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Regina Spektor - Soviet Kitsch (2005) (Sire Records/Warner Music)

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von Ivana Leiseder am Mittwoch, 1. Juni 2005 in Neuerscheinungen   
шапки Долой, Regina!

Regina Spektor - Soviet Kitsch (2005) (Sire Records/Warner Music)Manchmal werden Märchen wahr. So wie das des jüdisch-russischen Mädchens Regina Spektor, das sich mit seinen Eltern ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufmachte und wenige Jahre später mit ihrer Musik die Herzen hunderttausender von Hörern eroberte.

"Soviet Kitsch" ist bereits Regina Spektors drittes Werk - ein musikalisches Schmuckstück, das das Ausnahmetalent der hervorragenden Pianistin in seiner ganzen Fülle offenbart. Keine andere zeitgenössische Kollegin flattert derweg virtuos und mit solchem Geschick über die Tasten und kreiert solch wunderbare, komplexe Kompositionen. Regina Spektor ist nicht nur eine ausserordentlich gute Pianistin, nein, sie ist eine ebenso begnadete Sängerin, die ihre Stimme im Einverständnis mit dem Piano facettenreich aus der Kehle in die Ohren der Hörer sendet - mal leise, flüsternd, dann wieder laut, verzweifelt. Jeder der 11 abwechslungsreichen, balladesken Songs auf "Soviet Kitsch" kommt - auch wenn sich ab und an ein Cello hinzugesellt - mit bloss diesen beiden Instrumenten aus. Regina Spektor braucht keine Backingband. Das musikalische Geschick übernimmt alleine sie, indem sie mithilfe ihrer beiden Instrumente rätselhafte, stets nachdenklich stimmende Lyrics vorträgt - mal witzig erfrischend wie in "Poor Little Rich Boy", das in mädchenhafter Manier von einem ebensolchen Jungen erzählt oder im punkigen "Your Honor", das sich aufgrund der ungewohnt rockigen Natur als schwarzes Schaf auf der Scheibe zeigt und sich über die Ehrverletzung eines Kerls mockiert. Regina Spektors unangefochtene Stärke liegt jedoch darin, tabuisierte oder tieftraurige Geschichten und Lyrics mit einem erschreckenden Schliff tragischer Komik zu versehen, dass sie trotz der schwierigen Thematik angehört werden können. "Chemo Limo" - wohl einer der traurigsten Songs, die es gibt - ist ein Paradebeispiel Regina Spektors eigentümlichen Songwritings: Erzählt wird, wie sich eine todkranke, alleinerziehende Mutter der Chemotherapie entzieht, um mit ihren Kindern stattdessen eine auf den ersten Blick unsinnig erscheinende Limousinenfahrt vorzuziehen. "The truth is you'll be ok anyway", beruhigt der Arzt die Frau fälschlicherweise und schickt im gleichen Atemzug an, über "insurance policies" zu sprechen. Oder in "Carbon Monoxide", wo sie aus der Sicht eines Mädchens erzählt, wie diese den Vater bittet, sich beide umzubringen und reimt dabei "daddy" mit "deada deada" = tot, tot. Regina Spektor ist Meisterin im Wortspiel, was sich auch in Songs wie im wunderbar komponierten "Us" zeigt. Die Stücke verfallen dank der eben genannten Tatsachen nie in sentimentalen Kitsch, sondern machen aufgrund ihrer brutal ehrlichen Natur noch mehr betroffen. Regina Spektor hat das Leben längst durchschaut und teilt diese seltene Begabung mit uns allen - wozu es nur noch eines zu sagen gibt: спасибо. болъшое спасибо!


Seit 1. April 2005 im Handel.

Anspieltipps: The Flowers, Us, Ghost Of Corporate Future, Chemo Limo, Somedays
similar artists: Björk, The Dresden Dolls, Fiona Apple

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Regina Spektor wurde 1980 in Moskau in eine musikalische Familie hineingeboren und begann bereits mit sechs Jahren Klavierstunden zu nehmen. 1989 wanderte die Familie in die Bronx, New York, aus, wo Regina in einer Kollegin der Eltern, einer Musikprofessorin, die ideale Pianolehrerin fand. Schon bald begann Regina, eigene Songs zu schreiben und nahm ein erstes Tape auf, das ihr Zugang zu einem renommierten Musikkonservatorium verschaffte, wo sie sich schon bald zu einer der meist begabten Studentinnen mauserte. Während des Studiums spielte Regina bereits einige Gigs und im Jahre 2001 tat sie sich mit Jazz-Bassist Chris Kuffner zusammen, um ihr erstes Album mit dem Titel "11:11" aufzunehmen. Der Veröffentlichung folgten hunderte von Gigs und Regina Spektor wurde zum Gesprächsthema der New Yorker Anti-Folk-Szene. Ende 2001 wurde Regina von David Poe ins Studio eingeladen, wo sie ihr zweites Album "Songs" einspielte, das ihr beachtliche Aufmerksamkeit und grosses Kritiker-Lob einbrachte. Die Aufnahmen zum dritten Album "Soviet Kitsch" folgten ein paar Jahre später und Regina begleitete die Strokes auf ihrer ausverkauften Nord Amerika-Tour. Da Regina damals noch bei keinem Label gesignt war, musste sie für alle Unkosten (Flug, Hotel etc.) selber aufkommen, aber diese haben sich - wie sie es heute treffend sagt - "sehr gelohnt". Eine Tour mit den Kings Of Leon folgte und unlängst ist Regina Spektor gar in den legendären Late Night Shows von Jay Leno und Conan O'Brien aufgetreten, was für sich spricht. A new star is born.

Regina Spektor - Soviet Kitsch (2005) (Sire Records/Warner Music)
Diskographie:
⇒ 11:11 (2001)
⇒ Songs (2001)
⇒ Soviet Kitsch (2005)


» 1 Kommentar
1"Chemo Limo"
am Donnerstag, 4. Dezember 2008 23:56von Nadine
Wenn Du Dir denn Anfang genau anhörst, wirst Du feststellen, dass die kranke Mutter nur träumt, dass sie keine Chemo Therapie macht und Limousine fährt.
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