Quiet Village liefern den Soundtrack zum sommerlichen
Kopfkino und das interessanteste Chillout/Downbeat-Album seit einiger
Zeit. Die beiden Briten haben tief gegraben, Fundstücke aller Art
re-editiert und dadurch Neues entstehen lassen.
Wird das eröffnende “Victoria's Secret“ mit Worten beschrieben, dürfte eher ermüdende Wiederholung denn Effektivität erwartet werden: Wir hören, wie der Wind die Wasser des Meeres an die Brandung stösst, die gereihten Schreie der Möwen aus der Ferne erklingen und irgendwo eine Oboe von sehnsüchtigen Streichern in den Himmel gehoben wird. Sanftes Schlagzeugspiel gesellt sich dazu und eine tiefe Frauenstimme stösst wohlige Vokale aus. Das hat allerdings nur wenig mit der üblichen Chill-Out-Kost zu tun, viel mehr ist das hinreissend schöne Tagträumerei in Klangform, weit weg vom Hier und Jetzt. Und vor allem auch eine Hommage an die Schönheit italienischer B-Film-Soundtracks aus den 60er-Jahren. Ein solcher dürfte auch für den Entstehungsprozess des betörenden “Broken Promises“ die Grundlage dargestellt haben.
Alles auf “Silent Movie“ war schon mal zu hören. Selten sind die Samplequellen so offensichtlich wie etwa in “Utopia“, wo Andreas Vollenweiders modifizierte Harfe aus “Steam Forest“ erklingt oder der Mash-Up aus Alan-Parsons-Project-Titeln in “Pillow Talk“.
Meist ist dieser “Silent Movie“ so geschickt und erfrischend inszeniert, dass das Wissen um den Ursprung dieser Klänge überhaupt nicht negativ wirkt – im Gegenteil. Die ersten sechs Stücke sind alle von einer sommerlichen Wärme gezeichnet, erfrischend und entspannend, und wirken wie aus einem Guss, trotz stilistischer Vielfalt.
Eines dieser Stücke ist das herausragende “Circus of Horror“, das mit treibendem Gitarren-Riff erst an die Schifrin'sche Untermalung zu einer Verfolgungsjagd aus einem Streifen wie “Bullitt“ erinnert, aber durch den Einsatz undefinierbarer Klänge zusehends in weitläufige Psychedelica-Gefilde abhebt. “Too High Too Move“ ist von balearischem Geist durchtränkt und begeistert in den letzten Momenten mit jazzigem Anschlag. Die groovige Bassline im reggaelastigen “Pacific Rhythm“ wurde charmant von Sly&The Family Stone geklaut, die Melodien und Instrumente wie Streicher und Vocoder sind schwer vom vor Jahrzehnten stattgefundenen Discobesuch inspiriert.
Später verzetteln sich die beiden Briten etwas, der Schwerpunkt wird auf Library Music und 70er-Acid-Rock gelegt, was einen eher angestaubten Klangcharakter mit sich bringt. Atmosphärisch, aber nichtssagend blieb auch das loungige “Singing Sand“.
Trotzdem ist bei allen Titeln genaues Hinhören lohnenswert, auch wenn die gesamte Klangkulisse erst zum Einsatz als leise Hintergrundbeschallung verleiten mag.
In der zweiten Hälfte zieht sich “Silent Movie“ stellenweise etwas hin, aber die ersten sechs Höhepunkte sind definitiv dreieinhalb Sternchen wert.
Ab 28. April 2008 im Handel.
Anspieltipps: Victoria's Secret, Circus of Horror
Trackliste: 1) Victoria's Secret ; 2) Circus of Horror; 3) Free Rider; 4) Too High To Move ; 5) Pacific Rhythm; 6) Broken Promises; 7) Pillow Talk; 8) Can't Be Beat; 9) Gold Rush; 10) Singing Sand; 11) Utopia; 12) Keep On Rolling
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Bio:
Joel Martin und Matt Edwards sind zwei britische Musiksammler und -Produzenten, die schon vor drei Jahren als Quiet Village Project ihren ersten gemeinsamen Song veröffentlichten – zwei weitere folgten 2006, alle allerdings strikt auf 500 Kopien limitiert. Diese Songs sind nun auf dem Debüt “Silent Movie“ ebenfalls vertreten. Vor diesem Debüt haben sich die beiden vor allem als Remixer (sehr gut: Cosmo Vitellis “Delayer“) und DJ's einen Namen gemacht. Apropos Namen: den haben sich Quiet Village Musik wie ihre Musik ebenfalls geborgt: Hier stand die Komposition von Lex Baxter Pate, deren Interpretation durch Martin Denny als einer der grössten Klassiker im in den 50ern extrem populären Exotica/Lounge-Genre gilt.