Drei Italiener zeigen all den genretechnisch dominierenden Briten, wie man heutzutage mit einfachsten Mitteln die Menge bzw. den Hörer zu Boden rockt oder die Sache zielgenau auf den Punkt bringt.
Seit Disco Drive sollte klar sein, dass das musikalische Niemandsland Italien (natürlich in Bezug auf junge, freche, moderne Rockmusik) seinem Ruf als Niemandsland nicht zwingend gerecht wird. Red Worms Farm existieren bereits seit 2001 und waren bis anhin hierzulande wohl nur wenigen Kennern ein Begriff. Doch was die drei Burschen hier mit ’CaneGorillaSerpente’ servieren, haut auch den versiertesten Britpopper mit Wucht aus seinen Röhrenjeans.
Man nehme staubtrockene, hochpräzise Drums, eine wunderbar monoton klimpernde Gitarre, einen brummenden, ebenso monotonen Bass und knappe, eingängige Melodien, tragen diese mit scheuem, sympathisch südländischem Akzent vor und losgehen kann die Sause. Gut, auf diese Idee sind natürlich schon andere Bands gekommen, doch was RedWormsFarm in Stücken wie ’Help Me!’ oder ’Forty Two’ aus den Instrumenten hacken, geht dermassen direkt in die Knie, dass ich sogar während ich hier schreibe wie ein Trampolinspringer auf meinem Bürostuhl umherhopse. Die wenigen, brutal einfachen, schrecklich monotonen Akkorde werden von Schlagzeug und Bass dermassen kraftvoll beschleunigt und mit hymnenartigen, sich wiederholenden Textfetzen versehen, dass das Ergebnis mit einer minimalistischen Wucht, die ihresgleichen sucht, daherkommt. Das tönt dann manchmal nach Pferdegalopp oder Militärmarsch im Zeitraffer, überzeugt durch die schlichte Trockenheit bzw. Schnörkellosigkeit jedoch vollkommen. Weniger ist halt doch manchmal ein grosses bisschen mehr.
Wer von den neuen Alben von Franz Ferdinand oder Bloc Party enttäuscht ist und diese für überproduziert bzw. überladen hält, soll sich bitte RedWormsFarm reinziehen und sich an der trockensten, frechsten Unbeschwertheit seit ’Ready Art Brut?’ erfreuen. Man tanze bitte ungehemmt.
Seit 13. Januar 2009 im Handel.
> Offizielle Webseite > MySpace
Anspieltipps:
> Help Me!
> Forty Two
> Less Is More
Diskographie:
> Halleynation-troncomorto (2002)
> s/t (2004)
> Amazing! (2005)
> CaneGorillaSerpente (2009)
Ähnliche Künstler:
> These New Puritans
> Hot Club de Paris
> The Bishops
> Disco Drive
> Art Brut