Ohne Einführung, dafür hölzern: Das neue Doppelwerk der Red Hot Chili Peppers mühsamt mich streckenweise dermassen an, dass ich den beiden Silberlingen beinahe die Chance auf Wachstum durch Wiederhören verwehrt hätte.
Alle priesen sie ein kräftiges „Back To The Roots“ in der geschmacksfaden Prä-Release-Gerüchteküche. Geerntet darf dann kaum das werden, was promotionstechnisch gesät wurde. Der Einzug mutagenen Saatguts ist Fakt!
Wenn ich hier S Ü D S T A A T E N R O C K buchstabiere, ist das tragische Realität – wenn auch reale Tragik hinkommen würde. Wenn ich laut denkend vor mich hin sinniere und zum Schluss komme, dass die Hendrix-Reinkarnation bzgl. Gitarrenspiel – mein sehr verehrter John Frusciante – die Red Hot Chili Peppers besser wieder verlassen sollt – nachdem ich einer der lautest Jubilierenden nach Bekanntgabe seines Wiedereinstiegs war – ist dies zwar eine grobe Anmassung meinerseits und doch auch ein praktisch pragmatischer Weg zur Erhaltung wertvoller (Musik)Substanz durch Einleitung der Bandauflösung.
Alles was heute so klingen soll, wie es bei oder vor „Blood Sugar Sex Magik“ tat, darf gelinde ausgedrückt als aufgewärmt und im Sitzen eingespielt tituliert werden. Die Sounds, die Agilität, das Rohe und der unverkennbare Trieb, ich spür’s und find’s ganz einfach nicht mehr. „By The Way“ und „Californication“ aufsummiert – wobei „By The Way“ leider eine höhere Gewichtung erfährt – und anschliessend durch zwei dividiert, gezwungen ausgedehnt auf zwei sinnentleert (?) „Jupiter“ und „Mars“ titulierte Silberfischen in rund machen mich schmerzvoll den Rückenzukehren einer Band, die ich mal verehrte und begehrte. Aktuell ist da Gefühlsleere, nicht viel mehr als technisches Können über nett produziertem Soundgewand, mit befohlenen Eunuchen-Gesangmelodien an die Adresse von Anthony Kiedis, der da viel mehr muss und nicht wirklich kann, so dass man inständig darauf hofft, dass er endlich wieder das tut, was er einst perfektionierte: Stakkato-Sprechgesang.
Weder helfen die Synths, noch helfen die Trompeten; schon gar nicht die Frusciante’schen Falsett-Chöre, einfach gar nichts.
Wenigstens berichten einige Konzert-Reviews von positiv dynamischen Konzerten, doch ich habe grössten Respekt davor, den Kiedis diese Lieder Live singen hören zu müssen. Es grenzte an ein Wunder, wenn er es könnte. Die jüngste Vergangenheit spricht andere Erinnerungen (Remember „Californiacation“ Live?).
Resumierend: Verdammt was tightes Zusammenspiel, leicht laue, zu geschliffene Produktion, nölende Gesänge und haufenweise gesichtslose Liedchen.
Ganz zum Schlusse drei kurze Zitate, wie sie treffender nicht sein könnten:
1.„...Declaring A „Party On Your Pussy“ While Wearing Socks On Their Cocks, This Ain’T…” (NME.COM, Tim Chester)
2.“…doch das neue Werk markiert eine wenig zufrieden stellende Stagnation einer Band, die sicherlich mal wichtig und wegweisend war...” (Tiscali.de)
3.„...If You Condensed „Stadium Arcadium“ Down To Ten Tracks, You’d Be Left With Something Special – That’s What MP3- Players Were Made For…” (NME.COM, Tim Chester)
Darf man so was über RHCP sagen?
Nein, man muss!
Seit 5. Mai 2006 im Handel.
Anspieltipps: Tell Me Baby, Animal Bar, So Much I, Hump De Bump, She’s Only 18
Trackliste:
JUPITER: 1) Dani California; 2) Snow ((Hey Oh)); 3) Charlie; 4) Stadium Arcadium; 5) Hump De Bump; 6) She’s Only 18; 7) Slow Cheetah; 8) Torture Me; 9) Strip My Mind; 10) Especially In Michigan; 11) Warlocks; 12) C’Mon Girl; 13) Wet Sand; 14) Hey
MARS: 1) Desecration Smile; 2) Tell Me Baby; 3) Hard To Concentrate; 4) 21st Century; 5) She Looks To Me; 6) Readymade; 7) If; 8) Make You Feel Better; 9) Animal Bar; 10) So Much I; 11) Storm In A Teacup; 12) We Belive; 13) Turn It Again; 14) Death Of A Martian
similar artists: eigen sind sie auf alle Fälle
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Bio:
1983 gründen die drei Schulfreunde Hillel Slovak (G), Jack Irons (Dr) und Michael „Flea“ Balzary (B) die Tony Flow And The Miraculously Majestetic Masters Of Mayhems. Durch Überzeugungsarbeit bringt man schliesslich Anthony Kiedis ans Mikrophon. Bereits nach wenigen Gigs mutieren die Mayhems zu den heute bekannten Red Hot Chili Peppers – die Band mit dem faszinierenden Mix aus Rap, Funk, Rock sowie abstrusen Bühnenshows und Outfits (Socken am Gehänge). Das Debütalbum „Red Hot Chili Peppers“ – produziert von Andy Gill (Gang Of Four) – wird bereits 1984 veröffentlicht, wobei Slovak und Irons zu dieser Zeit nicht mit von der Partie sind. Für die anstehende Tour kehrt wenigstens Slovak wieder zu RHCP zurück und mit ihm halten die harten Drogen den Einzug. Das 85er Album „Freaky Styley“ – produziert von der Funk-Legend George Clinton – bringt die Peppers erstmals nach Europa, wobei die EU-Verkäufe gesamthaft gesehen eher gering sind.
Mit „The Uplift Mofo Party Plan“ erscheint jedoch in 1987 das Album, welches alleine die Gesamtauflage der beiden Vorgänger zu toppen weiss. Zeitgleich mit dem sich ankündigenden Erfolg geraten RHCP in eine ernste Krise. Der Drogenkonsum von Slovak ist unterdessen dermassen enorm, dass dieser zeitweise ganze Stücke verhaut. Nach dessen tragischem Heroin-Tod in 1988 verlässt Irons die Band, um die verbliebenen Bandmates der Mitverantwortung an Slovaks Ende zu bezichtigen.
Flea und Kiedis wollen zum Gedenken an ihren verlorenen Freund unbedingt weitermachen. Der damals 18-jährige John Frusciante (G) erweist sich als überaus talentiert und wie wir heute wissen als noch viel mehr. Chad Smith überzeugt die Band beim Vorspielen mit einem Monstergroove, welchen er zusätzlich mit obszönem Gebrüll unterlegt. Mit „Mothers Milk“ erscheint in 1989 das erste Gold-Album der Band. Ihren Meilenstein schickt sie 1991 in Form des Megasellers „Blood Sugar Sex Magik“ in die weite Welt hinaus (Produzent Rick Rubin). Mit dem erneuten Erfolgsschub beginnt’s zu kriseln. Frusciante – den Drogen nicht abgeneigt – verlässt die Peppers inmitten der Blood Sugar Sex Magik-Asien-Tour in 1992.
Darauffolgend werden Gitarristen en masse verbraten. Erst 1994 scheint ein adäquater Ersatz gefunden: Dave Navarro (Ex-Jane’s Addiction).
Navarro bringt nicht nur sein ebenso begnadetes Gitarrenhandwerk, sondern auch sein Faible für Rock – gepaart mit kreischendem Wha-Wha-Pedal – in die RHCP-Musik ein. „One Hot Minute“ ist diesbezüglicher Zeitzeuge. Die Fanbase reagiert gespalten.
1998 ereignet sich das Unvorstellbare: Frusciante ist zurück, auferstanden aus dem Drogensumpf (sozusagen dem Teufel vom Karren gesprungen), gestärkt durch Yoga. Der Rest ist jüngste Bandgeschichte: „Californication“ verkauft sich besser denn alle Alben zuvor, RHCP spielen umjubelte Stadion-Tourneen, legen mit „By The Way“ die offensichtlich logische Weiterentwicklung in Richtung Pop/Rock vor und der wachsende Erfolg scheint ihnen schlicht Recht zu geben.
Nach unzähligen Solo-Veröffentlichungen aus dem Hause Frusciante legen die Peppers in 2006 ein 28 Tracks umfassendes Doppelalbum vor: „Stadium Arcadium“.