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Radiohead - The King of Limbs

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von Michael Messerli am Montag, 21. Februar 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Electro, Avantgarde |  Label: XL (Musikvertrieb) |  Unsere Wertung: 7.0/10

Don’t blow your mind with: Why?
„The King of Limbs“ ist mit acht Stücken das bisher kürzeste Radiohead-Album. Ist es aber auch das unspektakulärste?

Ab wann ist ein Album ein Album? Ist das Album tot? Was ist ein Album wert? Und: Ist „The King of Limbs“ mehr B-Seiten-Sammlung als Album? Für alle Skeptiker, Kultur-Pessimisten und Freunde des Schnellschusses: Man höre sich den Song „Codex“ an und begreife, dass wohl fast jede Band auf dieser Welt für eine solche Komposition töten würde. Ein Song aber macht kein Album. Acht Songs vielleicht auch nicht. Seltsam kurz ist „The King of Limbs“ – und in Zeiten, wo viele Bands ihre Platten überladen, Lücken füllen und die eigene Qualitätssicherung kurzfristig aushebeln, wünschte man sich paradoxerweise mehr. Mehr von dieser Band, welche als eine der wichtigsten aller Zeiten bezeichnet werden kann. Aber: „OK Computer“ löste zu Beginn auch nicht bei jedem das grosse Staunen aus. Also Obacht, könnte man meinen. Für einen Meilenstein fehlt „The King of Limbs“ aber etwas: das Neue. Für dies waren Radiohead stets besorgt – und wenn nicht, so wie auf „Hail to the Thief“, packten sie alles bisherige mehrfach hinein. Das klappte damals nicht, trotz Wahnsinnsliedern wie „There There“. Diesmal packen sie alles einmalig rein. Das klappt zwar, stopft aber die hungrigen Mäuler nicht. Immerhin sind da das fantastische, todtraurige und alles überragende „Codex“ sowie das träumerische „Separator“: „It's like I'm falling out of bed/ From a long, weary dream“. So fühlt sich „The King of Limbs“ tatsächlich an.

Denn der Rest lässt einen anfangs ratlos, jedoch nicht verstört zurück. Immer gemessen an der irrsinnigen Qualität natürlich, welche diese Musik immer hatte – und nach wie vor hat. Hinein interpretieren möchte man vieles. Fernab von allen Nebengeräuschen aber muss ein Album für sich alleine funktionieren. „In Rainbows“ schaffte dies hervorragend. Es ist ein Meisterwerk, das damals über den Nebengeräuschen stand. Erwartet man einfach zu viel? Die Zeit wird Fragen beantworten, die man so kurz nach dem Release nur wage angehen kann. Für den Moment aber hängt „The King of Limbs“ in der Schwebe, besonders gut beobachtbar während „Lotus Flower“ oder „Give Up the Ghost“, und hat wenig fassbare Höhepunkte. Musik, die einen auf einer ganz anderen Ebene berührt, die sich vielleicht sogar unterbewusst abspielt. Dies, mit all seinen Zwischentönen, schafft nur eine Band wie Radiohead dermassen exzellent. So jammert man also auf hohem Niveau und hofft, dass Zeit und das Unterbewusstsein geduldiger sind als manch ein Ich. Und Zeit bleibt bis zum Jahresende glücklicherweise genug.

Seit 18. Februar 2011 auf www.thekingoflimbs.com und ab 25. März 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Radiohead
Anspieltipps:
> Codex
> Separator
> Lotus Flower
 
Diskographie:

> Pablo Honey (1993)
> The Bends (1995)
> OK Computer (1997)
> Kid A (2000)
> Amnesiac (2001)
> Hail to the Thief (2003)
> In Rainbows (2007)
> The King of Limbs (2011)

Ähnliche Künstler: 
> Thom Yorke
> Jonny Greenwood
> Portishead
» 3 Kommentare
1Kommentar
am Montag, 21. Februar 2011 12:54von nico
für mich eher \\\"it\\\'s like I\\\'m falling into bed, with a long, weary dream.\\\" gerade von der rhythmik her ein starkes werk. bassläufe wie drums lassen meine kinnlade ins bodenlose fallen.
2"King"
am Montag, 21. Februar 2011 18:47von Lory Roebuck
Hervorragend geschriebene Kritik. Ich bin mit der Wertung nicht ganz einverstanden, aber deine Zeilen bringen die Platte genauso präzise auf den Punkt wie Radiohead ihr neues Werk.
3Kommentar
am Montag, 21. Februar 2011 19:39von Nüssöi
Yep 
 
der tanzende Thom Yorke wird aber im Gedächtnis bleiben....
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