Genre: Postrock | Label: Rock Action | Unsere Wertung: 7.5/10
Godspeed You! Sigur Tiersen
„Go for Celtic!“ lautet eine Regel, wenn man in der Glasgower Musikszene Freunde finden will. Freunde gefunden hat Graeme Ronald genug, um sein Musikerkollektiv Remember Remember zum zweiten Mal zu starten.
Da sind schon mal
Mogwai, auf deren Label Rock Action die Band von Graeme Ronald untergekommen ist. Ein Song von Mogwai heisst „Scotland’s Shame“ und die Schande bezieht sich auf die Fans der Rangers. Die gehen gar nicht, weiss man nicht nur in
Glasgow, und trotzdem hat der Verein genügend Anhänger, um sich unglaublich daneben zu benehmen. Remember Remember hat vielleicht bisher noch nicht so viele Anhänger, dafür finden sich immer ein Dutzend Mitstreiter – so auch für „The Quickening“, dem zweiten Album und Nachfolger vom episch-schönen, gleichnamigen Debüt. Fürs Mastering war zudem Iain Cook verantwortlich, Soundtüftler und Gitarrist bei
The Unwinding Hours. Am Ende kann dabei eigentlich nur eines herauskommen: Postrock. Erinnern tut das Ganze aber vielmehr an Sigur Rós und Yann Tiersen als an die Kollegen, die unterstützen. Gesungen wird nicht, Albumcover und Glockenspiel sorgen zusammen mit Streichern für Island-Gefühle. Schottischen Regen besingen da eher
Frightened Rabbit oder
The Twilight Sad. Remember Remember vertonen wunderschöne „Scottish Widows“. Ein bisschen schmunzeln muss man bei manchen Songtiteln schon, wenn man halt trotzdem Mogwai im Hinterkopf behält.
So heisst beispielsweise der letzte Song „John Candy“, der dann auch so klingt und vor allem an die ebenfalls schottische Band Errors erinnert. Schottland ist momentan eh die Quelle einer Vielzahl von hochtalentierten Musikern. Nicht nur dank des grossen Hypes rund um Biffy Clyro, die genauso zu Beginn eher kleine und eher schräge Brötchen gebacken haben. Graeme Ronald ist dabei eines dieser Multitalente, die beinahe als Alleinunterhalter ein ganzes Album konzipieren und dabei manchmal auch Gefahr laufen, etwas in die Langatmigkeit abzufallen. Am Ende des Debüts will diese wunderbare Musik gar nicht mehr enden – was aber auch Geduld braucht. „The Quickening“ kommt schneller auf den Punkt, selbst wenn bei „Ocean Potion“ die Idee wieder bis zum letzten Ton ausgereizt wird. Dabei ist gerade „White Castle“ ein Opener, wie ihn Sigur Rós nicht besser hinbekommen. Eine für den Postrock typische Steigerung mit besagtem Glockenspiel, ohne dabei Genrewiederholung zu betreiben. Was das noch wird, mit Graeme Ronald, das muss man im Auge behalten. Zwei tolle Alben, davon eines in der Schweiz kaum bis gar nicht erhältlich. „The Quickening“ lässt nun aber europaweit in eine Art von Postrock blicken, die nur für Celtic-Fans bestimmt sein kann. Und damit für potentiell neue Freunde.
Seit 14. Oktober 2011 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> Scottish Widows
> White Castle
> One Happier
Diskographie:
> Remember Remember (2008)
> The Quickening (2011)
Ähnliche Künstler:
> Sigur Rós
> Yann Tiersen
> Godspeed You! Black Emperor