Gesang nur unzulänglich charakterisiert ist, ergänzt die Band in seiner expressiven Art hervorragend.
Der Opener „Apartment“ überrascht nach einem lauten Einstieg mit einem abgedämpften Gitarrenriff, Dynamiksprüngen und interessanter Rhythmik. David singt ungewohnt klar, melodisch und gemässigt.
„Gash“ erinnert entfernt an die leider verblichenen Death From Above 1979: Eindringlicher Gitarrenlauf zu Beginn, dann ein markantes Riff mit mitreissend groovendem Drumming und zum Ende hin wird nochmals härter aufs Gaspedal gedrückt.
Beim Riffing von „Freeze“ fällt mir als Vergleich eine kaputtere Version eines schrägen Queens Of The Stone Age-Tracks ein.
Immer wieder schickt Matt Cronk seine Gitarre auf die Gratwanderung von „verschrobenem Riffing“ nach „ausser Rand und Band geratendem Noise Rock“. Das wuchtige Drumming begleitet mal treibend, dann wieder dezent im Hintergrund. Stellenweise kriegt man den Eindruck, die Songs fallen jeden Moment auseinander, wirken wie ein Jam kurz vor dem Absterben. Ok – nicht ganz. Viel zu clever ist das alles gemacht, viel zu treffsicher die unorthodoxen Arrangements.
„New Orleans“ und „A #1“ sind eher langsam und heavy, bestechen durch mehrstimmigen Gesang kombiniert mit instrumentaler Zurückhaltung und erinnern einmal mehr an die Melvins. Dieser Vergleich funktioniert sowohl für die Musik wie auch die Narrenfreiheit, mit der Qui an die Sache herangehen. Die musikalische Ernsthaftigkeit wird trotz allen Auswüchsen mit den gelungenen und eigenwilligen, aber respektvollen Versionen von Frank Zappas „Willie The Pimp“ und Pink Floyds „Echos“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Mit „Love’s Miracle“ haben Qui ein Hörabenteuer kreiert, das sich für Leute mit einem Faible für Unkonventionelles und Noisiges auch zu einem echten Hörvergnügen mausern kann. Wer Gitarren lieber zart besaitet mag, ist besser damit beraten, sich weiterhin Luft zuzufächeln, denn Qui haben Fleisch am Knochen. 3.5 Punkte.
Seit 11. September 2007 im Handel.
Anspieltipps: Apartment; Gash; Echos
Trackliste: 1) Apartment; 2) Today, Gestation; 3) Gash; 4) Freeze; 5) New Orleans; 6) A #1; 7) Willie The Pimp; 8) Belt; 9) Echos
similar artists: Melvins
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Bio:
Qui stammen aus Los Angeles und wurden im Jahr 2000 als Duo gegründet. Paul Christensen (Schlagzeug, Gesang) und Matt Cronk (Gitarre, Gesang) veröffentlichten 2003 das Debutalbum „Baby Kisses“. Mit ihrem unkonventionellen Sound schafften sie es bis anhin nie, über einen gewissen Insider- und Kultstatus hinaus zu kommen.
David Yow (Ex-Jesus Lizard) wurde 2006 als Gastsänger angefragt. Die Kooperation war dermassen fruchtbar, dass zuerst eine Single auf dem Label Infrasonic Sound Recordings erschien und die in der Folge zum Trio gewachsene Band einen Deal bei Ipecac Recordings unterschrieb. Auf diesem Label, wo unlängst Ex Bandgefährte Duane Denison (ebenfalls Jesus Lizard) mit Tomahawk ein neues Album veröffentlichte, sind Qui am rechten Ort gelandet, um mit ihrer rohen, noisigen Mischung aus wuchtigen Drums, kratzigen Gitarren und psychotischen Vocals das geneigte Publikum zu erreichen.
Ende 2007 steht die erste Europatournee auf dem Programm, welche die Band auch in die Schweiz führen soll.