Richard Julian muss ein sanfter Mann sein. Sieht man ihn auf den Fotos mit seiner Gitarre sitzen, den Blick weit in die Ferne gerichtet, fühlt man sich unweigerlich an John Lennon erinnert, und hört man sich dann sein neues Album „Slow New York“ an, ist alles weich und anschmiegsam, das meiste akustisch, ruhig und zerbrechlich. Er orientiert sich in seinem Songwriting vor allem an Folk und Country, manchmal klingt’s auch ein wenig nach Jazz und Blues, dazu singt er mit süsser Stimme seine Hommage an die langsame Seite jener Stadt, die nie schläft.
Das Album besteht zum grössten Teil aus Balladen wie dem Opener „Love Of Mine“, der auf leisem aber direktem Weg ins Herz des Zuhörers findet, mit „On Your Own“ gibt sich Richard Julian als männliches Pendant zu Norah Jones und „Don’t Wait Up“ ist wie Ryan Adams ohne Kitsch. Die wenigen up-tempo Stücke (z.B. „If A Heart Breaks“) sind zwar ganz nett, aber man ertappt sich unweigerlich bei dem Wunsch, Richard Julian hätte sich auf das beschränken sollen, was er wirklich kann: schöne Balladen singen.
Das Problem bei all dieser Nettigkeit ist das Fehlen von echter Individualität. „Don’t Wait Up“ ist wirklich ein wunderschöner Song, könnte aber gerade so gut von Ryan Adams stammen. „Making Movies“ ist trotz Gastvocals von Norah Jones so ohne Ecken und Kanten, dass der Song nach kürzester Zeit wieder vergessen gerät. Weil es sich aber, solange es andauert, so schön tröstend anfühlt und der Wohlfühlfaktor unbestritten ist, gibt’s dennoch 3 ½ Sternchen.
Seit 28. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Love Of Mine, On Your Own
Trackliste: 1) Love Of Mine; 2) Slow New York; 3) If A Heart Breaks; 4) Don’t Wait Up; 5) Cold Grey Sky; 6) Cheap Guitar; 7) A Short Biography; 8) Photograph; 9) Making Movies; 10) End Of The Line; 11) Damn; 12) Cheap Guitar (Reprise); 13) Seven Shades Of Blue; 14) On Your Own
similar artists: Ryan Adams, Norah Jones
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Bio:
Richard Julian kam in Arden, Delaware zur Welt. Schon als Kind nahm er Klavierunterricht und schrieb seine ersten eigenen Songs im Teenageralter. Ein geplanter Umzug nach Los Angeles endete in Las Vegas, wo er ein Jahr als Keyboardspieler für verschiedene, namhafte Cocktail Singers arbeitete. Nach dieser Episode zog er nach New York, wo er schon wenige Monate nach seiner Ankunft einen Plattenvertrag mit Blackbird Records abschliessen konnte. Nach zwei kommerziell unerfolgreichen Alben wurde 1999 der Plattenvertrag mit Blackbird nicht verlängert. Richard Julian gab den Mut nicht auf und veröffentlichte 2002 „Good Life“. Nach verschiedenen Kollaborationen und Projekten, darunter „The Little Willies“ mit Norah Jones, ist „Slow New York“ das vierte Album von Richard Julian.